4. Pure Switzerland Rallye-Bericht Tag 1

Schon am Vorabend der Rallye trafen sich die verbleibenden weder Wind, Wasser und Schnee fürchtenden Rallye-Teams im Hotel Buchserhof in Buchs (SG) zum gemeinsamen Nachtessen. Zu unserer grossen Freude haben auch David und Jo Roberts - viermalige Teilnehmende an der Rallye Peking-Paris - den Weg von England ins St. Galler Rheintal gefunden. Sie nutzen unsere Rallye als Vorbereitung für die ab dem 29. September stattfindende und 15 Tage dauernde Rallye Austria To Athens. Wettermässig werden sie bei uns wohl nicht viel Neues erleben wink.

Am Freitagmorgen trafen die restlichen Teams ein und nach der Abgabe aller Unterlagen folgte emsiges Studieren der Roadbooks. Zeitweilig überwogen die Sorgenfalten etwaige vorhandene Altersfalten (natürlich nur bei den Männern), aber kurz vor dem Start waren wieder reihum fröhliche Gesichter zu erkennen. Ab 09:30 erfolgte der Start im Minutentakt. Wettermässig hatten wir Glück! Es regnete den ganzen Vormittag nur ein einziges Mal (angry) und die Scheibenwischer wie auch die Dichtigkeit der Cabrio-Verdecke wurden auf eine harte Probe gestellt.

Schon wenige Kilometer nach dem Start wurden die Teams in die Höhen um Wartau/Oberschaan geschickt. Anhand von Bildern und ohne Distanzangaben mussten die richtigen Abzweigungen gefunden werden. Ein Teil dieser Strecke musste zusätzlich nach einer bestimmten Zeitvorgabe gefahren werden. Das gelang vielen Teams ganz gut! Einge wenige gelangten aber soweit ins Abseits, dass nur der in der Nacht zuvor gefallene Schnee die Fortfahrt aufhalten konnte und wieder andere fanden zwar einige sicher wunderschöne Abzweigungen, aber leider nicht die Richtigen. Und ebenso leider hat schon kurz nach dem Start der Porsche von Christian und Bea den Geist aufgegeben. Alle Reparaturbemühunen blieben erfolglos so dass dieses Team den Heimweg auf dem Abschleppfahrzeug des TCS in Angriff nehmen mussten sad.

Weiter ging es via St. Luzisteig, Pfäffers und Vättis in die Taminaschlucht hinauf den Kunkelspass. Diesen durften wir dank einer Spezialbewilligung befahren und auf der Passhöhe wurde im Berggasthaus Überuf jedem Team eine Tasche mit lokalen Spezialitäten abgegeben .

Übrigens so könnte es auf dem Kunkelspass bei schönem Wetter aussehen:

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... und so hat es bei unserer Rallye ausgesehen:

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Trotz des schlechten Wetters schafften alle verbleibenden Teams den Kunkelspass auf Anhieb und für viele war es die 1. Überquerung dieses kleinen, wenig bekannten Alpenpasses. Letztendlich waren vielleicht einige froh, war das Wetter so schlecht, denn es gab keinen Gegenverkehr, weder mit Autos noch mit Fahrräder. An vielen Orten, vor allem auch in der Tunnelstrecke war Kreuzen auf einer längeren Distanz nicht möglich. Das OK hat auf der anderen Seite nach der Tunnelstrecke vorsichtshalber eine Tafel aufgestellt, welche allfälligen Gegenverkehr vor unserer Durchfahrt warnte.

In der Ortschaft Tamins - am Ende des Kunkelpasses - musste zum 1. Mal eine Alternativstrecke gefahren werden. Die Bauarbeiten in der Ortschaft sorgten schon während den Rekognsozierungsarbeiten immer wieder für neue Überraschungen. Dank der Angabe von Koordinaten fanden alle auf die Strecke zurück und fuhren auf einer landschaftlich schönen Strecke der Rheinschlucht auf der Safiental-Seite entlang via Ilanz bis nach Trun. Dort gab es in der Casa Tödi bei Manuel - einem bekennenden Oldtimerfreund (ob's am Namen liegt?) - ein ausgezeichnetes Mittagessen.

Frisch gestärkt ging es nach dem Mittag auf einer für 'Normal-Sterbliche' nicht befahrbaren Schotterstrasse entlang des Flusses bis nach Disentis. Zu allem Übel musste noch nach Himmelsrichtungen navigiert werden. Das ist allen gelungen, nach meinen Informationen gab es keine grösseren Irrfahrten. Hingegen wurde der Hinweis im Roadbook bezüglich Querrinnen auf dieser Strecke teilweise sorgfältig überlesen, was dann doch für die eine oder andere holperige Überraschung sorgte. Zum Glück haben nachfolgende Fahrzeuge die verlorenen Teile der vorausfahrenden Fahrzeuge aufsammeln und später wieder den rechtmässigen Besitzern übergeben können wink.

Auf dem Weg zur Lukmanier-Passhöhe blieb es zwar trocken, aber links und rechts der Strasse war immr mehr Schnee zu sehen. Die Strasse war aber komplett schneefrei und so gelang die Weiterfahrt bis in die Nähe von Olivone problemlos. Kurz vor Beginn der Sonderprüfung musste die Hauptstrasse verlassen und die alte Durchgangsstrasse gefunden werden. Als Bestätigung musste genau 850 Meter später eine Frage beantwortet werden. Die Vorgabe war No .......... und einige haben das No als Abkürzung für eine Nummer interpretiert und suchten an dieser Stelle (und in der Umgebung) nach einem Haus mit einer Hausnummer. Es gab da zwar tatsächlich ein paar Tessiner-Rustici, aber keines hatte eine Nummer. Da ich zu dieser Zeit gerade an dieser Stelle vorbei fuhr, gelangen mir ein paar schöne Bilder der Suchenden:

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Dabei war die Lösung eine ganz andere: Kurz vor diesen Häusern stand in einer Kurve (und nach 850 Metern) eine Tafel ab welcher ein Weg abbog und die Aufschrift No trespassing enthielt. Wenn man die Platzhalterpunkte bei der Fragestellung genauer angeschaut hätte, hätte man drauf kommen können. Nun ja, etwas körperliche Bewegung als Folge der Suchanstrengungen hat sicher allen gut getan devil.

Die kurz darauf folgende Sonderprüfung - eine Regularity mit zwei, drei navigatorischen Kniffen - führte die Rallye-Teams in die Höhen des Blenio-Tales. Offensichtlich muss das eine der anspruchsvolleren Sonderprüfungen gewesen sein, denn es existiert kein einiges Foto davon! Hier hat unser englisches Rallye-Team David und Jo gezeigt, wo der Hammer hängt. Mit einer totalen Strafzeit von nur 2 Sekunden aus 2 Timingpunkten haben sie das nächstplatzierte Team gleich um 16 Sekunden distanziert. Gewundert hat mich das nicht, denn Irene und ich haben mit David und Jo schon viele internationale Rallyes bestritten und kennen deren Regularity-Qualitäten aufs Beste.

Alle Teams haben das Ziel beim Hotel Lucomagno pünktlich und unfallfrei erreicht. Zum (reichhaltigen) Apéro und Nachtessen haben sich alle in der Campra Lodge in Olivone getroffen. Nach einem fröhlichen und gemütlichen Abend zogen sich die verschiedenen Teams ins jeweilige Hotel zur Nachtruhe zurück.