2018

The Trans America Challenge – 27. Mai bis 17. Juni 2018

Mit Irene und ‚Luigi‘ fahre ich von Charleston via New Orleans nach Seattle – fast 9’000 km in knapp 4 Wochen. Die Strecke verspricht interessant zu werden, denn wir überqueren die Rocky Mountains und gelangen auf über 4’300 Meter über Meer, wo wir die legendäre Pike’s Peak Strecke fahren. Der bekannte Rallye-Fahrer Sebastian Loeb ist diese 19.99 km lange mit 156 Kurven versehene Strecke schon in 8 min 14 sek gefahren, was einen Schnitt von rund 140 km/h bedeutet. ‚Luigi‘ wird sich da etwas anstrengen müssen …  🙂

Februar/März 2018

Bereits am diesjährigen Winter RAID ist mir aufgefallen, dass die Auspuffgase von ‚Luigi‘ mindestens auf der linken Seite eine leicht bläuliche Tönung angenommen haben. Das bedeutet nichts Gutes und tatsächlich fanden wir bei einer näheren Inspektion heraus, dass der Motor nicht mehr optimal komprimierte. Offenbar als Folge des Sabotageaktes auf der Classic Safari Challenge und dem damit verbundenen Kühlmittelverlust und Heisslaufen des Motors hat der Motorblock einige Risse bekommen, so dass nicht mehr alle Flüssigkeiten den für sie vorgesehenen Weg korrekt genommen haben. So blieb mir leider nichts anderes übrig, als den Motor komplett revidieren zu lassen. Einmal mehr haben Marcel Moser und sein Team von der Fischer Classic Cars GmbH ganze Arbeit geleistet, so dass ich wenige Wochen später auf Probefahrt gehen konnte. Nach einer weiteren Optimierung der Nockenwelle läuft ‚Luigi‘ wieder wir früher!

13. April 2018

Heute wurde ‚Luigi‘ abgeholt und verladen. Gute Reise nach Charleston!

April 2018

Die administrativen Vorbereitungen für die Einfuhr von ‚Luigi‘ in die USA waren beträchtlich, aber jetzt scheinen alle erforderlichen Zoll-Dokumente, Beglaubigungen und Bestätigungen korrekt vorzuliegen. Derzeit scheint unserem nächsten Abenteuer nichts mehr im Wege zu stehen.

22. Mai 2018 – Letzte vorbereitungen

Alles ist jetzt gepackt und bereit! Wir haben unsere Kleider/Schuhe etc. tatsächlich auf je ein Handgepäckstück reduzieren können und reisen im wahrsten Sinne des Wortes mit leichtem Gepäck. ‚Luigi‘ wird es uns danken …
Gestern haben Irene und ich mit unserem Ford Mustang das ‚Regularity-Fahren‘ geübt, da der Veranstalter nochmals in aller Deutlichkeit darauf hingewiesen hat, dass für diese Gleichmässigkeitsprüfungen nur eine Schnitttabelle, ein Wegstreckenzähler und eine Stopp-Uhr erlaubt sind. Alle anderen elektronischen Hilfsmittel, welche die aktuell gefahrene Durchschnittsgeschwindigkeit anzeigen, sind explizit nicht gestattet und können bei deren Verwendung zur Disqualifikation führen. Da wir uns beide an diese Vorgaben halten wollen, haben wir die Gegend um Seuzach, Bänk, Rutschwil und Dinhard unsicher gemacht und geübt. Nach anfänglichen Abstimmungsdifferenzen zwischen den oben erwähnten erlaubten Hilfsmitteln, aber auch zwischen Fahrer und Navigatorin hat es dann doch bald gut geklappt, so dass wir nur beide zuversichtlich auf die kommenden Prüfungen schauen. Ganz nach dem Motto: Es wird schon schief gehen!

23. Mai 2018 – flug mit der SWISS um 12:55 Uhr nach New York

Der Aufdruck SSSS (Secondary Security Screening Selection) auf meiner Boardingkarte verhiess nichts Gutes und so waren wir vorsichtshalber schon früh am Gate. Prompt wurde ich nochmals einer ausführlichen Sicherheitskontrolle unterzogen (inkl. Drogenschnelltest) und musste der jungen Dame erklären, was ich denn mit einem Trip-Master, einem Satellitentelefon und einem Handy-Navigationsgerät in Amerika wolle. Auch die Stirnlampe kam ihr verdächtig vor, so dass sie einen Vorgesetzten alarmierte. Dieser liess sich aber nicht beirren und erklärte der jungen Damen fachgerecht die Funktion aller meiner Geräte und so konnte ich nach rund 15 Minuten Untersuchung zurück zu Irene, welche inzwischen völlig unbehelligt durch alle Kontrollen geschlüpft war. Der Grund für die erweiterte Kontrolle war: Irene hatte mein Flugticket über ihren eigenen Account bei der Swiss gebucht, was mich automatisch zum ‚Verdächtigen‘ machte.
Dafür ging es bei der Einreise auf dem JFK-Flughafen in New York umso speditiver. Wir mussten keine 10 Minuten warten und wurden erst noch freundlich begrüsst und verabschiedet. Jetzt sind wir in einem nahe gelegenen Hotel angekommen und werden da übernachten, bevor wir dann morgen nach Charleston weiter fliegen. Das Wetter ist schön und angenehm warm!

24. Mai 2018 – flug von New York nach charleston

Der Flug verlief ereignisarm. Wir quetschten uns in eine kleine vollständig belegte Maschine mit nur 5 Sitzplätzen pro Reihe und einem Mittelgang. Zum Glück sassen wir auf der Seite mit den 2 Plätzen. Auf der anderen Seite waren in der Dreierreihe erst die beiden äusseren Plätze besetzt, als fast zum Schluss eine recht beleibte (sehr dezent ausgedrückt!) Amerikanerin erschien und tatsächlich in die Mitte dieser Reihe sitzen musste. Die Begeisterung der beiden bereits sitzenden Personen hielt sich deutlich in Grenzen, aber siehe da, irgendwie hat es dann doch geklappt, auch wenn das Anlegen der Sicherheitsgurte nochmals eine grössere Übung wurde und nur dank dem selbstlosen Einsatz des Kabinenpersonals von Erfolg gekrönt war.
Abends im Hotel haben wir bereits alle Schweizer Teilnehmer getroffen, welche wir zum grossen Teil von früheren Rallys her kannten. Die Wetteraussichten sind schlecht, es sind Stürme mit sehr viel Regen angesagt. Ich werde morgen Sillkondichtmittel kaufen gehen, damit ich die Heckscheibe von ‚Luigi‘ besser abdichten kann. Es reicht völlig, wenn ‚Luigi‘ auf den Strassen schwimmt, im Inneren des Fahrzeuges haben Irene und ich keinen Platz für Schwimmbewegungen!

25. Mai 2018 – Car collecting day

Nach dem Frühstück wurden wir mit einem Bus abgeholt und ins knapp 30 km entfernte Zollfreilager gefahren. ‚Luigi‘ stand inmitten der anderen rund 35 Fahrzeuge und verzog ab unserer Ankunft keine Miene, was angesichts des abgestellten Stromhauptschalters nicht weiter erstaunte. Kaum zum Leben erweckt und nach der Unterzeichnung der nötigen Papiere fuhren wir Richtung Charleston zurück und kauften in einem riesigen Autoersatzteilzentrum noch diese und jene Kleinigkeit, inklusive des Silikondichtmittels für die Scheiben. Zurück in Charleston tankten wir mehr als 100 Liter Benzin (inkl. Kanister) und dichteten die Front- und Heckscheibe ab. Für Sonntag/Montag werden innert 24 Stunden mehr als 70 mm Niederschlag erwartet und das ist doch schon eine ganz beträchtliche Wassermenge. Wenn ich daran denke, dass einige Teilnehmer kein Dach auf dem Auto haben und vor allem auch keines montieren können, sind wir doch sehr froh, dass ‚Luigi‘ relativ dicht ist! Nach weiteren kleineren Einrichtungsarbeiten bestaunten wir die übrigen, teilweise sehr exklusiven Fahrzeuge sowie denjenigen Teilnehmer, welcher gerade begonnen hatte, die Bremsen seines Fahrzeuges zu revidieren. Er werde zudem noch einige Abflusslöcher in den Boden bohren, da er ebenfalls über kein Dach verfügt.
Sonst gibt es heute nicht mehr viel zu tun. Wir werden noch etwas das Zentrum von Charleston unsicher machen und gehen später mit den übrigen Schweizern zum Nachtessen.

26. Mai 2018 – Scrutineering Day and welcome dinner

Ich weiss jetzt, warum es gute Vorsätze gibt: Damit man etwas über den Haufen werfen kann! Statt des angesagten Regen war (fast) nur Sonnenschein, die technische Abnahme sowie alle anderen Arbeiten waren um 15:00 Uhr beendet und das Prosecco-Angebot gut. So ist eine zunehmend grössere Gruppe draussen an der Bar hängen geblieben und hat in den vergangenen Rallye-Erlebnissen geschwelgt. Kurz bevor die durchlebten früheren Etappen überhängend gefahren wurden, haben wir dann doch noch den Weg zum Welcome-Dinner gefunden, wo wir jetzt einen gemütlichen Abend durchleben werden. Morgen um 08:08 geht’s los. Wir sind bereit!

27. Mai 2018 – Day 1: Charleston to Charlotte (449 km)

Der Tag hat unerwartet früh begonnen, denn um 05:30 ging im Hotel der Feueralarm los! Wir hätten alle sofort das Gebäude verlassen müssen, aber da wir keinerlei Rauch- und sonstige Brandereignisse wahrnehmen konnten, haben wir das Ganze in Ruhe angehen lassen. Nach zweimaligen Peilen der Lage und nach dem Verstummen des Alarms sind wir ins Bett zurück gekrochen, wobei natürlich an Schlaf nicht mehr zu denken war (es war wie vermutet ein Fehlalarm). Trotzdem sind wir pünktlich um 08:08 losgefahren und haben den Weg Richtung Charlotte gesucht und auch zeitgerecht gefunden. Die erste Sonderprüfung – eine 12 km lange Regularity mit 50 km/h Schnitt – haben wir infolge eines missverständlichen Zeichens im Roadbook total verhauen und bereits zu Beginn die maximal möglichen Strafpunkte eingesammelt. Wir waren zwar bei weitem nicht die einzigen mit diesem Missgeschick, aber letztendlich war das nur ein schwacher Trost. Die zweite Regularity am Nachmittag gelang schon deutlich besser, aber es hat noch einige Luft nach oben! Am Schluss der Etappe durften wir die berühmte Hall of Fame des NASCAR-Museums besuchen, wobei sich immerhin meine Miene stark erhellt hat, denn der ein Jahr ältere Vorgänger von ‚Luigi‘ hat offenbar gegen Ende der 30-er Jahre viele Rennerfolge eingeheimst!
Im Hotel angekommen waren trotz mehrfacher früherer Bestätigungen weder die Zimmer bereit noch funktionierte der Lift ins zehnstöckige Parkhaus. Das für uns reservierte Parkdeck war leider das oberste … Also mussten wir uns nach dem längeren Treppenlauf notgedrungen an der Bar niederlassen und haben wenigstens ungefähr einen Drink genossen. Wir Schweizer sind – mit Ausnahmen – bekanntlich recht geschmeidig und haben dem Organisationsteam der Rallye kontinuierlich Bier zukommen lassen und dies solange, bis sich alle Gemüter wieder etwas beruhigt hatten (hat eine Weile gedauert  🙂 )
Alles in allem ist uns dieser Tag nicht gut gelungen (sehr wohlwollend ausgedrückt, denn er war einfach nur sch…..), trotzdem hatten wir es in der Bar schnell erschreckend lustig und nach dem allabendlichen ‚Aufbrezeln‘ werden wir nochmals die Bar aufsuchen und dort auch etwas essen  🙂
Nachtrag um 21:30 Uhr: Die Rangliste hat es gnadenlos aufgezeigt: Wir sind Letzte in unserer Kategorie der Vorkriegsfahrzeuge! Zwar nicht Letzte über alle Fahrzeuge, aber es reicht alle Mal. So viel Prosecco wurde noch noch nie nach Charlotte importiert um den Frust herunter zu spülen, denn es lag ja nicht an Irene (und auch nicht an ‚Luigi‘). Sie hat ihren Job sehr gut gemacht! Na ja, ganz soooo schlimm war es ja auch nicht, wir werden das Feld jetzt von hinten aufrollen! ‚Luigi‘ läuft trotz seinem üblichen Hitze bedingtem Schluckauf einwandfrei und kann in Steigungen den jüngeren Fahrzeugen locker zeigen, wo der ‚Bartli den Most holt‘. Nur eben, gewisse Abzweigungen sollte man einfach nicht verpassen …

28. Mai 2018 – Day 2: Charlotte to Highlands (420 km)

Heute hat es glücklicherweise nur einmal geregnet, dafür durchgehend von morgens bis abends und vor allem in den Bergen (wir waren auf 1’700 Meter ü. M.) recht heftig. Ganze Sturzbäche fielen über die Felswände und liessen mancherorts das Wasser auf den Strassen auf mehrere Zentimeter ansteigen. Zudem stürmte es manchmal ganz ordentlich, so dass ‚Luigi‘ öfters ins Wanken kam. Dabei sind wir erst in einen Ausläufer des tropischen Sturms geraten und für Morgen sind weitere Wetterkapriolen angesagt. Gestern wie heute haben wir uns im sog. ‚Bibelgürtel‘ der USA aufgehalten. Eine Kirche folgte der anderen und ich wusste gar nicht, dass es so viele verschiedene Glaubensgemeinschaften gibt. Jetzt in den Bergen sind wir vor allem mit der Natur in Kontakt und das freut uns beide. Das heutige Hotel besteht aus diversen kleineren Häusern mit je 4 bis 6 grosszügigen Zimmern, welche in einem angenehm rustikalen Stil gehalten sind.
Die heutigen drei Regularities waren noch deutlich anspruchsvoller als gestern, mit wechselnden Durchschnittsgeschwindigkeiten und anspruchsvollen Bergstrecken. Wir haben aber heute Morgen unsere Hausaufgaben gemacht und uns akribisch auf diese Sonderprüfungen vorbereitet. Auch für mich war diese Art der Prüfungen neu und so haben wir gerechnet und gerechnet und geschrieben und geschrieben, bis wir für jede Regularity eine eigene individuell gestaltete Schnitttabelle beieinander hatten. Unsere Bemühungen wurden belohnt: In den drei Regularities mit total fünf Timing-Points haben wir nach eigener Überprüfung eine Gesamtabweichung von weniger als 15 Sekunden und zwei Timing-Points haben wir nach mehr als 10 km auf 1 Sekunde genau angefahren. Wenn das der Veranstalter dann auch so sieht, werden wir wohl gegenüber gestern einige Plätze gut machen können. Übrigens: Wir waren gestern offenbar nur Zweitletzte unserer Kategorie, der Letzte hat gesamthaft noch eine Sekunde länger gebraucht als wir …
Morgen steht ein langer Tag mit drei Regularities und einem Geschwindigkeitsrennen auf einem Rundkurs vor uns, bevor wir dann übermorgen den ersten Ruhetag in Nashville geniessen können. Wir sind gespannt, ob infolge des schwierigen Wetters alles planmässig durchgeführt werden kann.
Nachtrag um 21:15 Uhr: Wir haben heute den Tagessieg in unserer Kategorie eingefahren und sind auf Platz 2 vorgerückt, was uns natürlich sehr freut. Andererseits wissen wir nur zu gut, wie schnell sich alles wieder ändern kann. Und bevor ich es vergesse: Es regnet immer noch …

29. Mai 2018 – Day 3: Highlands to Nashville (515 km)

… heute morgen hat es nicht mehr geregnet, sondern es ergossen sich derart intensive Wassermassen über uns, dass jeder neuwertige mitteleuropäische Duschbrausenkopf vor Neid erblasst wäre ab der gelieferten Wassermenge. So kämpften wir uns tapfer durch das Gebirge, den Nebel und die Wasserfronten. ‚Luigi‘ war leider nicht ganz dicht (da passt er vermutlich bestens ins Team  🙂 ), aber im Vergleich zu den offen fahrenden Teilnehmern genossen wir die Luxusvariante. Nach rund 2 Stunden gelangten wir zur ersten Sonderprüfung, einer relativ kurzen und einfachen Regularity. Kaum losgefahren, begann Irene wie üblich die Schnitttabelle zu lesen und ich versuchte, die von ihr vorgegebenen Zeiten einzuhalten. Irgendwie passte alles nicht zusammen, denn obwohl ich immer schneller fuhr, war ich gemäss Irene zu langsam. Ein längerer Blick auf den Tripmaster (eichbarer Wegstreckenzähler) zeigte uns bald, dass dieser nicht mehr korrekt zählte. Nach kurzem Gegrummel fuhr ich die restlichen Kilometer nach Gefühl und waren trotz dieser Widrigkeiten nur 16 Sekunden neben der Sollzeit. Da wir die Ursache des Problems nicht erkennen konnten, fuhren wie auch die zweite Regularity ohne Tripmaster, aber mit Hilfe unseres Navigationssystems. Diese zweite Regularity führte uns durch eine Schlucht und das GPS-Signal war derart ungenau, dass ich auch hier bald auf die ‚Gefühl-Fahrt‘ umstellte und siehe da, wir lagen nur 1 Sekunde über der Sollzeit. Zum Glück waren das beides einfache Regularities mit nur einer einzigen Durchschnittsgeschwindigkeit. Während der angedachten Mittagszeit habe ich nochmals alles genau untersucht und dann den Fehler in einem Wackelkontakt am 12-poligen Stecker des Tripmasters gefunden. Mit Hilfe von diversen kleineren und grösseren Zangen sowie genügend Krafteinsatz konnte ich die Kontakte so hinbiegen, dass alles wieder funktionierte, aber wehe, ich muss diesen Stecker nochmals ausbauen.
Am Nachmittag haben wir dann den Rundkurs auf einer schlammigen Piste absolviert, was sehr viel Spass gemacht hat. ‚Luigi‘ hat alles gegeben und sah am Ende des Kurses auch entsprechend verdreckt aus. Da wir aber die nächsten 100 km wieder im strömenden Regen gefahren sind, ist vom vorherigen Schlammbad nichts mehr zu erkennen. Die dritte und letzte Regularity war sehr schwierig und wir haben sie entsprechend seriös vorbereitet. Beim ersten Timing-Point lagen wir nur 3 Sekunden daneben, aber den zweiten Timing-Punkt haben wir wegen einer nicht gefundenen/gefahrenen Abzweigung erst zu spät gefunden. Wir sind zwar an dieser Abzweigung vorbei gefahren, haben sie auch gesehen und studiert, aber gedacht: Da werden die uns sicher nicht hinaufschicken. Wir wurden eines Besseren belehrt!
Jetzt sind wir im Hotel in Nashville angekommen. Der Weg war mühsam, denn wegen eines Besuchs von Donald Trump waren alle für uns wichtigen Zufahrten gesperrt! Gleichzeitig haben wir aber wegen des Wechsels der Zeitzone eine Stunde gewonnen, so dass wir uns heute Abend gebührend auf den morgigen Ruhetag vorbereiten können.
Nachtrag um 01:00 Uhr: Trotz des nicht optimalen Tagesablaufes haben wir den zweiten Platz in der Kategorie Vorkriegsfahrzeuge halten können und sind in der Gesamtrangliste von Platz 10 auf Platz 6 vorgestossen. Am meisten gefreut hat uns (mich) aber, dass wir auf dem schlammigen Rundkurs mit 56 Sekunden die zweitbeste Zeit aller Teilnehmer hingelegt haben. Nur 3 Sekunden hinter einem Alvis Firefly, dessen Besitzer mehr als 70 Oldtimer besitzt und zu Hause einen eigenen Rundkurs in seinem ‚Garten‘ eingerichtet  hat.

30. Mai 2018 – day 4: Nashville (Rest-Day)

Nach ausgiebig Schlafen und Frühstücken besuchten wir eine Shopping-Mall um noch ein paar Kleinigkeiten einzukaufen. ‚Luigi‘ bekam 3 Deziliter ÖL, alles andere war in Ordnung. Innerhalb des Teilnehmerfeldes ist schon recht gut sichtbar, wer bezüglich Navigation ganz vorne mitmischen wird und wer eher nicht, vorausgesetzt, alle Wagen halten durch. Die Startnummer 6, ein wunderschöner Cadillac Convertible aus dem Jahre 1937 hat die Nase deutlich vorne, kein Wunder, denn der Navigator ist offenbar ein ‚alter Fuchs‘, Gerüchten zufolge ein Profi, welcher nichts mehr anderes macht. Wir waren bis jetzt erst auf zwei Sonderprüfungen besser und auch das nur innerhalb weniger Sekunden. Auf den weiteren Plätzen kann sich jedoch täglich viel ändern, da ist noch keine Prognose möglich. Zudem haben wir erst einen einzigen Rundkurs auf matschiger Strecke absolviert, auch da weiss ich noch nicht, wer auf solchen Kursen alles Zeit gut machen kann.
Die Stimmung in der ganzen Truppe ist mit wenigen Ausnahmen sehr gut, meines Wissens ist nur bei einem Team etwas dicke Luft vorhanden. Das kann sich wieder legen (oder auch nicht) und stört uns nicht weiter. Bezüglich der Fahrzeuge sind schon einige liegen geblieben, konnten aber alle wieder flott gemacht werden und wie bei jeder Rallye gibt es auch hier einige wenige Teilnehmer, welche von Amerika schon viel mehr gesehen haben als andere. Aber am Abend haben immer alle ins Hotel gefunden. Erst ein einziges Paar fährt mit einem Mietwagen mit, da es ihr eigenes Auto schon gar nicht rechtzeitig zum Start geschafft hatte.
Morgen geht es los in Richtung Memphis. Neben drei Regularities findet wieder ein Rundkurs auf Gras- oder Sandpiste statt und es werden ca. 500 km zurück zu legen sein. Die Wetterprognosen sind besser, zumindest sollte es nicht mehr regnen. Das glaube ich aber erst, wenn es denn auch so stattgefunden hat.

31. Mai 2018 – Day 5: Nashville to Memphis (494 km)

Tatsächlich hat es den ganzen Tag nicht geregnet und häufig hat sogar die Sonne gelacht. Zudem wurde es sehr schwül und warm. Wir durchfuhren wunderschöne Landschaften, fernab von Highways und Interstate-Routen. Gleichzeitig haben wir auch ärmlichere – vorwiegend von Schwarzen bewohnte – Gegenden durchquert, wo wir nicht sicher waren, ob diese Häuser tatsächlich fliessend Wasser haben.
Die erste Sonderprüfung – ein Rundkurs auf Gras/Schlamm – musste leider abgebrochen werden. Nachdem fünf Fahrzeuge den Parcour erfolgreich absolviert hatten, blieb ausgerechnet der in Führung liegende Cadillac unserer ‚Profis‘ im Schlamm stecken. Mit den fast profillosen Weisswandreifen gab es kein Fortkommen mehr, weder vorwärts noch rückwärts. Das Fahrzeug lag bei der Antriebsachse auf dem Fahrzeugboden auf und konnte später nur unter Einsatz einer kräftigen Zugmaschine aus dem buchstäblichen Schlammassel befreit werden. Die dauerte offenbar längere Zeit, denn der Veranstalter schickte die anderen Fahrzeuge auf die Weiterfahrt. Schade, ich wäre den Parcour gerne gefahren, da wir auf solchen Strecken vermutlich einige Sekunden Zeit herausholen könnten. Zur Mittagspause kam das Fahrzeug gerade noch rechtzeitig an, allerdings konnten wir vom Weiss der Weisswandreifen nichts und vom Originalfarbton der Carosserie kaum mehr etwas erkennen.
Zum Glück gelangen uns alle Regularities des Tages recht gut, nirgends hatten wir mehr als 4 Sekunden Differenz zu Sollzeit. Aber auch die anderen Teilnehmer werden dazu gelernt haben, wir sind gespannt auf die Rangliste!
Wir sind jetzt in einem sehr schönen Hotel in Memphis und nach dem Nachtessen wir zu unseren Ehren eine Roof-Top-Party veranstaltet. Ewig diese Sonderprüfungen  😆

1. Juni 2018 – Day 6: Memphis to Jackson (502 km)

Die heutige Etappe führte uns während rund 300 km über eine wunderschöne zweispurige Waldstrasse mit einer erlaubten Geschwindigkeit von 50 Meilen/h (rund 80 km/h). Es soll Rallye-Teilnehmer gehabt haben, die diese Geschwindigkeit eingehalten haben, es kann aber auch ein Gerücht sein. Sehr selten kam ein Fahrzeug entgegen und als dann eines kam, war es prompt das Fahrzeug des lokalen Sheriffs, welches in der Lage war, die Geschwindigkeit des Gegenverkehrs aus dem fahrenden Fahrzeug heraus zu messen. Den vordersten in unserer Gruppe hat es erwischt und wurde umgehend angehalten. Wir anderen fuhren weiter, mit ‚Luigi‘ waren wir am Schluss einer Dreiergruppe. Einige Zeit später und als hätte mir das jemand eingeflüstert, schaute ich zur richtigen Zeit in den Rückspiegel und erkannte am hinteren Horizont ein schnell aufrückendes Fahrzeug, welches sehr dem vorherigen Sheriff-Fahrzeug glich. Ich reduzierte die Geschwindigkeit auf 50 Meilen/h und so zuckelten wir unauffällig und ein Liedchen pfeiffend vor uns hin. Es war tatsächlich das Sheriff-Fahrzeug, welches uns jetzt rund 15 km weit ‚verfolgte‘ in der Hoffnung, wir würden beschleunigen. Den Gefallen taten wir ihm nicht, so dass er dann einmal abbog und vorher noch zwei Mal mit der Lichthupe zwinkerte. Für die zuerst erwischten Teilnehmer gab es keine Busse, da sie glaubhaft versichern konnten, dass die Tachometer in solch alten Autos einfach nicht genügend genau sind …
Vorgestern hat der Organisator wegen eines Verarbeitungsfehlers die Rangliste korrigieren müssen. Am Tag 3 sind wir in der Gesamtrangliste vom 10. Platz nur auf Platz 8 vorgerückt und nicht wie geschrieben auf den 6. Platz. Dann gestern nochmals um einen Platz nach vorne und jetzt liegen wir in der Gesamtrangliste auf Platz 7. In der Kategorie der Vorkriegsfahrzeuge sind wir nach wie vor auf dem 2. Platz und den versuchen wir zu halten, denn unsere ‚Profis‘ liegen (fast) uneinholbar an der Spitze. Heute sind wir wiederum recht gut durch gekommen, einmal sogar mit einem 0-er, was etwa einem ‚Hole in one‘ im Golf entspricht. Offenbar hat es auch einige Pannen sowie einen (Bagatell-)Unfall mit etwas Blechschaden gegeben. Morgen werden wir mehr wissen!

2. Juni 2018 – Day 7: Jackson to new orleans (421 km)

Der gestrige Unfall ist zum Glück glimpflich ausgegangen. Zwei der Rallye-Fahrzeuge standen hintereinander an der Ampel und warteten auf die Weiterfahrt, als ein einheimisches Fahrzeug, besetzt mit drei jungen Damen, auf die stehenden Fahrzeuge prallte. Das zuerst getroffene Fahrzeug wurde dann in das vordere geschoben, so dass an allen drei Fahrzeugen Blechschaden entstand. Die drei jungen Ladys wurden nur ganz leicht verletzt, während unseren Rallye-Teilnehmern nichts passierte. Zum Glück konnten sie die Fahrt nach dem Erstellen des Polizeirapportes bald wieder aufnehmen und gelangten ohne Strafpunkte ins Ziel, wo sie dann mit den Reparaturarbeiten begannen.
Gestern waren wir wieder Tagessieger in unserer Kategorie und dritte über alle Fahrzeuge. Genützt hat es wenig, wir sind nach wie vor Zweite in unserer Kategorie und Siebte auf der Gesamtrangliste. Allerdings konnten wir unseren Vorsprung gegenüber dem Drittplatzierten ausbauen. Inzwischen hat sich die Rangliste beruhigt und die Plätze sind mehr oder weniger bezogen (solange keine Ausfälle stattfinden und sich niemand verfährt).
Heute war es seeehr heiss, trotzdem gelangen uns die heutigen, teilweise sehr anspruchsvollen Prüfungen recht gut. ‚Luigi‘ zeigte im Stadtverkehr seine bekannten hitzebedingten Macken, allerdings deutlich weniger als auf der Südafrika-Rallye. Die zusätzlich in die Kühlerhaube montierten Lüftungsgitter scheinen sich zu bewähren.
Ansonsten verlief alles nach Plan. Nach dem Überqueren der 38 Kilometer langen Brücke über den Lake Pontchartrain gelangten wir direkt ins Zentrum von New Orleans. Unser Hotel liegt mitten im French Quarter, umzingelt von zig Jazz-Lokalen. Morgen ist Ruhetag, also werden wir heute etwas feiern …
Nachtrag um 23:30 Uhr: Wir haben ein sehr gutes Abendessen genossen, aber im Speisesaal war es leider sehr laut, so dass wir uns bald in den Garten nach aussen verzogen. Vorher hat der Rallye-Direktor Fred Callagher ein Rede gehalten und dabei auch uns erwähnt. Wir haben leider nur die Hälfte verstanden, aber offenbar ist uns der heutige Tag wiederum gut gelungen, denn zusammen mit zwei anderen gemischt geschlechtlichen Teams haben wir einen inoffiziellen Tagessieg erreicht und dabei erst noch zwei 0-er Prüfungen hingelegt. Den Tagessieg hat wieder einmal unser ‚Profi-Team‘ davon getragen, die machen das wirklich gut! Trotzdem sind wir auf Platz 5 in der Gesamtrangliste vorgestossen und haben den Platz 2 in der Kategorie der Vorkriegsfahrzeuge weiter festigen können.
Die jüngeren (oder älteren?) unter uns haben sich darauf ins Nachtleben von New Orleans gestürzt, sind aber bald zu uns zurückgekehrt, da es einfach überall sehr laut war. Allgemein hat sich etwas Müdigkeit eingeschlichen, so dass auch wir – so vernünftig wie man uns kennt  🙂 – das Hotelzimmer aufgesucht haben und nächstens ausgiebig am Kissen horchen werden!

3. Juni 2018 – Day 8: new orleans (rest day)

So müde waren wir offenbar doch nicht, denn um 08:00 Uhr waren wir schon wieder munter. Nach dem Frühstück ging ich in die Tiefgarage zu ‚Luigi‘ und prüfte Öl und Wasser. Nur wenige andere werkelten an ihren Autos herum. Dem durch den Unfall lädierten Ford Mustang konnte ich mit einem Ersatzteil aushelfen, ansonsten gab es nichts mehr zu tun. Als nächstes werden wir durch das French Quarter streifen, bevor wir dann am Abend einen Mississippi-Raddampfer besteigen und Essen und Musik geniessen werden. Die Stimmung ist nach wie vor sehr gut, insbesondere auch innerhalb der Schweizer Truppe. Morgen fahren wir fast 650 km der Küste entlang nach Galveston. Es wird keine Sonderprüfungen geben, nur Passage Controls und das sollte zu schaffen sein. An 2 Orten werden wir zudem die Fähre nehmen müssen.
Nachtrag um 13:30 Uhr: Erneut ist es sehr heiss und vor allem feucht geworden. Das sind jeweils diejenigen Momente, wo auch ich gerne eine klimatisierte Shopping-Mall aufsuche. Allerdings verstehe ich nicht, warum diese wie auch alle Restaurants immer auf arktische Temperaturen heruntergekühlt werden müssen. Damit das Publikum draussen etwas vom Angebot mit bekommt, werden jedoch gerne alle Fenster zur Strasse offen gelassen, was der Energiebilanz ganz sicher nicht förderlich ist. Gestern Abend mussten wir Jacke und Pullover holen, damit es im Hotelrestaurant einigermassen auszuhalten war. Wie viel Energie könnte wohl eingespart werden, wenn die Klimaanlagen weltweit 1 oder 2 Grad weniger kühlen würden?
Trotz der Hitze sind wir eine Weile durch das French Quarter geschlendert, haben in gefühlte 1000 Schaufenster geschaut und noch mehr Leute beobachtet. Auf Grund der Hitze ist generell leichte Kleidung angesagt, was bei der stattlichen Anzahl übergewichtiger Leute fast in einen Fleischbeschau ausartete (und ich dachte immer, das fände nur im Schlachthof statt). Speziell die massigen und dunkelhäutigen Ladys gingen sparsam mit der textilen Oberbekleidung um, so dass für mich der Spruch von Humphrey Bogart ‚Schau mir in die Augen, Kleines!‘ eine ganz neue Bedeutung bekam. Zwischenzeitlich schlabberten wir ein Glace, glücklicherweise haben wir es im Becher bestellt, ansonsten alles dahin geschmolzen wäre, bevor wir die XXL-Portion (es war die kleinst-mögliche) hätten essen können. Und wie könnte es anders sein, ein Teil des Schokoladenglaces hat den Weg auf mein T-Shirt gefunden. Das kommt halt davon, wenn der Blick immer abgelenkt wird.  🙂
So sind wir jetzt früher als geplant ins Hotel zurückgekehrt und geniessen die Kühle unseres Zimmers, auch hier mussten wir die Klimaanlage gestern Abend zwei Grad wärmer stellen …

4. Juni 2018 – Day 9: New orleans to galveston (638 km)

Der Tag war mehr oder weniger eine reine Überführungsetappe und Kilometerfresserei, trotzdem haben wir es geschafft, alle unsere wichtigen Dokumente wie auch unser Notfallgeld im Hoteltresor zu belassen. Immerhin haben wir es nach rund 200 km bemerkt und sogleich das Hotel angerufen, damit die uns das Ganze ins übernächste Hotel senden. Wir sind gespannt, ob es klappt.
Mehrere 100 km sind wir der Küste des Golfes von Mexiko entlang gefahren. Hier ist alles auf Sturm eingestellt. Alle Häuser sind auf Stelzen in mindesten 5 Meter Höhe, selbst die Trafostationen hängen alle in der Luft. Viele Einwohner leben in riesigen Campern auf ihrem Grundstück, so dass sie bei Gefahr jederzeit losfahren können.
Bei der Polizei hat sich inzwischen herumgesprochen, dass da eine Rallye unterwegs ist. Auch wir wurden heraus gewunken und geprüft (ok, wir waren wie alle anderen auch etwas zu schnell unterwegs), aber Bussen gab es für niemanden, viel mehr wollten die Beamten alles über die Fahrzeuge und die Rallye wissen. Zum Schein prüften sie meine Dokumente (ich hatte ja nur noch die ID und den nationalen Führerschein, der Rest war im Hoteltresor) und befanden alles für in Ordnung. Bezüglich der Geschwindigkeiten ausserorts ist es manchmal wirklich nicht einfach, denn diese variieren von Bundesstaat zu Bundesstaat und es ist nicht erkennbar, warum man auf gut ausgebauten Landstrassen nur 55 Meilen/h (Louisiana) und dann auf schmalen Rüttelpisten mit 65 Meilen/h (Texas) fahren darf. Nun ja, wir sind alle gut angekommen und froh, wenn wir in den nächsten Bundesstaat wechseln können.
Wiederum war es sehr heiss, aber ‚Luigi‘ hat alle an ihn gestellten Aufgaben mit Bravour gelöst. Das Kühlwasser stieg auch bei forcierter Autobahnfahrt (in Texas sind 75 Meilen/h erlaubt) nie über 95° Celsius und wir konnten auch allen toten Bären! und Alligatoren! auf der Strasse immer genügend früh ausweichen. Überholt wurden wir nur von Lastwagen, die auch voll beladen mit 120 bis 130 km/h auf den Highways vor sich hin brettern und wer nicht bis drei gezählt Platz macht, wird lautstark weggehupt. Zustände sind das, wie im alten Rom (oder so)!
Nachtrag um 21:30 Uhr: Das Nachtessen war sehr gut und dies sogar für europäische Ansprüche. Hingegen war das Bestellen alkoholischer Getränke die wohl schwierigste Sonderprüfung des Tages. Am Tisch konnte nichts bestellt werden, alles musste an der ca. 50 Meter entfernten Bar bei der Hotel-Lobby geholt werden. Auch das wäre gut zu ertragen gewesen, wenn man nicht an der über alles trohnenden und bestimmenden Bar-Lady vorbei gemusst hätte. Sie alleine bestimmte, welcher Gast was zu welcher Zeit zu bekommen hatte und schickte ihr Personal entsprechend unkoordiniert los. Dieses befolgte mehr wider- als willig die entsprechenden Aufträge und entschuldigte sich kleinlaut bei den bestellenden Gästen für die lange Wartezeit, sehr wohl darauf bedacht, dass die Chefin dies nicht bemerkte. Mit etwas Glück und Charme bekam man noch Gläser zum Wein, wenn man dann aber die Rechnung ohne Trinkgeld unterzeichnete, spürte man auf dem Weg zum Esstisch das Donnergrollen der hoch gezogenen Augenbrauen noch minutenlang im Nacken. Irgendwie hat diese Dame noch nicht verstanden, wer letztendlich ihren Lohn zahlt oder dann ist sie Lotto-Millionärin und wird morgen ihren Job so oder so hinschmeissen.
Die Rangliste hat sich heute so gut wie gar nicht verändert. Lediglich zwei Teilnehmer hatten so schwerwiegende Pannen, dass sie die abendliche Eingangskontrolle nicht fristgerecht erreichten. Trotzdem werden wir vermutlich einen Rang verlieren, weil ein vor zwei Tagen vor uns liegender Teilnehmer Rekurs gegen eine 5-Minuten Strafe eingelegt hat und dieser gute Aussicht auf Erfolg hat. In der Kategorie der Vorkriegsfahrzeuge sind wir aber nach wie vor gute Zweite mit einem komfortablen Abstand auf den Drittplatzierten. Morgen geht es wieder richtig zur Sache: Vier Sonderprüfungen sind angesagt, davon eine auf einem Rundkurs.  🙂

5. Juni 2018 – Day 10: galveston to austin (519 km)

Freude herrscht! Alle unsere Dokumente, welche wir im Hotel-Tresor in New Orleans liegen haben lassen, sind jetzt im Hotel in Austin angekommen. Das wird uns so schnell nicht wieder passieren, denn ab sofort schliesse ich immer auch den Autoschlüssel mit in den Tresor ein.
Heute wurde temperaturmässig die 40°-Marke geknackt und alle Beteiligten inkl. alle Fahrzeuge hatten sehr heiss. Selbst die notorischen Schnellfahrer haben es gemütlich angehen lassen, damit die Fahrzeuge ja nicht überhitzten. Wir starteten heute als sechstletzte und fuhren westwärts bis zum südlichsten Punkt unserer Reise, welcher nur noch rund 100 km von der mexikanischen Grenze entfernt war. Die Sonderprüfungen gelangen uns sehr gut, es war bezüglich der Regularities unser bester Tag. Auch der Rundkurs ist uns wahrscheinlich nicht schlecht gelungen, leider war die Piste sehr trocken und es gab ein paar schnelle Kurven zu fahren, was bekanntlich nicht die Stärke von ‚Luigi‘ ist. Ansonsten ist alles im grünen Bereich, wir haben einmal mehr sehr schöne Orte und wahre Naturparadiese durchfahren. Die Weiten sind einfach endlos und erst hier wird einem bewusst, wie klein und überschaubar die Schweiz ist.
Übrigens: Seit wir in Texas sind, haben wir nicht einen einzigen Streifenwagen zu Gesicht bekommen. Dabei sind wir so schön brav gefahren!
Nachtrag um 23:00 Uhr: Jetzt sind wir fast ein bisschen stolz: In unseren Kategorie waren wir nicht nur Tagessieger, sondern wir waren auch auf dem Rundkurs die schnellsten in unserer Kategorie! Dem Rundkurs Favoriten haben wir doch glattwegs 1 Sekunde abgenommen. Was wären wir ohne ‚Luigi‘! Falls Marcel von der Fischer Classic Cars GmbH dies lesen wird (vermutlich wird er es lesen), denkt er sicher, die alten Chläuse schonen nichts und niemanden und er wird es dann wieder ‚ausbaden‘ müssen. Nun ja, dumm gelaufen, aber wir gönnen uns ja (fast) sonst nichts 🙂 🙂 🙂 .
In der Gesamtrangliste sind wir auf Platz 4 vorgerückt, wobei immer noch ein Protest eines besser Platzierten hängig ist. Von gut unterrichteter Seite haben wir erfahren, dass einer der Schweizer Teilnehmer auf  der zweiten Regularity die vorgegebene Geschwindigkeit vom 70 km/h als 70 Meilen/h interpretiert hat, entsprechend gefahren ist und auch die zugehörigen Strafpunkte eingesammelt hat. Er hat uns allerdings glaubhaft versichert, dass ihm diese Regularity sehr viel Spass bereitet hat, eine Meinung, die seine Frau nach mehrmaligem Rückfragen nicht im gleichen Mass geteilt hat. Wir haben diese unterschiedlichen Meinungen sicherheitshalber nicht weiter erörtert …
Diese hohen Temperaturen sind offenbar auch für Einheimische aussergewöhnlich und in den nächsten Tagen ist kaum Linderung zu erwarten. Erst in den Rocky Mountains werden die Temperaturen etwas angenehmer werden. Bis dahin werden wir weiterhin unser Bestes geben (nachher natürlich auch), sind aber sehr zufrieden, das aktuelle Resultat erreicht zu haben. Vor allem, wenn man bedenkt, dass wir zu Beginn praktisch am Schluss der Rangliste lagen. Die ganze Rallye macht viel Freude und einmal mehr sind es die (Schweizer) Teilnehmer, welche als Gruppe gut harmonieren und einem immer wieder aufzeigen, wie wichtig gute Freundschaften und ein guter Zusammenhalt sind. Die Rallye wird irgendeinmal vorüber sein, die Eindrücke werden dauerhaft bleiben!
So, aber jetzt ‚isch fertig luschtig‘, das Kopfkissen wartet.

6. Juni 2018 – Day 11: austin to wichita falls (625 km)

Und es wurde noch wärmer, am Nachmittag wurden Temperaturen bis 42° gemessen und wir haben ‚Luigi‘ deshalb sehr behutsam durch die wiederum wunderschönen, aber einsamen Gegenden bewegt. Mehr als 50 km lang ist uns kein einziges Fahrzeug begegnet und wir sind an vielen Ranches vorbeigefahren, so wie man sie aus Bonanza oder von anderen Filmen her kennt. Es hätte uns nicht gewundert, wenn irgendwo John Wayne plötzlich um die Ecke geritten gekommen wäre.
Die heutigen Sonderprüfungen waren relativ einfach, trotzdem waren wir mit unseren Resultaten nicht ganz zufrieden. Auf der ersten waren wir 3 Sekunden zu schnell und auf der zweiten 4 Sekunden zu langsam, da ein vorher gestarteter Teilnehmer sich verfahren hatte und plötzlich aus dem Dickicht vor uns auf die Fahrbahn geprescht kam. Da die ganze Regularity auf trockener Sand-/Schotterpiste statt fand, sahen wir ab sofort nur noch Staub und mussten unser Tempo reduzieren. Leider konnten wir diese Verzögerung nicht mehr ganz aufholen, aber zum Glück hielt sich der Schaden in Grenzen. Unser ‚Profi-Team‘ hat heute wieder einmal allen gezeigt, wo der Hammer hängt und den Vorsprung weiter ausgebaut. Auch wir konnten unseren vierten Platz in der Gesamtrangliste verteidigen und den Abstand zum nachfolgenden Teilnehmer vergrössern.
Auf dem Parkplatz vor dem Hotel herrscht immer noch emsiges Treiben. Die letzten beiden langen Etappen in der extremen Hitze haben bei einigen Fahrzeugen Spuren hinterlassen, welche nicht in 5 Minuten beseitigt werden können. Bei uns und ‚Luigi‘ ist nach wie vor alles in bester Ordnung und wir hoffen, dass es so auf der zweiten Rallye-Hälfte weiter geht, denn heute Abend ist Halbzeit!

7. Juni 2018 – Day 12: wichita falls to amarillo (614 km)

Heute wäre eigentlich Ausschlafen angesagt gewesen, wenigstens theoretisch, denn der Start war erst ab 09:00 Uhr vorgesehen. Das hat aber verschiedene Herren nicht davon abgehalten, infolge mutmasslicher seniler Bettflucht schon Stunden früher den Parkplatz aufzusuchen, um sich liebevoll um den Wagen zu kümmern. Es wurde geputzt und gewienert, was das Zeug hielt. Auf dem Hotel-Parkplatz waren zudem zwei Gartenschläuche an zwei Wasserhahnen liegen geblieben, so dass manches Auto zusätzlich eine Vollwäsche erhielt. Unter dem Fahrzeug unseres ‚Profi-Teams‘ lag bereits wieder (oder immer noch)? der Fahrer und hantierte am Getriebe herum. Später haben wir erfahren, dass die beiden Teilnehmer dieses über Nacht demontiert und repariert haben (evt. war es auch ’nur‘ die Kupplung, jedenfalls konnten sie heute fristgerecht starten). Ab so viel gesehener Putzwut bekam ich (fast) ein schlechtes Gewissen und habe bei ‚Luigi‘ wenigstens das Armaturenbrett abgestaubt und die leeren Wasserflaschen entsorgt. Bezüglich Putzen sehe ich das etwas entspannter (mindestens für mich): Sobald eine gescheite Dreckschicht auf dem Lack ist, so ist dieser automatisch auch besser geschützt, vor allem, wenn man auf Kies-/Dreckstrecken hinter einem anderen herfahren muss oder in einen Sandsturm gerät. Letzterer tritt auf dieser Rallye zugegebenermassen nicht häufig in Erscheinung, aber irgendetwas muss ja als Ausrede herhalten, damit ich nicht täglich das Fahrzeug waschen muss.  🙂
Wegen Unpassierbarkeit einer Zwischenstrecke fiel die einzige heutige Regularity aus und wir durften ziemlich abkürzen, so dass wir schon um 15:30 Uhr auf dem Rundkurs zur letzten Tagesprüfung ankamen. Wir kurvten so schnell wie möglich durch den Kurs, aber wohlweislich nur so schnell, um keinen der Pylonen umzufahren, denn das hätte Strafpunkte gegeben. Am Ziel teilte uns der Funktionär mit, wir wären die Schnellsten in unserer Kategorie gewesen, was mich allerdings nicht sonderlich erheiterte, denn der Teilnehmer mit dem Alvis Firefly hatte zu diesem Zeitpunkt den Kurs noch nicht absolviert. Er wird wohl schneller sein, denn sein Fahrzeug ist klein, stark und wendig, andererseits haben wir mehr als 8 Minuten Vorsprung auf ihn.
Wiederum war es sehr heiss und auch gelegentlich durchfahrene Gewitterzellen brachten keine Abkühlung. Öfters sah man in der Ferne ausregnende Wolken, dass Wasser getraute sich aber ob der Hitze gar nicht auf den Boden herunter. So schwitzen wir alle einen weiteren Tag friedlich vor uns hin und haben den Weg gemäss dem Lied von Tony Christie ‚Is this the way to Amarillo?‘ gesucht und auch gefunden!
Nachtrag um 23:00 Uhr: Uuuh, das war jetzt wieder genau so ein Abend, wo ich mich gefragt habe: Wann wirst Du endlich vernünftig? Fabrizio (und andere) kennen die Antwort: Wahrscheinlich nie (und das ist gut so)! Mein Englisch ist mit zunehmenden Prosecco-Konsum zur Höchstform aufgelaufen und es gab Situationen, wo mich (fast) alle verstanden haben, will heissen: Auf dem Rundkurs haben wir alle in unserer Kategorie ‚abgetrocknet‘ und haben das Gejammer über falsch gestellte Pylonen und unrunde Kieselsteine einfach an uns abplätschern lassen. Einziger Wermutstropfen war die Aussage von Irene am Schluss des Rundkurses: Von mir aus hättest Du schon noch etwas mehr Gas geben können … Da soll einer mal die Frauen verstehen  😀

8. Juni 2018 – Day 13: amarillo to santa fe (461 km)

Zum Glück war es heute morgen in Amarillo deutlich kühler, dafür blies ein kräftiger Südwind, welcher den westwärts strebenden ‚Luigi‘ gehörig durchschüttelte. Heute war keine Sonderprüfung angesagt, denn wir folgten ua. der (alten) Route 66, welche uns während gut 30 km über Schotterpisten führte. Überall gab es etwas zu bestaunen, vor allem verlotterte Gebäude und Fahrzeuge. Die Route stieg kontinuierlich an und führte uns auf 2’100 Meter über Meer auf ein riesiges, recht karges und trockenes Hochplateau, wo auch unser heutiges Etappenziel Santa Fe liegt. Mehrmals mussten wir eine Timecontrol passieren, was uns Gelegenheit für Pausen und Souvenireinkäufe gab. An der Grenze zu New Mexiko durften wir zudem unsere Uhren eine Stunde zurückstellen, so dass wir heute einen entspannten Abend geniessen und uns auf den morgigen Ruhetag vorbereiten können.
Ab Mittag liess der Wind nach und es wurde immer heisser und heisser. Solange wir immer Gas geben konnten, spulte ‚Luigi‘ die Kilometer trotz der Hitze problemlos ab, nur bei Stadtdurchfahrten und vor allem am Schluss in Santa Fe wurde es zunehmend schwieriger, denn das Benzin begann in der Schwimmerkammer des Vergasers zu kochen und bildete Blasen, was der korrekten Gemischaufbereitung gar nicht dienlich war. Mit viel Handgas (jawohl, das gibt es bei den alten Autos noch) und beherzter Fahrweise konnten wir uns fast ohne anzuhalten durch den Verkehr von Santa Fe mogeln und schafften es pünktlich in die Tiefgarage des Hotels auf den uns zugewiesenen Parkplatz, wo dann der Motor von ‚Luigi‘ definitiv abstarb, nicht ohne vorher nochmals lautstark mit dem Auspuff geknallt zu haben.
Apropos Benzin: Das Hitzeproblem scheint auch mit der Benzinqualität zusammenzuhängen. Seit zwei Tagen können wir nur noch Benzin mit 90 Oktan tanken, während vorher 93 oder 95 Oktan verfügbar waren. Die Amis haben zwar für das Oktan eine etwas andere Berechnungsgrundlage als wir in Europa, trotzdem wären (nicht nur) wir froh, wir könnten höherwertiges Benzin tanken, zumal auch bis zu 15% Ethanol beigemischt ist.
An der Rangliste wird sich kaum etwas geändert haben, denn ich gehe davon aus, dass alle Fahrzeuge angekommen sind. Heute Morgen habe ich nochmals die Gesamtrangliste studiert und festgestellt, dass die ersten drei Fahrzeuge alle innerhalb von 20 Sekunden liegen. Unser ‚Profi-Team‘ führt nur noch mit drei Sekunden Vorsprung, dies darum, weil die beiden direkten Verfolger – beides motorenstarke Nachkriegsfahrzeuge – auf dem gestrigen Rundkurs viel Zeit gut machen konnten. Es stehen uns total noch drei Rundkurse bevor und da könnte es am Schluss für das ‚Profi-Team‘ in ihrem schönen, aber etwas behäbigen Vorkriegsfahrzeug eng werden, denn auf den Regularities sind die beiden direkten Verfolger inzwischen ähnlich gut. Wir liegen in der Kategorie der Vorkriegsfahrzeuge weiterhin auf dem zweiten und in der Gesamtrangliste auf dem vierten Platz. Unser Abstand beträgt mehr als 1 Minute 30 Sekunden, so dass wir kaum mehr weiter vorne mitmischen können. Unser Ziel ist es, diese Plätze zu behalten und unsere direkten Verfolger auf Distanz zu halten. Allerdings geht es jetzt in die Berge und da kann immer viel passieren. Abgerechnet wird bekanntlich am Schluss!

9. Juni 2018 – Day 14: santa fe (rest day)

Wie an jedem Ruhetag war auch heute emsiges Treiben in der Tiefgarage angesagt, einige Teilnehmer mussten sogar eine externe Werkstatt aufsuchen. Bis gestern waren jedoch alle Fahrzeuge immer noch dabei. Sogar das Paar, welches mit dem Mietwagen gestartet ist, hat vor wenigen Tagen das ‚richtige‘ Auto erhalten und ist jetzt mit diesem unterwegs. ‚Luigi‘ hat über Nacht zu seiner Normal-Temperatur zurückgefunden und ruht auf seinem Parkplatz in der Tiefgarage vor sich hin. Um diese Ruhe nicht zu stören, habe ich auf das Abstauben des Armaturenbrettes verzichtet und nur Öl und Wasser kontrolliert.
Danach haben Irene und ich Santa Fe besichtigt und Ausschau nach einem Bild für unser Wohnzimmer gehalten. Es gibt da zwar unzählige Galerien, Shops und Marktstände, aber alles hatte in Anlehnung an unseren derzeitigen Standort irgenwie mit Mexikanern, Indianern oder wilden Tieren zu tun und hat uns nicht gefallen oder dann war es so teuer, dass wir auf Preisverhandlungen dankend verzichtet haben.
Zurück im Hotel habe ich eine Massage genossen. Die Masseurin – nennen wir sie Sharon – war in jeder Hinsicht (ausser in der Höhe) gut gebaut und legte sich mächtig ins Zeug. Ich konnte wählen zwischen ’strong‘ und ’normal‘, der Begriff ’soft‘ wurde nicht angeboten. In kluger Voraussicht wählte ich ’normal‘ und das reichte vollends! (Fast) jeder meiner Körperteile wurde einzeln eingeölt und mit viel Körpereinsatz ihrerseits bearbeitet. Die anfänglich etwas gewöhnungsbedürftige Behandlungsmethode wurde zunehmend angenehmer und gegen den Schluss gut erträglich, jedenfalls fühlte ich mich nach der Behandlung deutlich entspannter und die in den letzten Tagen angesammelte Nackensteifigkeit war tatsächlich weg.
Bis zum Nachtessen werden wir uns etwas ausruhen und ab 18:00 Uhr wird ein ausserordentliches Briefing stattfinden. Die morgige so oder so schon anspruchsvolle Etappe über fast 700 km mit drei Sonderprüfungen und total 11 Stunden Fahrzeit würde sehr nah an den ausgedehnten Waldbrandgebieten vorbei führen, so dass sich der Veranstalter in Absprache mit den lokalen Behörden gezwungen sah, die Route zu ändern. Lassen wir uns also überraschen, was auf uns zukommt. Ausgeruht sind wir jetzt ja genügend!
Nachtrag um 21:30 Uhr: Morgen werden wir wegen der massiven Waldbrände in den Bundesstaaten New Mexiko und Colorado teilweise eine etwas andere Route fahren müssen, so dass der Tag noch etwas länger werden wird. Die nötigen Unterlagen haben wir bereits erhalten und sicherheitshalber gleich zu Beginn des Apéros studiert und alle Sonderprüfungen vorbereitet. Danach haben wir ein kleines (was immer auch das in Amerika heisst) Nachtessen im Hotel genossen und wurden anschliessend von unserem ‚Profi-Team‘ an die Bar eingeladen. Diese beiden Herren werden im nächsten Jahr zum ersten Mal Peking-Paris mitfahren und freuen sich darauf. Es sind zwei sehr nette Herren, leicht (oder einiges?) älter als ich, beides Engländer, aber der eine lebt in Kalifornien und der andere in der Nähe von London. Sie werden zudem im Februar/März des Jahres 2020 die Neuseeland-Rallye fahren, wo Irene und ich uns heute ebenfalls definitiv angemeldet haben. Getreu des Ratschlages meines älteren Bruders Beat (manchmal sollte man auf den älteren Bruder hören …) werden wir das ‚vernünftig werden‘ noch etwas aufschieben. 😀

10. Juni 2018 – Day 15: santa fe to colorado springs (689 km)

Wie vermutet, wurden wir heute vor einige schwierige Aufgaben gestellt. Schon kurz nach dem Start in Santa Fe stiegen wir bei moderaten Temperaturen schnell auf 2’500 Meter über Meer. ‚Luigi‘ (und andere Fahrzeuge) zeigten die erwarteten Schwächen, konnten aber trotzdem mit dem übrigen Verkehr recht gut mithalten.
Ab ca. 2’600 Meter über Meer begann ‚Luigi‘ plötzlich an Kraft und Durchzug zuzulegen, dass es eine wahre Freude war. Auf ca. 2’800 Meter über Meer konnte ich auf einer langen ansteigenden Geraden im 4. Gang locker auf 130 km/h beschleunigen und dann im 5. Gang problemlos halten! Ich war in der Tat etwas ratlos, denn bis heute dachte ich nur, dass es manchmal etwas schwierig sei, die Frauen zu verstehen und jetzt kam noch ein Oldtimer dazu. Unmittelbar nach der Passhöhe begann eine Regularity und so hatte ich keine Zeit mehr, weiter nach den Gründen zu forschen. Als wir wieder im Bereich von ca. 2’200 Meter über Meer waren, verhielt sich ‚Luigi‘ wieder wie erwartet und spulte die folgenden Kilometer leicht gequält aber problemlos ab.
Die erste wie auch die zweite Reguarity gelangen uns sehr gut und auch sonst waren keine Probleme zu verzeichnen. Am Nachmittag ging es wiederum auf Höhen bis 3’020 Meter hoch und es zeigte sich ab ca. 2’600 Meter über Meer das gleiche Bild. ‚Luigi‘ flog fast die Pässe hoch und wir konnten manchen vor sich hin röchelnden oder stehenden Mitbewerber überholen. Kaum waren wir wieder unter 2’600 Meter über Meer, war es vorbei mit der Kraftprotzerei und wir mussten uns Mühe geben, im normalen Verkehrsstrom mit schwimmen zu können.
Je näher wir zu Colorado Springs kamen, umso heisser wurde es und ‚Luigi‘ zeigte seine üblichen hitzebedingten Macken immer stärker. Wenn wir nicht Vollast fuhren, strömte eine kurze Zeit lang Benzin durch die Öffnung des Gestänges der Beschleunigerpumpe aus der Schwimmerkammer des Vergasers und hinterliess eine gut riechbare Benzinfahne im Wageninnern. Gleichzeitig begann ‚Luigi‘ zu husten, verlor an Leistung oder dann starb der Motor an den Ampeln ab. Mit Ach und vor allem Krach kamen wir trotzdem pünktlich im Hotel an. In der Tiefgarage öffnete ich den Vergaser und bog das Gestänge des Schwimmers so zurecht, dass das Schwimmernadelventil früher schloss und so kein überflüssiges Benzin mehr einströmen liess. Mindestens in der Tiefgarage war die Probefahrt erfolgreich, mal sehen, ob es dann morgen auf 4’300 Meter über Meer auch klappt.
Heute sind übrigens ganze 6 Fahrzeuge ausgefallen, davon mindestens zwei wegen irreparablem Motorenschaden. Ob die anderen Morgen starten können, ist noch nicht klar, denn zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses dieses Artikels waren alle noch am Schrauben.
Ranglistenmässig ist für uns alles beim Alten, wir konnten auf die vor uns klassierten etwas Zeit gut machen und unsere unmittelbaren Verfolger weiter auf Distanz halten. Morgen ist die höhenmässige Königsetappe und da kann noch einiges passieren …

11. Juni 2018 – Day 16: colorado springs to aspen (358 km)

Heute gibt es keinen Bericht (sonst wird der Prosecco warm  🙂 ). Nur soviel: Es ist alles gut gelaufen und wir bereiten uns jetzt auf den letzten Ruhetag vor …

12. Juni 2018 – Day 17: aspen (rest day)

Auf Grund der vielen Ausfälle des 15. Tages haben gestern alle ihre Fahrzeuge vor der Abfahrt besonders genau überprüft. Jedem aussergewöhnlichen Geräusch oder Knacken wurde besondere Beachtung geschenkt. So entstand auch bei einem Schweizer Teilnehmerpaar etwas Nervosität, weil aus dem Kofferraum ein nicht genau zu lokalisierendes Geräusch zu hören war. Der Fahrer kroch unter den Wagen, prüfte die elektrische Benzinpumpe, konnte dort aber nichts Verdächtiges finden. Darauf räumte er den ganzen Kofferraum inklusive Ersatzteile und Werkzeug aus und wurde fündig: Sein Rasierapparat hatte sich selbständig eingeschaltet …
Die Fahrt auf den Pike Peak war wegen Strassenbauarbeiten leider nur bis auf ca. 3’900 Meter über Meer möglich. ‚Luigi‘ meisterte den Aufstieg tapfer und hatte bezüglich Leistungsabfall keine nennenswerten Probleme. Hingegen lief der Motor sehr heiss, dies aber nur, weil wir fast im Schritttempo fahren mussten, denn vor uns fuhren drei Amerikaner, welche vor jeder Haarnadelkurve beinahe anhielten, die Kurve beobachteten und dann zögerlich mit der Umrundung derselben begannen. Das war in der Tat etwas mühsam, aber wir schafften es trotzdem bis zum Kontrollpunkt und ‚Luigi‘ durfte abkühlen. Wir hingegen mussten unsere warmen Jacken auspacken, denn es war nur um die 0 Grad warm. Nach einer Fotosession begannen wir mit dem Abstieg, der fast genau so lange dauerte wie der Aufstieg, da wir zum Schonen der Bremsen fast alles im ersten und zweiten Gang fuhren.
Den ganzen Tag über bewegten wir uns zwischen 2’200 und 3’600 Meter über Meer. ‚Luigi‘ lief prächtig, einmal mehr vor allem zwischen 2’700 und 3’200 Meter über Meer. Die Landschaften waren beeindruckend und vor allem die Überquerung des gut ausgebauten ‚Independence Pass‘ (Passhöhe auf 3’636 Meter über Meer) war ein Erlebnis!
Gestern hatten wir nur eine Regularity zu absolvieren, welche wir nach unseren aktuellen Ansprüchen ‚verhauen‘ haben. Ganze vier Strafsekunden haben wir auf dieser einen Prüfung gesammelt, genau gleich viel wie am Vortag, dort aber in vier Prüfungen (das war auch unser bester Tag). Trotzdem haben wir unsere Platzierung gut halten können.
Eine Überraschung gab es am Abend: Zu Beginn der Rallye konnte man sich im Team-Wettbewerb einschreiben. Zusammen mit einem britischen und einem weiteren Schweizer Paar haben wir das ‚Team 238‘ (entspricht unseren Startnummern 2, 3 und 8) gebildet. Von Beginn an waren wir irgendwo weit abgeschlagen im hinteren Mittelfeld und jetzt stehen wir plötzlich auf Platz 1 mit fast zehn Minuten Vorsprung! Und dies nur, weil wir jeden Abend fristgerecht angekommen sind und keine Time-Control verpasst haben. Das freut uns natürlich, aber noch haben wir fünf Rallye-Tage mit anspruchsvollen Prüfungen vor uns.
Heute werde ich nur noch etwas nach ‚Luigi‘ schauen, evt. das Armaturenbrett erneut abstauben und vermutlich einmal mehr mein Werkzeug ausleihen, was aber unter den Teilnehmern gegenseitig als selbstverständlich angesehen wird. Nachher geht’s an den Pool, während Irene zusammen mit anderen Schweizer Damen die Einkaufsmeilen von Aspen abschreiten wird.
Morgen dürfen wir gleich zu Beginn zwei Runden im ‚Aspen Motorsports Park‘ absolvieren. Vermutlich wird das auf einer geteerten Strecke sein, da werden wir mit ‚Luigi wahrscheinlich nur auf den Geraden punkten können und die Kurven mit wackelndem Hintern (der von ‚Luigi‘!) durchfahren. Aber wie sagte schon der berühmte Rallyefahrer Walter Röhrl: Die wahre Kunst der Fahrzeugbeherrschung erkennt man im instabilen Fahrzustand! Ich bin aber nicht sicher, ob Irene das genau so sieht  😆
Nachtrag um 21:30 Uhr: Wie üblich an Ruhetagen gab es kein organisiertes Abendessen und jede(r) musste für sich selber sorgen. Wir zwölf Schweizer fanden ein feines Restaurant in Aspen und haben uns die Bäuche voll geschlagen. Es war in der Tat oberstes Niveau, auch preislich. Generell ist Amerika teuer, die Schere zwischen arm und reicht scheint uns hier deutlich ausgeprägter als in der Schweiz zu sein. Aspen Colorado liegt auf 2’400 Meter über Meer und das Klima ist sehr angenehm. Die Temperaturen liegen tagsüber im Bereich von 20 bis 25 Grad Celsius, aber am meisten erstaunt, dass die Laubwaldgrenze bei 3’000 Meter über Meer liegt. Nadelhölzer sind auch auf 3’500 Meter über Meer zu finden. Die Luft ist irgendwie frisch und riecht gesund, vermutlich war Donald Trump gerade in dieser Höhe, als er den Beschluss fasste, das Pariser Klima-Abkommen aufzukünden.
Morgen haben wir nach dem Rundkurs auf dem ‚Aspen Motorsports Park‘ eine Regularity über mehr als 34 km zu absolvieren. Da unsere vorbereiteten Schnitttabellen nur bis 20 km reichten, habe ich jetzt auf dem Hotel-PC entsprechende Tabellen vorbereitet und ausgedruckt. Die zu fahrende Durchschnittsgeschwindigkeit erfahren wir erst vor der Abfahrt, aber papiermässig sind wir gerüstet und der Taschenrechner ist griffbereit. Auf in den Kampf!

13. Juni 2018 – Day 18: aspen to paRK CITY (599 km)

Grundsätzlich sind wir gesund und munter angekommen, aber meinerseits mit ziemlichem Frust. Nachdem der Rundkurs im Rahmen von ‚Luigis‘ Möglichkeiten sehr gut gelungen ist (wir waren mit 3 Minuten 23 Sekunden Beste in unserer Kategorie) und auch der erste Timingpoint der Regularity mit 0 Strafsekunden absolviert werden konnte, habe ich (nicht Irene) den zweiten Timingpoint komplett verhauen. Ich habe zwar die richtige Abzweigung getroffen, aber auf Grund der hohen Geschwindigkeit den sorgfältig unauffällig gemachten Timingpoint nicht gesehen und bin trotz Irenes Stop-Ruf vorbeigefahren, habe weiter vorne gewendet, aber dann in der Hitze des Gefechtes den Timingpoint von der falschen Seite her angefahren. Resultat: 2 Strafminuten, was dann wohl die Rückstufung um 1 oder 2 Ranglistenplätze bedeuten würde.
Gross war aber die Überraschung, als wir die Rangliste erhielten und wir in unserer Kategorie immer noch auf dem zweiten Platz und in der Gesamtrangliste weiterhin auf Platz vier lagen. Unseren nachfolgenden Mitbewerbern ist es offenbar auch nicht sonderlich gut gelaufen, aber sie konnten den Rückstand auf uns verkleinern.
In der Gesamtrangliste ist unser ‚Profi-Team‘ (erwartungsgemäss) auf den zweiten Platz gerutscht und nach den morgigen beiden Rundkursen werden sie vermutlich auf den dritten Platz zu liegen kommen. In den Regularities sind sie eine Klasse für sich, aber mit ihrem Cadillac aus dem Jahre 1937 haben sie auf den Rundkursen keine Chance. In der Kategorie der Vorkriegsfahrzeuge liegen sie aber mit grossem Abstand vor uns auf dem ersten Platz.
Wiederum war es am Nachmittag sehr heiss (auch für amerikanische Verhältnisse), aber die Schluckbeschwerden von ‚Luigi‘ haben nach meiner Vergaser-Modifikation vor ein paar Tagen abgenommen und wir sind gut durch Park City bis ins Hotel gekommen. Morgen finden nur zwei Rundkurse statt (2 Läufe auf dem gleichen Kurs), aber dafür haben wir total fast 800 km zurück zu legen, bevor wir dann hoffentlich gesund und pannenfrei in Boise (Idaho) ankommen werden.

14. Juni 2018 – Day 19: PARK CITY TO BOISE (796 km)

Heute war ‚Kilometerfressen‘ angesagt, dies mehrheitlich auf gut ausgebauten Strassen, wo man legal mit 80 Meilen (ca. 130 km/h) fahren durfte. Trotz Gegenwind und dank kühleren Temperaturen war das für ‚Luigi‘ kein Problem und auch ein einmaliger Abstecher auf 3’000 Meter über Meer konnte ihn nicht aus dem Konzept bringen. Einmal mehr waren die Gegenden trotz der langen Fahrzeit abwechslungsreich und wir haben wiederum gestaunt, was für unendliche Weiten in Amerika anzutreffen sind. Es ist einfach alles um Faktoren grösser als in der Schweiz: Die Distanzen, die Fahrzeuge, die Essensportionen, die Bauchumfänge wie auch die Unfähigkeit der Amerikaner, ihre Fahrzeuge ausserhalb von geraden Strecken zu bewegen.
Den heutigen Rundkurs durften wir zweimal absolvieren und wiederum ist es uns gelungen, in unserer Kategorie mit 5 Minuten und 25 Sekunden die schnellste Zeit hinzulegen, wenn auch nur mit einer Sekunde Vorsprung. ‚Luigi‘ musste ziemlich leiden, vor allem die Reifen haben wohl einiges an Profil verloren, so dass wir morgen als erstes unseren Tripmaster neu eichen müssen. Mindestens mir hat es grossen Spass gemacht und auch Irene hat inzwischen zu einer üblichen Herzfrequenz zurück gefunden. Ranglistenmässig hat sich für uns nichts verändert, wir konnten unseren Vorsprung in der Gesamtrangliste ein ganz klein wenig ausbauen, werden aber weiterhin kämpfen müssen, unseren vierten Platz in der Gesamtrangliste halten zu können. Der zweite Platz in der Kategorie der Vorkriegsfahrzeuge ist relativ ungefährdet, da konnten wir auf den ersten Platz mehr als 1 Minute gut machen und auch den Abstand zum Drittplatzierten deutlich vergrössern.
Noch ist nicht aller Tage Abend! Es stehen uns noch drei happige Tage bevor, sogar am letzten Tag wird es drei Sonderprüfungen geben. Wir werden uns warm anziehen müssen, dies aber auch wegen des stetig abkühlenden Wetters.

15. Juni 2018 – Day 20: BOISE TO BEND (575 km)

Auch heute waren wieder 600 km zurück zu legen und dies auf kurvigen und gebrigigen Strassen in ca. 1’200 Meter über Meer. Die Landschaft war über grosse Teile wiederum bezaubernd schön und kaum bewohnt. Das Wetter war deutlich kühler als in den vergangenen Tagen und so gab es auch für ‚Luigi‘ keinerlei Hitze- oder andere Probleme. Die heutige Regularity mit zwei Timingpoints ist uns zwar nicht optimal, aber doch recht gut gelungen, so dass seitens der Ranglisten keine Änderungen zu erwarten sind.
Leider können wir morgen den McKenzie-Pass nicht befahren; dieser ist für Motorfahrzeuge immer noch geschlossen. Also wird es eine Alternativ-Route geben. Neben mindestens zwei Regularities werden wir auf dem Woodburn Dragstrip drei Mal ein Rennen über 1/4 Meile fahren. Es werden die jeweiligen Reaktionszeiten beim Start (auf die tausendstel Sekunde genau!) sowie die Endzeiten gemessen. Diese sollten nicht nur möglichst schnell, sondern auch drei Mal möglichst gleich sein. ‚Luigi‘ sollte da in der Kategorie der Vorkriegsfahrzeuge nicht zu stark abfallen, sofern die Kupplung mitmacht. Soweit ich mich erinnern mag, hat Marcel Moser von der Fischer Classic Cars GmbH eine extra starke Kupplung eingebaut, falls nicht, kann er mir noch eine SMS schicken oder einen Kommentar schreiben, dass dem nicht so ist und ich werde dann (vielleicht  😎 ) etwas langsamer als geplant losfahren …
Übrigens: Auf der Facebook-Seite der ERA ist ‚Luigi‘ auf dem Salzsee von Bonneville zu sehen.

16. Juni 2018 – Day 21: BEND TO NEWBERG (362 km)

Der Tage begann kühl, sogar sehr kühl im Vergleich zur vorhergehenden Woche. ‚Luigi‘ spulte die Kilometer ohne jegliches Gemucke und Gemurre ab und auch die drei Regularities mit total fünf Timingpoints gelangen uns gut. Der Höhepunkt des Tages war zweifelsfrei der Woodburn Dragstrip, wo wir in drei Läufen über eine 1/4 Meile zeigen konnten, was in den Fahrzeugen steckt. ‚Luigi‘ musste einmal gegen ein weiteres Vorkriegsfahrzeug sowie gegen zwei Nachkriegsfahrzeuge antreten. Nun ja, alle diese drei Fahrzeuge kennen jetzt die Abmessungen und Farbe der Auspuffrohre von ‚Luigi‘, allerdings war diese Kenntnisnahme nur von kurzer Dauer, da relativ bald ein Fernrohr nötig gewesen wäre, dieses aber nicht hätte gehalten werden können, da der jeweilige Fahrer anderweitig beschäftigt war. Kurzum, wir wurden Tagessieger in unserer Kategorie! In ca. 18.5 Sekunden und einer Endgeschwindigkeit von ca. 115 km/h haben wir jeweils die drei Läufe absolviert, wobei der beste und schlechteste Lauf nur knapp 18 Hundertstelsekunden auseinander lagen. Nimmt man die reinen Fahrzeiten (also ohne die Reaktionszeiten), liegt der maximale Unterschied bei nur 7 Hundertstelsekunden. Angesichts der Tatsache, dass der Rekord über die 1/4 Meile bei einer Endgeschwindigkeit von mehr als 400 km/h bei ca. 4.4 Sekunden liegt, zeigt auf, dass ‚Luigi‘ noch etwas Luft nach oben hat.

  Lauf 1 Lauf 2 Lauf 3
Reaktionszeit 0.539 s 0.471 s 0.286 s
Zeit 1/8 Meile 12.010 s 11.993 s 11.905
Zeit 1/4 Meile 18.855 s 18.882 s 18.704 s
Geschw. 1/4 Meile 115.82 km/h 114.61 km/h 115.93 km/h
Vorsprung 1.7015 s 1.2934 s 2.6400 s

Im Hotel angekommen, war bald die ganze Bar durch unsere Truppe besetzt. Die Erleichterung über den bisherigen guten Verlauf der Rallye war bei allen spürbar und Gerüchten zur Folge sollen auch diejenigen, welche jeden Abend ihr Fahrzeug auf Hochglanz poliert haben, ungewohnt früh an der Bar gewesen sein.
Ausnahmsweise haben wir die Angaben bezüglich Streckenänderungen und Durchschnittsgeschwindigkeiten für den morgigen Tag bereits heute erhalten, so dass wir genügend Zeit haben, uns darauf vorzubereiten. Morgen gilt es nochmals ernst und wir werden alles daran geben, unsere bisher erreichten Platzierungen zu behalten!

17. Juni 2018 – Day 22: NEWBERG TO SEATTLE (443 km)

Geschafft! Kurz vor 15:30 Uhr haben wir die Ziellinie in Seattle überquert. Alle Teams sind gut angekommen, davon vier im Mietwagen. Die heutigen Sonderprüfungen haben wir auf Sicherheit gefahren, denn wir hatten auf den direkt hinter uns liegenden Teilnehmer fast eine Minute Vorsprung. So haben wir primär darauf geschaut, dass wir uns nicht verfahren und etwas weniger auf die exakte Zeit. So wie es aussieht, sind wir in der Gesamtrangliste auf Platz 4, in der Kategorie der Vorkriegsfahrzeuge auf Platz 2 und im Team-Klassement auf Platz 1. Definitiv werden wir das aber erst heute Abend während des Gala-Dinners erfahren. ‚Luigi‘ schlummert bereits in der Lagerhalle, da diese auf dem Weg von der Zielankunft ins Hotel lag und wir so morgen einen komplett freien Tag haben, bevor wir dann am 19. Juni auf den Flieger gehen.
Jetzt ruhen wir uns noch etwas aus und freuen uns auf den Abschlussabend!

18. Juni 2018 – SEATTLE (REST DAY)

Die Schlussrangliste kam tatsächlich wie schon vermutet raus und wir durften zwei Preise abholen, einen für den zweiten Platz in der Kategorie der Vorkriegsfahrzeuge und einen für den ersten Platz im Teamwettbewerb. Über alle knapp 40 Fahrzeuge haben wir den vierten Schlussrang erreicht. Zum Glück war der Abstand zum Drittplatzierten relativ gross, so dass mein Patzer vom 18. Tag (2 Strafminuten) ohne Auswirkungen blieb, weder nach vorne noch nach hinten. Mehr wäre durchaus drin gelegen, wenn wir bei den Regularities des ersten und dritten Tages etwas besser abgeschnitten hätten, doch dazu fehlte uns einfach die nötige Übung. Unser ‚Profi-Team‘ hat die Kategorie der Vorkriegsfahrzeuge verdient gewonnen, auf den Regularities waren sie mit Abstand die Besten, hingegen auf den Geschwindigkeitsprüfungen konnten sie trotz ihres stark motorisierten Cadillacs (V8) nicht mithalten, da der Fahrer vermutlich sein Fahrzeug schonen wollte …
Gesamtsieger wurde ein englisches Ehepaar mit einem Triumph TR 250, Jahrgang 1968. Das Paar kennen wir schon von anderen Rallyes und ist sehr sympatisch und bei allen beliebt. Ganz im Gegensatz zum englischen Ehepaar auf dem zweiten Platz, welche mit ihrem Volvo PV 544, Jahrgang 1963 (‚Buggeli-Volvo‘) zwar gute Arbeit geleistet haben, aber bezüglich Sympathie und Freundlichkeit durchaus noch einige Stufen zulegen könnten. Auf dem Woodburn Dragstrip war er einer der beiden Nachkriegsfahrzeuge, welche ‚Luigis‘ Auspuffrohre nur von hinten gesehen hat, was uns fast ein wenig gefreut hat. 😀
Heute haben wir ausgiebig ausgeschlafen und dann an einer geführten Besichtigung von Seattle teilgenommen. Jetzt sind wir am Packen und gehen dann mit den verbliebenen drei Schweizer Paaren Nachtessen. Allzu spät wird es heute nicht werden, denn wir müssen morgen schon um 08:30 Uhr Richtung Flughafen aufbrechen.

19. Juni 2018 – fLUG VON SEATTLE VIA CHIcAGO NACH ZüRICH

Um 09:00 Uhr waren wir bereits am Flughafen und wollten einchecken. Da haben wir erfahren, dass unser erster Flug von Seattle nach Chicago zwei Stunden Verspätung haben wird und wir nur 15 Minuten Zeit zum Umsteigen haben werden. Eine Umbuchung auf eine andere Airline war leider nicht möglich, so dass wir jetzt trotzdem unseren verspäteten Flug nehmen werden. Wir haben darauf die Swiss informiert und da wir nur mit Handgepäck reisen, reicht die Zeit vielleicht und/oder der Swiss-Flieger wartet, bis wir kommen. Falls alles nicht klappt, werden wir in Chicago übernachten und einen Tag später in die Schweiz zurück reisen.
Jetzt sind wir in der ‚Africa-Lounge‘ und schlagen die Zeit tot. Den ersten Burger haben wir schon verdrückt und mit Cola hinunter gespült. Für Wein/Prosecco ist es noch etwas früh, zudem bin ich nicht sicher, ob wir solchen an unserem jetzigen Sitzplatz bekämen, da in dieser Region auch Kinder und Jugendliche Zutritt haben. Diesbezüglich sind die Amerikaner schon etwas speziell: Alkohol gibt es erst ab 21 Jahren und der Zutritt in Restaurantbereiche mit sichtbarem Alkoholausschank ist für Kinder und Jugendliche verboten. Aber Waffen dürfen sie je nach Bundesstaat schon mit 16 oder 18 Jahren kaufen …

19./20. Juni 2018 – Ungelplanter Aufenthalt in chicago  (teil 1)

Es kam wie es kommen musste! Der Flug verspätete sich wegen Unwetter und Sturm über Chicago weiter, so dass wir erst um 21:00 Uhr landeten. Zu diesem Zeitpunkt war unser Flieger nach Zürich bereits 2 Stunden in der Luft. Die telefonische Umbuchung gestaltete sich schwierig, aber wir können morgen Abend um ca. 21:20 Uhr via München nach Zürich abfliegen (so mindestens die mündliche Zusage) und sollten dann am 21. Juni um ca 14:45 Uhr in Zürich ankommen. In Chicago findet derzeit ein grösserer Kongress statt und alle Hotels sind restlos ausgebucht. So fuhren wir also mit einem Taxi mehr als 1 Stunde in der Gegend herum und fanden dann tatsächlich in einem Vorort eine Absteige, wo wir das zweitletzte ‚Zimmer‘ belegen konnten. Dieses ‚Zimmer‘ könnte wahrscheinlich stundenlang Geschichten in allen Schattierungen erzählen, aber immerhin ist die Bettwäsche sauber und der Teppich wenigstens nicht sooo lebendig, dass es offensichtlich auffällt. Der Portier erfüllte jegliches bekannte Klischee einer Absteige aus den billigen Spaghetti-Western und drückte mir nach der (Bar-)Zahlung die Fernbedienung für den (Röhren-)Fernseher in die Hand. Weitere Formalitäten waren zu dieser Tages-, resp. Nachtzeit nicht nötig. Der Preis von 65$ pro Nacht scheint in Anbetracht der Umstände und Einrichtung angemessen (von drei vorhandenen Lampen ging wenigstes eine). Wir versuchen jetzt, so lange wie möglich zu schlafen, was aber angesichts der nahen Autostrasse nicht einfach sein wird. Zudem scheint das Motel in der Anflugschneise des Flughafens zu liegen, wir können also wählen, welcher Lärm uns am Morgen aus den durchgelegenen Federn reissen darf  🙂

19./20. Juni 2018 – Ungelplanter Aufenthalt in chicago (teil 2)

Wir haben gar nicht mal so schlecht geschlafen, mussten uns aber buchstäblich warm anziehen und aneinander kuscheln, denn die zentrale Klimaanlage arbeitete gnadenlos und liess sich nicht individuell regeln. Die Zimmer waren sehr hellhörig und wir konnten nicht genau unterscheiden, ob wir das Husten der Flöhe im Nachbarzimmer oder in unserem Zimmer hörten. Beim nächtlichen ‚Blase leeren‘ hörte ich im Nachbarzimmer zudem diverse nicht genau definierbare Geräusche, vermutlich haben die dortigen Bewohner das ‚Kuscheln‘ ziemlich wörtlich genommen und ausgiebig für Reibung und Wärme gesorgt.
Bereits um 09:00 Uhr haben wir unser Motel verlassen, sind dann via Starbuck-Kaffee mit einem Uber-Taxi zum Flughafen gefahren. Einchecken konnten wir erst um 13:00 Uhr (also vor ca. 1 1/2 Stunden) und auch da gab es nochmals eine Schreckminute, weil offenbar irgendetwas mit unseren umgebuchten Tickets nicht stimmte. Wir mussten nochmals zum Ticket-Schalter und nach mehreren Telefonaten mit wem auch immer haben wir unsere Boarding-Pässe erhalten, dann den für amerikanische Verhältnisse ziemlich nachlässigen Security-Check absolviert und sitzen nun in der Lounge.
Der Flughafen Chicago O’Hare ist sehr gross, entsprechend unübersichtlich, die Beschilderung recht bescheiden, der Shuttle-Zug zwischen den vier Terminals ausser Betrieb und demzufolge sind die wenigen zur Verfügung stehenden Shuttle-Busse hoffnungslos überlastet. Diese haben zudem nur einen einzigen Zustieg in der Mitte und gemäss Murphy’s Law müssen die zuhinterst stehenden Passagiere immer zuerst aussteigen, was jeweils für platte Füsse und blaue Flecken an den Beinen sorgt, da ja alle ihr Gepäck mitschleppen müssen. Alles wirkt ein wenig abgehalftert und überbelegt, wohl eine Folge der stetig steigenden Passagierzahlen. Selbstverständlich wird auch hier – wie bei jedem Flughafen – kontinuierlich ausgebaut, aber die Ausbauarbeiten kommen sehr langsam vorwärts (aber immer noch schneller als in Berlin!), können aber mit den effektiven Bedürfnissen nicht mithalten. Auch wenn unser Flug gestern pünktlich gewesen wäre und wir die zwei Stunden Umsteigezeit zur Verfügung gehabt hätten, so wäre es wegen des mühsamen Terminalwechsels vermutlich trotzdem zu einer sportlichen Angelegenheit geworden.
Jetzt müssen wir noch etwas mehr als sechs Stunden in der Lounge ausharren, bevor wir dann das Flugzeug besteigen dürfen. Ein Sturm ist derzeit nicht in Sicht, es besteht also durchaus die Chance, dass wir heute noch abheben können.
Übrigens: Auch ein zweites Schweizerpaar ist anderweitig unterwegs als geplant. Ihre Maschine konnte wegen eines technischen Defekts in Seattle gar nicht starten und auch sie mussten nochmals dort übernachten. Zur Zeit sind sie ebenfalls wieder am Flughafen und werden Europa via Island erreichen.

21. Juni 2018 – mutmassliche ANKUNFT IN ZüRICH um 14:45

Es ist vollbracht. Mit ebenfalls diversen Verspätungen haben wir Zürich via München erreicht. So ist also eine wunderschöne, teilweise anspruchsvolle Rallye erfolgreich zu Ende gegangen. Ausser einem kleinen Husten (Manuel) und einem leicht übertretenen Fuss (Irene) sind wir gesund und munter angekommen. Wir haben viel von Amerika gesehen, vor allem ausserhalb der grossen Metropolen, wo in vielen Belangen noch enormes Entwicklungspotential vorhanden ist. Der Spruch ‚America first‘ mag ja gut tönen, aber vielleicht sollte zuerst mehr vor der eigenen Tür gekehrt werden. Andererseits ist die vielgepriesene Freiheit im Land der unbegrenzten Möglichkeiten schon deutlich spür- und erlebbar und bildet einen starken Kontrast zur eher überreglementierten Schweiz.
‚Luigi‘ Zustand ist ebenfalls in bester Ordnung und er könnte nach einem entsprechenden Service wohl gleich wieder an der nächsten Rallye eingesetzt werden.

Die nächste Rallye, die Himalayan-Challenge, werden Röbi und ich mit unserer ‚Isabella‘ bestreiten, welche in den nächsten Tagen abgeholt wird. Am 16. September werde ich mit Irene nach Neu Dehli fliegen, ein paar Tage ausspannen, bevor es dann am 21. September definitiv losgeht.

13 Kommentare

  • regina

    Mittwoch, 20. Juni 2018, 18.44 Uhr

    ihr liebä zwei
    dihai warted e wunderbari duschi und prächtigs wetter….guet flug

  • Bruno

    Mittwoch, 20. Juni 2018, 11.43 Uhr

    Doppelspitze!!!!

  • Bruno

    Mittwoch, 20. Juni 2018, 11.41 Uhr

    Einfach Spitze!!!!

  • Beat

    Montag, 18. Juni 2018, 08.32 Uhr

    Herzliche Gratulation Euch Drei! Lasst den Erfolg mit viel Freude begiessen und mit Ausruhen ausklingen! Gute Heimreise und liebe Grüsse Beat

  • Fabrizio

    Montag, 18. Juni 2018, 03.32 Uhr

    Super Sache.
    Wir gratulieren von Herzen zu dieser ausserordentlichen Leistung. Geniesst den Rest und bis bald

  • Beat

    Freitag, 08. Juni 2018, 22.07 Uhr

    Apropos ‚vernünftig werden‘ stammen wir ja aus der gleichen familiären Quelle, zum Glück ist die Vernunft in einem gewissen Rahmen dehnbar und die Art von Vernunft, die sonst landesweit verbreitet ist, heisst in meinem Wortschatz ‚ langweilig’….

  • Marcel

    Mittwoch, 06. Juni 2018, 19.07 Uhr

    Hallo zusammen, die Garage ist aufgeräumt und das Werkzeug auf Hochglanz poliert. Es kann also nichts passieren. Bei den sommerlichen Temperaturen kommt das (ausbaden) ganz gelegen. Weiterhin viel Spass.

  • Thomas Wunderli

    Freitag, 01. Juni 2018, 17.22 Uhr

    Wie immer meeeeeega lustig geschrieben 🙂
    Viel Erfolg, Glück und Spass.

  • regina

    Donnerstag, 31. Mai 2018, 23.23 Uhr

    au über dschwiz isch es heftigs gwitter gfegt.mir in seuzi sind zum glück verschont blibe. es sind wieder spannendi infos liebä mäni……passed uf oi uf….. have fun…… ☀️

  • Beat

    Donnerstag, 31. Mai 2018, 20.26 Uhr

    Ich sag’s ja, das Feld von hinten aufrollen…

  • Vreni

    Mittwoch, 30. Mai 2018, 14.00 Uhr

    Gugus zäme,
    So spannend. Toi toi toi viel Spass und auch mal Sonnenschein ☀️

  • Beat Dubs

    Montag, 28. Mai 2018, 12.58 Uhr

    Ein Feld von hinten her aufrollen verursacht deutlich weniger Stress als wenn man den ersten Platz stets verteidigen muss! Also nehmt’s locker und geniesst die Fahrt. Ich kenne diese Gegenden gut von meinen Flügen her, es hat durchaus schöne Abschnitte dabei…

  • Fabrizio

    Sonntag, 27. Mai 2018, 01.53 Uhr

    Wir wünschen viel Glück und habt Spass bei der Rallye. Luigi braucht 15W40 Prosecco.

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