4. Generations Rally 29. März 2025: Day 2 - Harrogate to Harrogate (Südwestrunde, 270 km plus 300 Meter)
Gestern erfuhr ich beim Abendessen, wie ich zu meinem neuen Beifahrer gekommen bin. Der Rallye-Organisator schrieb diese 'Stelle' in einschlägigen Gruppen auf Facebook aus und keine 10 Minuten später hatte er schon 4 Interessenten. Simon war der Schnellste und so kam alles zu Stande .
Total sind 89 Fahrzeuge am Start, davon 24 in der Kategorie der Vorkriegsfahrzeuge und 65 in der Katengorie der 'Classic-Cars' (Nachkriegsfahrzeuge), wo wir mit unserem Ford Mustang auch dazu gehören. Letztere Kategorie ist wiederum in 'Klassen' aufgeteilt, welche sich nach Jahrgang und Hubraum unterscheiden. Wir sind in der grössten Klasse 6 (Large Classic, Baujahr 1961 bis 1967 und Hubraum über 2'000 ccm) mit 14 weiteren Fahrzeugen eingeteilt. Dazu gehören auch Porsches 911, Mercedes 280 SE und Triumph TR 4, welche alle deutlich wendiger als unser Mustang sind. Trotz der 10 Sekundenstrafe sind wir nach dem 1. Tag auf Rang 5 in unserer Klasse und 13. innerhalb der Kategorie 'Classic Cars'. Auf den geraden Strecken der Rundkurse kann unser Mustang gut mithalten, bei den Pylonengassen sieht es leider etwas anderes aus. Dafür haben wir die spektakulärste Kurvenneigung auf sicher .
Also, der heutige Vormittag ist uns noch gut gelungen und wir sind im Zwischenklassement um 6 Plätze nach vorne gerutscht. Alle Rundkurse, resp. die abgesperrten Strecken mit vielen Ecken und Kanten auf schlechten Belägen gelangen gut bis sehr gut. Auch zwei der vier Regularities gelangen gut bis sehr gut, aber die anderen zwei haben wir ziemlich verhauen. Doch der Reihe nach:
Bei der zweiten Regularity kam aus Versehen die Schnitttabelle (Composite-Speedtable) der vorherigen Regularity zur Anwendung. Ich wurde dann schon etwas stutzig, weil erstens der verlangte Schnitt für die gefahrene Strecke recht anspruchsvoll war und zweitens wir an einer Stelle die Geschwindigkeit auf 20 mph reduzieren mussten, wo weit und breit kein Dorf oder anderer Grund dazu vorhanden war. Kurz darauf kam der 1. Timingpunkt und wir mussten erkennen, dass wir 37 Sekunden zu früh waren! Sofort begann Simon neu zu rechnen und beim 2. Timingpunkt kamen wir nur noch mit 1 Sekunde Fehlzeit an, dies war nur möglich, weil wir jederzeit auf der korrekten Strecke waren. Auf dem Weg zum letzten Timingpunkt hat sich bei einer Abbiegung in einem Dorf kurz vorher ein Unfall ereignet (auch ein Rallye-Fahrzeug war involviert, aber nur Blechschaden) und die ganze Kreuzung war blockiert. Mit sanftem Nachdruck und der stoischen Nichtbeachtung einiger Verkehrsschilder (kann ja mal vorkommen ) konnte ich mit der Zeit den Stau umfahren, aber zum Aufholen hat es nicht mehr ganz gereicht ► weitere 39 Strafsekunden ...
Bei der letzten Regularity waren 5 Meilen ausschliesslich auf Schotterstrassen und in einem (grösseren) Privatgrundstück zu fahren. Das hat grundsätzlich grossen Spass gemacht und es hätte noch viel mehr Spass gemacht, hätten wir uns nicht schon beim 2. Roadbook-Diagramm verfahren. Plötzlich tauchte ein grösserer Baumstamm auf, welcher quer in der Fahrbahn lag. Nun hiess es zurücksetzen und wieder den richtigen Weg finden. Aber jetzt stimmte natürlich weder der Tripmaster noch die Stoppuhr und wir gelangten rein nach Gefühl an die nächstem beiden Timingpunkte und haben wohl wiederum einige Strafsekunden kassiert. Wir haben aber alle Code-Boards und sonstige Kontrollstellen gefunden, haben überholt und wurden überholt, gesamthaft war es ein ziemlich wilder Ritt mit viel Staub und Steinwurf. Aber wirklich gestaunt haben wir erst beim letzten Timingpunkt, wo wir auf die Sekunde genau - rein nach Gefühl - ankamen. Das soll uns erst einmal einer nachmachen !
Letztendlich habe ich heute 2 Dinge gelernt:
- Alle Punkte, welche man durchfahren hat und alle Schnitttabellen, welche man schon einmal benutzt hat, muss man in den entsprechenden Unterlagen konsequent abstreichen, sonst kann es zu Doppelnutzungen kommen oder man lässt etwas aus. Irene und ich praktizieren dies seit jeher, aber mir wurde heute wieder einmal bewusst, wie wichtig das ist und wie leicht man in der Hitze des Gefechtes in den Unterlagen verrutschen kann.
- Englische Navigatoren kochen auch nur mit Wasser ... , aber Karten lesen kann der Simon, Hut ab!
Also werden wir ranglistenmässig heute gewaltig zurückfallen, aber das ist sekundär! Es hat den ganzen Tag - völlig ungewohnt für die Einheimischen - nicht geregnet und wir konnten alles offen fahren (Simon hat jetzt eine warme Mütze auf dem Kopf und eine zusätzliche Jacke an). Die gefahrenen Strecken waren wirklich toll und die besuchten alten, von Traditionen triefenden Landsitze sehr eindrücklich. Auch die Leute - alt und jung - haben es alle gut miteinander. Leider zeigen einige Fahrzeuge etwas Auflösungserscheinungen und die 4 Mechaniker haben alle Hände voll zu tun.
Bald geht es zum Apéro, dann zum Nachtessen und wohl nicht zu spät ins Bett, da wir ja von heute auf morgen eine Stunde verlieren werden.