2018

The Road to Saigon – 4. Februar bis 2. März 2018

Die im Februar 2015 absolvierte Rallye The Road to Mandalay hat bei Irene und mir nachhaltig Eindruck hinterlassen. Die zweite Auflage dieser Rallye startet wiederum in Singapur und führt uns via Malaysia, Thailand, Cambodia bis Saigon.

Aller Voraussicht nach wird uns ‚Isabella‘ wieder begleiten. Ganz sicher ist das noch nicht, denn die Vietnamesen lassen keine rechtsgesteuerten Fahrzeuge aus Ländern mit Rechtsverkehr ins Land (haben die keine anderen Sorgen?). Der Veranstalter versucht nun, eine Ausnahmegenehmigung zu erhalten.

Juli 2017

Offenbar hat das Wirken des Organisators Früchte getragen. So wie es aussieht, dürfen wir mit unserer rechtsgesteuerten ‚Isabella‘ tatsächlich in Vietnam einreisen, sofern mir die schweizerische Botschaft in Vietnam bestätigt, dass ich des Fahrens kundig bin. Bin ja gespannt, was da noch an ‚Gebühren‘ auf uns zukommt und ob es denn tatsächlich so ist, wie es jetzt angekündigt wurde. Inzwischen kann mich so etwas nicht mehr wirklich erschüttern.

November 2017

Während unserer Abwesenheit sind zwei Newsletter seitens des Veranstalters eingetroffen. Ich habe jetzt nochmals diverse Dokumente, Bestätigungen und andere Formulare einreichen müssen. Jetzt müssen wir nur noch die Visa für Cambodia und Vietnam einholen, für alle anderen Länder können wir diese vor Ort lösen. ‚Isabella‘ ist schon fast abholbereit, allerdings möchte ich noch zwei Einzelsitze anstelle der durchgehenden Bank einbauen, denn diese haben sich auf der Classic Safari Challenge bestens bewährt.

8. Dezember 2017

Heute wurde ‚Isabella‘ abgeholt und verladen. Gute Reise nach Singapur!

10. JanuAr 2018

Soeben haben wir vom Veranstalter erfahren, dass von den thailändischen Behörden weder unsere Schweizer Fahrzeugausweise noch unsere Internationalen Führerausweise akzeptiert werden. Das erstaunt uns doch sehr, da wir 2015 auf der Road To Mandalay mit dem genau gleichen Auto und exakt den gleichen Dokumenten problemlos in Thailand einreisen und fahren durften! Offensichtlich sind wir an einen übereifrigen Beamten geraten, welcher nur Internationale Führerausweise akzeptiert, welche auf dem Abkommen von 1949 basieren. In der ganzen Schweiz sind nur Internationale Führerausweise erhältlich, welche auf dem Abkommen von 1968 basieren. Thailand hat diese neue Abkommen zwar unterzeichnet, aber nie ratifiziert. Bis jetzt war das nie ein Thema, selbst bei den Schweizer Strassenverkehrsämtern wusste man nichts von diesem ‚Problem‘. Nun ja: Wir haben jetzt in Amerika solche Ausweise bestellt, zudem alles auf Englisch übersetzen und beglaubigen lassen sowie auch Übersetzungen bei der Schweizer Botschaft in Bangkok bestellt. Wer weiss, vielleicht klappt es ja dann doch noch, obwohl ich fast sicher bin, dass wir dann vor Ort bei der Einreise keines dieser Dokumente zeigen müssen …

26. Januar 2018

Halleluja! Kaum zum glauben, aber wahr. Heute kamen die englischen Übersetzungen unserer nationalen Führerausweise von der Schweizer Botschaft in Thailand sowie die ‚alten‘ Internationalen Führerausweise aus Amerika. Inzwischen haben wir so viele Dokumente, Übersetzungen und Beglaubigungen zusammengetragen, dass wir bald einen Übergewichtszuschlag werden zahlen müssen. Wir sind gespannt, was wir dann wirklich brauchen und zeigen müssen. Fast gleichzeitig bekamen wir auch die Bestätigungen der lokalen Haftpflichtversicherungen für unsere Fahrzeuge. Jetzt kann administrativ eigentlich fast nichts mehr schief gehen.

31. Januar  / 1. Februar 2018: Abflug mit Etihad von Zürich-Kloten nach Singapur

Nach einem ruhigen, aber mit Verspätung gestarteten Flug mit Zwischenhalt in Abu Dhabi sind wir kurz vor Mittag in Singapur angekommen und fuhren mit dem Taxi ins Hotel Capella. Das Zimmer war schon bereit und wir konnten uns noch etwas ausruhen, bevor wir dann zum Apéro gingen und dort weitere Schweizer Paare trafen. Die Vorfreude ist bei allen gross, auch wenn einige doch etwas nervös sind, da sie zum ersten Mal an einer solchen internationalen Rallye teilnehmen. Mit Freude trafen wir auch andere Teilnehmer aus aller Welt, welche wir schon von früheren Rallyes her kannten. Nach einem feinen Abendessen und einem abschliessenden Besuch in der Hotelbar zogen wir uns früh (am Morgen) in unsere Gemächer zurück.

2. Februar 2018 – Car collection day

Um 10:00 Uhr wurden wir mit einem Bus abgeholt und in ein rund 5 km entferntes Zollfreilager gebracht. ‚Isabella‘ sowie rund 30 andere Oldtimer erwarteten uns schon beinahe freudig. Neben ‚Isabella‘ stand der Bentley desjenigen Paares, welcher bereits auf der Südafrika-Rallye teilgenommen hat und sich hinter ‚Luigi‘ mit dem zweiten Platz begnügen musste. Es wird wohl schwierig werden, den Kategoriensieg der letzten Rallye zu wiederholen, da ‚Isabella‘ doch deutlich schwächer motorisiert ist als ‚Luigi‘. Das macht aber nichts, denn auf der jetzigen Rallye werden mehr Regularities, also Gleichmässigkeitsprüfungen anstehen und da haben wir zumindest eine theoretische Chance, mitzuhalten. Schon 2015 auf der Road To Mandalay hatten wir solche Prüfungen, allerdings waren die Durchschnittsgeschwindigkeiten so hoch angesetzt, resp. die Strecken so steil, dass auch alles Vollgas nichts nützte, um die vorgegebenen Zeiten zu erreichen.
Auf dem Rückweg zum Hotel tankten wir rund 120 Liter Benzin und der Tankstellenbesitzer waren ab des grossen Umsatzes derart erfreut, dass er uns noch eine Thermosflasche schenkte. In der Hotel-Garage angekommen, zeigte sich das übliche Bild. Bereits wurde geschraubt, montiert und debattiert, als hätten wir bereits zwei Wochen Rallye hinter uns. Es fahren wiederum einige wunderschöne Oldtimer mit, allen voran ein Itala aus dem Jahre 1907, welcher vor 3 Jahren auch schon auf der Road To Mandalay mitgefahren war. An ‚Isabella‘ musste ich nur noch die Stander mit den Landesflaggen montieren sowie diverses Kleinzeug einräumen, welches ich im Reisegepäck dabei hatte.
Heute Abend sind alle Schweizer Teilnehmer bei einem in Singapur lebenden Schweizer Paar zum Apéro eingeladen. Dieses Paar fährt ebenfalls mit und es ist zum Vorteil aller, wenn man sich schon vor dem Start kennen lernt und Erfahrungen austauschen kann. Wir sind bereit!

3. Februar 2018 – Scrutineering, Signing-on aND welcome-Dinner

Der gestrige Abend stand ganz im Zeichen des Kennenlernens innerhalb der Schweizer Gruppe. Zuerst waren wir bei Peter und Minka in ihrer Wohnung im 23. Stock (herrliche Aussicht über das Hafenbecken) zum Apéro eingeladen, bevor wir dann in einem thailändischen Hafenrestaurant das Abendessen bei angeregter Unterhaltung genossen.
Heute Morgen fand die technische Fahrzeugprüfung statt und anschliessend erhielten wir unsere Roadbooks und das nötige Kartenmaterial. Auch eine sog. Schnitttabelle wurde abgegeben, was auf anspruchsvolle Sonderprüfungen schliessen lässt. In der Kategorie der Vorkriegsfahrzeuge sind nur noch 4 Fahrzeuge am Start, der Kampf ums Podest wird wohl gnadenlos sein. Von der Motorisierung her werden wir nicht vorne mitmischen können, aber eben, es sind ja auch andere Qualitäten auf den Sonderprüfungen gefragt.
‚Isabella‘ ist nach wie vor in der Tiefgarage untergebracht. Man hat uns dies sehr empfohlen, da die frei herumlaufenden Fasane mit ihren spitzen Schnäbeln auf die Fahrzeuge einhacken, sobald sie sich als Spiegelbild im Lack erkennen. Der Bentley-Fahrer hat sein Fahrzeug beim Hotel-Eingang parkiert und poliert gerade alle Chromteile auf. Das wird ihm wegen der besseren Windschlüpfrigkeit auf den Sonderprüfungen wohl die entscheidenden Hundertstelsekunden Vorteil bringen, andererseits auch Nerven beim Vertreiben der Fasane kosten.
Das Wetter ist heute besser, wir sehen sogar etwas Sonne. Gestern und vorgestern hat es häufig geregnet, immer kurz aber heftig. Trotzdem ist es warm und sehr feucht (gefühlte 110%).
In wenigen Stunden findet das Fahrerbriefing statt, wo wir dann die letzten Instruktionen erhalten und die Rallye-Crew vorgestellt wird. Anschliessend geht es zum Welcome-Dinner und mit grosser Sicherheit werden wir heute am gleichen Tag ins Bett gehen, wie wir aufgestanden sind. Der morgige Tag scheint noch nicht sehr anspruchsvoll zu werden, obwohl wir bereits den Grenzübertritt nach Malaysia hinter uns bringen müssen. Bekanntlich sind diese Grenzübertritte ein Teil des Abenteuers und unsere Geduld wird wohl ein erstes Mal auf die Probe gestellt werden.

4. Februar 2018 – Day 1: singapore to malacca (340 km)

Die erste Etappe begann für uns um 09:03 Uhr. Unter viel Beifall der lokalen Bevölkerung verliessen wir das Hotel Capella in Singapur und nahmen die 30 km bis zur Grenze nach Malaysia unter die Räder. Das ganze Grenzprozedere lief in Anbetracht der chinesisch-russisch-afrikanischen Erfahrungen relativ geschmeidig ab und trotzdem hatten wir danach bereits 60 Minuten Rückstand auf die Marschtabelle. Die erste nur 1.74 km lange Sonderprüfung fand auf einer Plantage statt, allerdings war die Hinfahrt zum Start der Prüfung einiges abenteuerlicher als die Prüfung selber. ‚Isabella‘ kämpfte sich tapfer durch die Plantage und dank der grossen Bodenfreiheit blieben wir im Gegensatz zu anderen nirgends hängen. Wir sind diese Prüfung recht gemächlich gefahren, denn ich wollte Irene nicht schon am ersten Tag vergraulen. Die weiteren 250 km verliefen – ausser einem kleinen Verfahrer – problemlos und so konnten wir kurz vor Etappenende noch einen Rundkurs absolvieren, welchen wir ebenfalls relativ gemütlich fuhren, denn eine andere Fahrweise lässt ‚Isabella‘ gar nicht zu.
Auf den letzten 15 Kilometern bis zum Hotel wurde es dann noch etwas hektisch, denn der Verkehr nahm massiv zu, die Rotlichter blieben endlos lang auf rot (‚Grüne Welle‘ ist hier ein Fremdwort) und zu guter Letzt verpassten wir noch eine Abzweigung und das auf einer Einbahnstrecke. Da das Hotel nur ca. 500 Meter Luftlinie entfernt war, packte Irene das Kontrollheft und lief zu Fuss durch das Gewühl, während ich – zwischendurch auch auf legalen Wegen – die liebe ‚Isabella‘ durch das Verkehrsgetümmel trieb und das Hotel dank unserem speziellen Navigationssystem 2 Minuten vor Ende des straffreien Kontrollschlusses fand. Irene kam kurze Zeit später ebenfalls und leicht keuchend an und wir konnten tatsächlich noch fristgerecht einstempeln (14 Sekunden blieben übrig). Wir waren uns einmal mehr einig: Den heutigen Apéro haben wir verdient!

5. Februar 2018 – Day 2: malacca to Kuantan (365 km)

Wie gestern vermutet, können wir in unserer Kategorie der Vorkriegsfahrzeuge mit den schnellsten beiden Fahrzeugen (Bentley, Chevrolet Master) nicht mithalten. Immerhin haben wir den dritten Platz erreicht (von vier …), welchen wir natürlich zu halten versuchen. Alles andere ist unrealistisch solange keiner der Beiden ausfällt. Aber wie schon in anderen Berichten erwähnt: Abgerechnet wird am Schluss!
Die heutige Etappe begann mit der genau gleichen Sonderprüfung wie die gestrige aufgehört hat, nämlich mit zwei Runden auf dem Malacca-Rundkurs. Wir haben uns zum Ziel gesetzt, besser als gestern zu fahren, was uns auch knapp gelang (2 Sekunden). Rundkurse sind definitiv nicht die Stärken unserer ‚Isabella‘. Den Rest des Tages fuhren wir durch bewaldete und üppig grüne Gegenden. Zweimal mussten wir Umgehungen fahren, weil das kürzliche Unwetter Brücken weggeschwemmt und andere Unpassierbarkeiten hinterlassen hat.
Kurz vor Mittag bemerkte ich, dass der Kühlhaushalt von ‚Isabella‘ etwas in Schieflage geraten ist. Die Wassertemperatur stieg trotz relativ gemächlichem Cruisen gegen 100° Celsius und sank wieder, sobald ich hochtouriger fuhr. Das fühlte sich doch fast wie ein zu lockerer Keilriemen an und tatsächlich, dem war so und ich konnte den Schaden durch Nachspannen schnell beheben.
Am Nachmittag konnten wir eine weitere 11 km lange Sonderprüfung in einer Plantage auf weichem sandig-lehmigem Untergrund mit häufigen Richtungswechseln fahren. ‚Isabella‘ war in ihren Element, schwenkte in fast jeder Kurve gutmütig mit dem Hinterteil und absolvierte die Strecke ohne jegliches Mucken. Auch Irene kommt zusehends in den Rallye-Modus, hat sie doch alle Abzweigungen zur richtigen Zeit angekündigt, so dass ich mich ganz auf das Fahren konzentrieren konnte. Es hat richtig Spass gemacht!
Heute haben wir Malaysia von Westen nach Osten duchquert und logieren jetzt an der anderen Meeresküste in der Stadt Kuantan. Das Wetter ist weiterhin schwül warm und manchmal geht ein Regenschauer nieder. Da haben es die Fahrer der moderneren Mercedes-Cabrios gut. Die können auf Knopfdruck das Faltdach aus der Versenkung holen und haben das Fahrzeug innert 30 Sekunden geschlossen. Es sei denn, man hat zu Hause das Faltdach ausgebaut, damit man mehr Platz für Ersatzteile und Werkzeuge hat. Wenigstens hatten sie zwei grosse Schirme dabei!

6. Februar 2018 – Day 3: Kuantan to cameron Highlands (404 km)

Nach einer geruhsamen Nacht staunten wir am Morgen nicht schlecht, als wir uns beim Betrachten der Rangliste auf Platz 2 vorfanden. Der vor uns liegende Chevrolet Master hatte offenbar Getriebeprobleme und kam zu spät an die Schlusskontrolle, was ihn 1 Stunde Strafzeit kostete. Auch wir kamen heute nicht ganz pannenfrei durch, ist uns doch die Sicherung für den Scheibenwischer durchgebrannt, welche ich jedoch problemlos ersetzen konnte 😀 .
Die heutige erste Sonderprüfung war eine Regularity, bei der wir nur die Durchschnittsgeschwindigkeit (70 km/h), nicht aber das Ende der Prüfung erfuhren. Das Ganze fand auf ansteigender kurviger Strasse statt. Irene und ‚Isabella‘ waren gefordert: Irene mit Stoppuhr und Schnitttabelle bewaffnet gab mir alle 200 Meter den Zwischenstand durch, während ich ‚Isabella‘ mit mehr oder weniger Vollgas den Hügel hinauf trieb. Nach rund 10 km kam das Ende in Sicht und ab diesem Zeitpunkt durfte nicht mehr angehalten, sondern nur noch langsamer oder schneller gefahren werden. Der ‚Trick‘ bestand darin, dass man bis vors Ziel einen leicht höheren Schnitt fährt und dann auf den letzten 200 Metern so lange die Geschwindigkeit reduziert, bis man möglichst auf die Sekunde genau über die Ziellinie fährt. Das ist uns nicht schlecht gelungen, betrug doch die Abweichung nur gerade 1 Sekunde.
Die zweite Sonderprüfung fiel leider wegen Unpassierbarkeit der Strecke aus, so dass wir die letzten 100 km relativ gemächlich fahren konnten. Die Strecke führt uns auf gut ausgebauten Strassen in die Cameron Highlands, wo wir jetzt auf rund 1650 Meter im Hotel Coptorne übernachten. Das Hotel hat schon deutlich bessere Zeiten erlebt, ist aber trotzdem eines der Besten auf dem Platz und hat auch eine genügend grosse Tiefgarage. Eine Bar gibt es auch, aber ob diese a) offen ist und b) alkoholische Getränke anbietet, müssen wir erst noch herausfinden. Schon vorgestern hat uns der lokale Muezzin früh morgens aus dem Bett geholt und auch beim heutigen Tanken kurz vor der Hotelankunft wurden wir von dessen Singsang nicht verschont. Malaysia ist stark muslimisch geprägt, aber die Leute sind alle sehr nett und kommunikativ.
Morgen geht es auf eine längere Etappe nach Georgetown, wo wir dann auch den ersten Ruhetag verbringen werden.

7. Februar 2018 – Day 4: cameron Highlands to George Town (442 km)

In der Tat wurden wir früh morgens durch Fremdgeräusche geweckt. Schuld war aber nicht der Muezzin, sondern der Hotellift, welcher gefühlte 10 Mal pro Minute an unserer Zimmerwand vorbeirauschte. Bis zur ersten Sonderprüfung – ein Rundkurs – benötigten wir mehr als 5 Stunden und so hatten wir genügend Zeit, Land und Leute zu bestaunen. Die von uns durchfahrenen Dörfer waren allesamt reine Strassendörfer und zogen sich kilometerlang hin. Die Häuser sind häufig keine 5 Meter von der Strasse entfernt und die Kinder spielen trotzdem noch zwischen Haus und Strasse. Eine Herausforderung waren und sind die riesigen Mengen von Moped-Fahrer. Sie kommen plötzlich aus dem Nichts auf die Strasse und biegen ebenso unvermittelt ins Nirgendwo ab. Manche stellen sogar einen Blinker, was aber noch lange nicht heisst, dass sie auch tatsächlich in die Blinkrichtung abbiegen. Häufig sitzen 2 Personen drauf und erst wenn man genauer hinsieht, ist meistens noch ein Kind dazwischen eingeklemmt. Zuweilen werden auch Schafe oder Ziegen auf den Gepäckträger geklemmt, was diese offensichtlich mit stoischer Ruhe über sich ergehen lassen. Alles findet ohne Hektik statt, jeder schaut ein wenig auf jeden und auch eine Hupe hört man so gut wie nie. In grösseren Städten ist das Verkehrsgewühl ähnlich gross wie bei uns und trotzdem sind bei den Verkehrsteilnehmern keinerlei Aggressionen zu spüren. Wenn man sich dem lokal gelebten Verkehrsstil anpasst (Gebote sind als Empfehlungen zu betrachten), kommt man ganz gut über die Runden und zügig voran.
Den Rundkurs haben wir gewohnt gemächlich absolviert, aber trotzdem einigen Gummi auf der heissen Piste liegen gelassen. Am Nachmittag gab es dann eine weitere Sonderprüfung, diesmal ging es im Maximaltempo eine von der Polizei abgesperrte Bergstrecke hinauf. ‚Isabella‘ gab alles, trotzdem wurden wir von einem zwei Minuten später gestarteten Teinehmer mit seinem Alfa Romeo überholt. Auf der Gesamtrangliste sind wir wieder auf Platz 3 zurückgefallen, da die am zweiten Tag ausgesprochenen Zeitstrafe eines anderen Teilnehmers annuliert wurde. Allerdings konnten wir den Vorsprung gegenüber dem Viertplatzierten deutlich ausbauen. Der in Führung liegende Bentley-Fahrer wird zunehmend geschmeidiger, da er gemerkt hat, dass von uns auf den Sonderprüfungen keine Gefahr droht. Sein Bentley läuft wie eine Rakete, aber ich habe keine Ahnung, was da für ein Motor unter der Haube steckt. Ganz sicher nicht einer mit einem Hubraum gemäss der ursprünglichen Anmeldung. Aber das ist ja fast bei jedem Fahrzeug so.
Jetzt sind wir in Georgtown angekommen und machen uns für den Abend frisch. Es ist nach wie vor sehr heiss und feucht und wir freuen uns auf den morgigen Ruhetag.

8. Februar 2018 – Day 5: George Town – rest day

Wir üben uns am Pool im Nichtstun! ‚Isabella‘ steht im Schatten und ist bereits fit für den nächsten Tag. Ausser Öl nachfüllen und einige Kontrollarbeiten vornehmen musste ich nichts tun. Der Hotel-Parkplatz gleicht einmal mehr einem veritablen Werkstattgelände, dass ist auch der Grund dafür, dass wir am Pool fast die einzigen sind. Für den morgigen Grenzübertritt nach Thailand musste wir noch diverse Formulare unterschreiben, wir sind gespannt, ob morgen alles klappt. Gemäss Veranstalter könnte das ganze Prozedere länger gehen und das ist auch der Grund, warum der offizielle Rallyetag schon um 12:00 Uhr enden wird. So haben wir den ganzen Nachmittag Zeit für den Grenzübertritt …

9. Februar 2018 – Day 6: George Town to trang (405 km)

Heute fuhren wir bei schönstem Wetter und angenehmen Temperaturen Richtung thailändische Grenze los. Die erste Sonderprüfung fand in einer Reisfeldplantage statt. Die schmalen Wege waren jeweils von Bewässerungskanälen gesäumt, jeder zu grosse ‚Ausrutscher‘ führte unweigerlich in den Graben. Wir fuhren entsprechend vorsichtig, wurden weder von jemandem eingeholt noch haben wir einen anderen vor uns gestarteten Teilnehmer eingeholt (viel hat allerdings nicht gefehlt). Die zweite Sonderprüfung war wieder ein Rundkurs, den ich diesmal alleine fuhr. Der Beifahrer muss auf den Rundkursen nicht mehr im Fahrzeug sein, was viele Damen gerne nutzten und vom Pistenrand aus Fotos schossen.
Danach folgte der Grenzübertritt nach Thailand und wir konnten es kaum fassen: So speditiv haben wir noch selten eine Grenze überquert! Offenbar haben die monatelangen Vorbereitungen und das Einreichen ganzer Papierstapel Früchte getragen. Wir mussten nur unsere Pässe stempeln lassen, ein vorausgefülltes Formular unterschreiben (keine Ahnung, was darauf stand) und uns mit dem obersten Grenzbeamten vor dem Fahrzeug fotografieren lassen. Kein einziges anderes Papier wurde verlangt und auch das Fahrzeug wurde nicht kontrolliert. Nach 15 Minuten ging es weiter, allerdings nur ca. 500 Meter bis zum ersten Polizei-Checkpoint. Als einziges Fahrzeug wurden wir heraus gewunken und freundlich aufgefordert, am Strassenrand zu parkieren. Darauf stellten sich vier Polizisten, einer mit einem Maschinengewehr, vor dem Fahrzeug auf und liessen sich von einer anderen Person ausgiebig fotografieren. Jedes der Beamtenhandys kam zum Einsatz und wir standen sicher 5 Minuten da, bis alle Bilder auf allen Handys geknipst waren. Sehr freundlich wurden wir verabschiedet und nahmen weitere 170 km unter die Räder, bis wir dann kurz nach 15:00 Uhr in Trang im Hotel ankamen (wir haben noch 1 Stunde dazu gewonnen und sind der Schweiz jetzt nur noch 6 Stunden voraus). Die Zeit reichte gut für eine Massage und eine Runde faulenzen am Pool, bevor wir uns jetzt für den Abend bereit machen. Offenbar gibt es heute Live-Musik, zu der man auch tanzen könne. Da fällt mir gerade ein, dass allzu viel Bewegung meinen Bandscheiben schaden könnte  🙂 .
Nachtrag um 21:30: Das Nachtessen (Buffet) war einfach spitze und wir konnten sogar draussen essen. Das ist jedes Mal erholsam, denn in den Speisesälen der Hotels ist es jeweils so kalt, dass man nur mit Pullover/Jacke überleben kann. Allerdings hat die Live-Musikband alle Register gezogen, insbesondere bezüglich Lautstärke, so dass wir die Flucht nach vorne, resp.ins Zimmer angetreten haben (und ich nicht tanzen musste …).
Die heutige Sonderprüfung in der Reisfeldplantage hatte es tatsächlich in sich. Mehrere Fahrzeuge haben nicht alle Kurven auf Anhieb geschafft und sind irgendwo gelandet. Glücklicherweise gab es aber weder Verletzte noch grösseren Blechschaden. Aber es wird nach wie vor auf dem Hotel-Parkplatz geschraubt, was das Zeug hält.
Die Rallye-Truppe hat heute Zuwachs erhalten. Ein Fernsehteam der BBC wird uns ab Morgen begleiten, filmen und Interviews führen. Nebst den Kameraleuten sind zwei junge Damen in sehr heissen Hot-Pants (Pleonasmus ist beabsichtigt und berechtigt) eingetroffen und haben schon fleissig Kontakt mit den Rallye-Teilnehmern aufgenommen. Wenn diese Damen morgen in der gleichen Kluft am Rand einer Sonderprüfung stehen, weiss ich dann nicht, welchen Kurven genau die Blicke einiger Männer folgen werden. Das könnte vielleicht die Rangliste nochmals etwas aufmischen. Ich bin für solche optischen Abstecher (nahezu) immun, da mich sowohl Irene wie ‚Isabella‘ genügend fordern. Schliesslich haben wir einen dritten Platz zu verteidigen!
Generell geht es Irene und mir gut, wir sind gesund, fit und freuen uns auf die kommenden Tage in Thailand. Auch innerhalb der Schweizer Truppe klappt es bestens, wir haben viel zu lachen und zu erzählen.  Auch ‚Isabella‘ geht es bestens, alle Systeme laufen einwandfrei uns selbst bei 38° Celsius treten keinerlei Überhitzungsprobleme auf. Morgen soll es gebrigiger und kurviger werden. Wir sind gerüstet!

10. Februar 2018 – Day 7: trang to Krabi (370 km)

Gleich zu Beginn der heutigen Etappe wurden wir ca. 20 km durch den Dschungel gejagt. Dies aber nicht auf Zeit, denn die Strecke war auch so fordernd genug. Wir mussten einfach den Weg durch das Dickicht finden und die einzelnen Trampelpfade möglichst material- und nervenschonend befahren. Für ‚Isabella‘ war die Strecke genau richtig, denn dank der grossen Bodenfreiheit hatten wir nirgends grössere Probleme und konnten recht zügig durch das Dickicht pflügen. Anderen ging es deutlich schlechter: Die MG’s und Austin Healey’s schlittelten manchmal mehr als sie fuhren und beanspruchten ihre geschützte Unterböden aufs Äusserste. Aber alle kamen irgendwie durch, wenn auch mit Verspätung, nicht zuletzt auch wegen Reifenpannen.
Die erste Sonderprüfung nach dem Mittagessen musste leider abgesagt werden, da auf dem vorgesehenen Strassenabschnitt gebaut wurde. Die zweite Sonderprüfung fand wiederum auf einem Rundkurs statt und ich habe ‚Isabella‘ alles abverlangt, während Irene vom Pistenrand her filmte. Diese ‚Arbeitsteilung‘ hat sich bewährt, sowohl Irene wie ich sind beide wesentlich entspannter, einzig ‚Isabella‘ muss etwas mehr leiden (vor allem die Reifen).
Jetzt sind wir im Hotel in Krabi angekommen und haben den Pool genossen. Es war wieder bis zu 38° Celsius warm und da kommt man schon etwas ins Schwitzen, auch wenn man den ganzen Tag nur im Auto sitzt.

11. Februar 2018 – Day 8: Krabi to chumphon (458 km)

Die heutige Etappe führte uns durch zwei Nationalparks mit vielen Hügeln und pflanzenreichen Gegenden. Vermutlich leben auch viele Tiere in diesen Wäldern, allerdings haben wir keine lebenden gesehen, dafür umso mehr tot gefahrene, die bei jedem vorbeifahrenden Auto etwas platter gedrückt werden. Immer wieder kreuzen wildlebende Hunde die Fahrbahn und zwar in den unterschiedlichsten Mischungen, Farben und Formen, je nach dem, welche Männchen und Weibchen sich zu geeigneter Zeit im Dickicht (oder sonst wo) getroffen haben.
Auf der Rangliste sind wir nach wie vor auf Platz 3, obwohl der vor uns liegende Chevrolet Master gestern wieder einen technischen Defekt hatte und 22 Strafminuten hätte kassieren sollen. Offenbar kommt es nicht mehr darauf an, wer sich tagsüber verfährt oder liegen bleibt. Der Veranstalter möchte die Teilnehmer nicht hetzen, offenbar als Folge des schweren Unfalls auf der letztjährigen Classic Safari Challenge. Wir (und andere) finden das schade, denn wer auf Grund der zu schwachen Motorenleistung bei den Sonderprüfungen nicht mithalten kann, hat keine Chance, durch sorgfältiges Navigieren und dank eines gut vorbereiteten Fahrzeuges vielleicht doch noch auf der Rangliste etwas vorzurücken.
Zum Thema ’schwache Motorenleistung‘: Heute war nur eine Regularity mit einem Durchschnittstempo von 55 km/h angesagt. Als wir an den Start kamen und den vor uns liegenden Berg sahen, war uns klar, dass wir nicht annähernd zur rechten Zeit im Ziel sein werden. So war es denn auch: Mit fast einer Minute Verspätung kamen wir im 7 km entfernten Ziel an und werden in dieser Prüfung wohl als zweitletzte rangiert sein. Nur der Itala aus dem Jahre 1907 (!) war nochmals deutlich langsamer. Die anderen Vorkriegsfahrzeuge waren stark genug und kamen rechtzeitig ins Ziel. Auch das finden wir etwas schade, man hätte das Durchschnittstempo für die Vorkriegsfahrzeuge etwas senken können, denn bei der Regularity geht es ja um exaktes Fahren und nicht um Geschwindigkeit.
Das kann uns aber alles nicht erschüttern, denn es geht uns gut, ‚Isabella‘ läuft einwandfrei und vielleicht gibt es ja heute Abend etwas Prosecco an der Bar. Morgen haben wir eine lange Etappe vor uns, wir werden wohl früh zu Bett gehen (vielleicht  🙂 ).

12. Februar 2018 – Day 9: chumphon to kanchanburi (580 km)

Wie angenommen, lief heute nicht viel Besonderes. Wir mussten vor allem diese 580 km abspulen und dies hauptsächlich auf Schnellstrassen. Über Mittag assen wir im vornehmen Majestic Creek Country Club nahe der Stadt Hua Lin (Ferienort des thailändischen Königs). Die erste Sonderprüfung führte uns über Felder und durchs Dickicht. Auf kurvigen Strecken konnten wir wie gewohnt gut mithalten, aber sobald es geradeaus ging, fehlten uns die nötigen Pferdestärken. Spass hat es trotzdem gemacht. Die zweite Sonderprüfung fand auf einem fast 2 km langen Rundkurs statt, auf welchem wir 3 Runden drehen konnten. Auch das hat Spass gemacht, auch wenn mir auf den Geraden die Porsches nur so um die Ohren flogen. Irene stand wie schon letztes Mal entspannt am Pistenrand und filmte das Geschehen.
Eine inoffizielle Sonderprüfung fand bereits am Morgen statt. Bei einem Schnellstrassenimbiss habe ich eine Toilette aufgesucht und tatsächlich, es war eine da. Blitzblank geputzt und für beide Geschlechter gedacht, bestehend aus Vorraum und Toilette selber, welche etwa 50 cm breit und knapp 1 Meter lang war. Zuhinterst stand ein ca. 20 cm hohes Becken mit angedeuteten Positionen für die Füsse. Für die übliche männliche Verrichtungsstellung war der Raum zu schmal und wenn ich mich um 90° gedreht hineingequetscht hätte, hätte ich das Becken nicht treffen können ohne selber nasse Füsse zu bekommen. Der Vorraum wäre zwar für eine optimale Treffsicherheit genügend breit gewesen, andererseits hätte ich die dann geforderte Distanz zum Becken auch in jungen Jahren nicht geschafft (ok, vielleicht nach 3 Liter Bier). Diese Toilette war einfach nicht für 186 cm grosse Europäer gedacht und so verkniff ich mir die langersehnte Erleichterung. Zum Glück hatte die Servicedame am Eingang der Toilette Mitleid mit mir (ich war wohl nicht der Erste) und zeigte mit den Weg zur Toilette für Leute mit Handicap. So hat dann doch noch alles ein gutes Ende und Ziel gefunden!

13. Februar 2018 – Day 10: kanchanburi  – rest day

Nichtstun kann so schön sein! Wir liegen seit Stunden am Pool und lassen uns die Sonne auf den Bauch scheinen, schlürfen ab und zu eine Cola (oder so) und geniessen unseren Ruhetag. Am Morgen habe ich ‚Isabella‘ ausführlich inspiziert, konnte aber keine Unregelmässigkeiten feststellen. Als Belohnung gab’s 2 dl Öl von der Sorte 20W50 und zusätzliche 100 Liter Benzin bei der nahe gelegenen Tankstelle. Auf dem Parkplatz ging es ausnahmsweise recht ruhig zu und her, einzig der Bentley-Fahrer hämmerte wie wild auf seinen Radnabenmuttern herum. Die anderen waren mehrheitlich mit Aufräum- und Reinigungsarbeiten beschäftigt. Bis jetzt sind erstaunlich wenige Fahrzeuge ausgefallen, resp. alle konnten über kurz oder lang repariert werden. Selbst der Austin Healey, welcher vorgestern einen einheimischen Pickup zum Totalschaden gefahren hatte (war nicht schwer, das Fahrzeug war so oder so am Auseinanderfallen), war wieder dabei. Die ganze Front hält jetzt mit extra starkem Klebeband zusammen und er sieht fast noch besser aus als vorher. Unser Hotel ist das Gleiche wie vor 3 Jahren auf der Rallye The Road To Mandalay. Wegen uns wurden extra die Parkplätze mit Sonnenschutznetzen überzogen und auch die Poolbar wurde geöffnet. Ein in der Umgebung wohnender Schweizer, welcher im Hotel regelmässig den Pool besucht, sagte uns, dass er seit Jahren nie mehr so viele Gäste gesehen hat wie jetzt und auch an die Öffnung der Poolbar könne er sich nicht erinnern. Wir können das nachvollziehen, denn von jeder Sorte Weisswein existiert offenbar genau eine (1) Flasche, so dass unsere 10-köpfige Schweizergruppe unverhofft in den Genuss des ganzen Weisswein-Sortiments kam. Vielleicht wechseln wir heute Abend auf Rotwein, denn Prosecco kennen die hier so oder so nicht …

14. Februar 2018 – Day 11: kanchanburi to nakhon sawan (420 km)

Dumm gelaufen! Der Apéro hat heute etwas früher begonnen, dafür etwas länger gedauert! Uns geht es gut!

15. Februar 2018 – Day 12: nakhon sawan to Mae sot (446 km)

Die heutige Etappe führt uns schon fast an den nördlichsten Punkt unseres Thailand-Aufenthaltes. Wir durchfuhren die Reiskammer des Landes, weit und breit wird nur Reis und Zuckerrohr angepflanzt. Die Temperaturen stiegen bis 41° Celsius, dafür wurde es trockener und die Natur zeigt bereits erste Verdörrungserscheinungen. Für die Reisfelder ist jedoch genügend Wasser vorhanden, welches alle paar hundert Meter aus einem ausgeklügelten System von Bewässerungsgräben herausgepumpt und die Felder geleitet wird.
Generell macht der Norden von Thailand einen etwas ärmlicheren Eindruck als der Süden, was man auch an der Qualität unserer Hotels anmerkt. Aber alle Einheimischen sind ausgesprochen freundlich und freuen sich riesig ab unseren alten Fahrzeugen. Alle wollen sich vor und neben ‚Isabella‘ fotografieren lassen und putzen dabei jedes Mal unbeabsichtigt die Kotflügel.
‚Isabella‘ musste heute leiden! Am Morgen mussten wir anhalten und eine Kuhherde an uns vorbei ziehen lassen. Eine etwas verstörte Kuh hat dann plötzlich an die Stossstange und den Kotflügel von ‚Isabella‘ getreten, was aber glücklicherweise keine bleibenden Spuren hinterlassen hat (von der Kuh ist nichts bekannt). Am Nachmittag mussten wir eine steile, aber gute ausgebaute Strasse über eine fast 1’000 Meter hohe Hügelkette fahren, was die Kühlwassertemperatur auf 105° Celsius und die Öltemperatur auf 120° Celsius steigen liess. Wegen der vielen Baustellen und vor allem wegen der alten und überladenen Lastwagen kamen wir teilweise nur im Schritttempo vorwärts. Als ich schon anhalten und den Motor abkühlen lassen wollte, kam die Passhöhe in Sicht und wir konnten ohne Verzögerung den ‚Abstieg‘ in Angriff nehmen und nach wenigen Kilometern waren alle Temperaturen wieder im grünen Bereich. Ansonsten sind wir heute viele kurvige, enge und staubige Strecken gefahren. Einige haben vorgestern am Ruhetag ihr Fahrzeug waschen lassen, heute Abend sind diese Fahrzeuge aber im genau gleichen Zustand wie diejenigen, welche nicht gewaschen wurden. Gut, haben wir darauf verzichtet! Die gestrigen und heutigen Sonderprüfungen führten uns kreuz und quer durch teilweise abgeerntete Zuckerrohrfelder und manch einer erwischte nicht jede Kurve wunschgemäss und pflügte den Acker. Aber ausser Reifenschäden und Lackkratzer ist nichts passiert. Bei der gestrigen Regularity haben wir die maximale Strafpunkte-Anzahl erhalten, weil wir einfach nicht genügend schnell den Berg hoch kamen. Aber das kennen wir ja schon und einen Einfluss auf die Rangliste hatte es auch nicht. Wir sind nach wie vor Dritte unserer Kategorie mit einem schönen Abstand auf den Viertplatzierten. Der Bentley führt nach wie vor und der Chevrolet Master ist auf dem zweiten Platz. Wenn keines dieser Fahrzeuge ausfällt, wird das die Schlussrangliste unserer Kategorie sein.
Die morgige Etappe führt uns nach Mae Hong Son, die Grenzstadt zu Myanmar. Im Gegensatz zur Rallye vor 3 Jahren biegen wir dann aber sozusagen rechts ab und fahren östlich nach Chiang Mai.
Nachtrag um 22:00 Uhr: Heute Abend haben wir einen Barbetrieb der anderen Sorte kennen gelernt. Die Hotelbar war gut besucht (alles Rallye-Teilnehmer), aber das Personal war sich solche Anstürme nicht gewohnt. Es war – gelinde gesagt – ein heillosen Durcheinander. Das Personal konnte kein englisch und wir alle kein thailändisch. Der Begriff ‚Gin-Tonic‘ war offensichtlich bekannt und alle Bestellungen, welche auch nur annähernd nach ‚Gin Tonic‘ tönten, wurden als ‚Gin-Tonic‘ ausgeführt, ganz egal, ob man ein Bier (hat ein i im Wort) oder einen Kamillentee (hat auch ein i) bestellte. Wenn eine Tonic-Dose sich getraute, sich nicht über den normalen Dosenöffnungsmechanismus öffnen zu lassen, wurde der Dose mit dem Hackebeil rohe Gewalt angetan und man konnte froh sein, dass am Schluss im Gin keine Blutspritzer vorhanden waren. Die Rechnungsstellung hingegen war einwandfrei. Auf dem Bestellblock wurde alles fein säuberlich und mit doppeltem Durchschlagpapier eingetragen, wobei die Preise im Takt der aufsteigenden Bestellnummer proportional mitsteigen taten. Als Gast musste man dann den Auftrag unterzeichnen und anschliessend wurde die Bestellung in ein vermutlich sehr altes Computersystem eingetragen. Irene und ich haben schon früh eine Flasche Weisswein bestellt und haben eine sehr gute Flasche aus Südafrika aus dem Jahre 2012 erhalten. Alle weiteren Weissweinbestellungen waren jedes Mal eine andere Sorte, nur der Preis war immer der gleiche, völlig unabhängig von Jahrgang, Herkunft und Qualität. Ich wollte dann noch eine Flasche Wasser ohne Kohlensäure dazu bestellen, geliefert wurde aber ein Eiskübel mit Wasser und Eis. Als ich 1 Minute vorher einen solchen Eiskübel bestellen wollte, wurde mir halbwegs verständlich gemacht, dass es so etwas nicht gäbe. Das ganze Prozedere wurde von einer singenden Pianistin begleitet, die ihr Piano und ihre Stimmbänder mindestens so gequält hat, wie ich ‚Isabella‘ auf den Sonderprüfungen. Manchmal bin ich ganz froh, dass mein Gehör altersbedingt schon etwas nachgelassen hat. Trotzdem hatten wir einen lustigen Abend, auch wenn wir nicht wissen, was genau wir getrunken haben. Zahlen können wir erst morgen, denn soeben ist das Computersystem abgestürzt, vermutlich wegen Überlastung! Wenn man solche Situationen inszenieren müsste, man brächte sie nicht halb so gut hin, wie sie in der Realität stattgefunden haben. Man muss das erlebt haben!

16. Februar 2018 – Day 13: Mae Sot to mae hong son (440 km)

Wir haben einmal mehr sehr gut geschlafen, allerdings war der Weckvorgang nicht ganz nach dem Geschmack von Irene. Um 06.30 Uhr hörte sie das Gekeife eines Geckos und das so nah bei uns, dass sich das Tier nur in unserem Raum aufhalten konnte. So schnell habe ich den Puls von Irene schon lange nicht mehr ansteigen sehen und sie war auf einen Schlag hellwach. Ich tat so, als wüsste ich von nichts, denn ich habe diese Geräusche schon anlässlich meiner nächtlichen Blasenleerung gehört und hütete mich wohlweislich, Irene zu wecken. Vor drei Jahren hatten wir auf der Road To Mandalay ein ähnliches Erlebnis und ich musste dannzumal das halbe Hotelzimmer auf den Kopf stellen, bis ich dann den Gecko, resp, die Eidechse fand. Das wollte ich verhindern und liess Irene in Morpheus Armen weiter schlummern, was den Gecko nicht weiter gestört hat und er dann auch eine Weile ruhig blieb.
Trotzdem hat der Tag gut begonnen, wir fuhren auf einer kurvenreichen, hügeligen, aber gut ausgebauten Strecke der Grenze von Myanmar entlang. Unzählige Male wurden wir an Checkpoints kontrolliert, aber nur, damit Fotos gemacht werden konnten. Es war nicht mehr so heiss wie gestern und daher bewältigte ‚Isabella‘ die teilweise heftigen Steigungen problemlos. Die Sonderprüfung auf relativ schlechtem Kiesweg gelang uns wie gewohnt, wir haben einmal mehr keine Stricke verrissen, sind aber auch heil angekommen. Jetzt geniessen wir den Abend am nördlichsten Punkt unseres Thailand-Aufenthaltes.

17. Februar 2018 – Day 14: mae hong sot to Chiang mai (566 km)

Es hat einfach nicht sein söllen! Nach etwa 100 km Wegstrecke über Berg und Tal begann ich ein zunehmend nagelndes Geräusch aus dem Motorraum zu hören. Mit jedem Kilometer wurde es immer lauter und die Symptome schienen auf ein Problem bei den Ventilen und/oder der Nockenwelle hin zu deuten. Die Temperaturen waren alle auf normalem Niveau, da es immer noch recht kühl war. Bei der nächsten Passage-Control stellten wir ‚Isabella‘ in den Schatten und warteten auf die Mechaniker. Meine Befürchtungen haben sich leider bestätigt. Ein Nocken der Nockenwelle beim fünften Zylinder fühlte sich sehr abgeschliffen an und auch sonst waren einige Teile lose, welche nicht lose sein sollten. Die Mechaniker des Veranstalters haben versucht, den Ventilantrieb des fünften Zylinders abzuhängen, was aber nur teilweise gelang. Ich konnte dann rund 10 km mit einem anders nagelnden Geräusch weiter fahren, aber als es dann auch noch blau aus dem Auspuff qualmte, musste ich den Motor definitiv abstellen. Wir waren immer noch auf über 1000 Meter über Meer und mussten irgendwie runter. Das war einfacher gesagt als getan, denn ohne Motorbremse musste ich die Bremsen bis an die Grenze des Belastbaren benutzen und zwischendurch anhalten und die Trommeln mit Wasser kühlen. An den Steigungen haben uns die Mechaniker jedes Mal an ihrem Toyota Hilux angehängt und hoch gezogen. Auf diese Art haben wir dann weitere 16 km zurückgelegt und warten jetzt im Visitor Center eines Nationalparks auf den Abschleppwagen.
Die Rallye ist für ‚Isabella‘ definitiv zu Ende, wir werden sie von Chiang Mai aus nach Hause verschiffen. Da ich nicht genau weiss, was alles am Motor defekt ist, macht auch das Einfliegen von Ersatzteilen keinen Sinn. Ein Mietwagen würde höchstes noch für Thailand Sinn machen, denn wir können diesen weder nach Cambodia noch nach Vietnam überführen und jedes Mal einen neuen Mietwagen auftreiben wollen wir auch nicht. Vielleicht hängen wir noch ein paar Ferientage dran oder machen sonst was.
Inzwischen hat auch Irene wieder Farbe ins Gesicht bekommen und ist schon fleissig am Abklären, was wir in Thailand sonst noch anstellen könnten. Wir werden euch hier auf dem Laufenden halten!
Nachtrag nach Mitternacht: Um ca. 21:30 Uhr kamen wir im Hotel an und fanden gleich den Weg zur Bar (ohne Roadbook!). Mit allem Wohlwollen müssen wir wohl akzeptieren, dass unsere Rallye  morgen zu Ende sein wird. Zwar werde ich morgen noch letzte Abklärungen bezüglich Reparatur treffen, aber die Chancen sind klein, unsere ‚Isabella‘ innert nützlicher Frist in einen fahrfähigen Zustand versetzen zu können. Aber wir wollen jetzt zuerst einmal schlafen und wer weiss, vielleicht finden wir eine gute Lösung, egal, wie diese dann aussieht  🙂 !

18. Februar 2018 – Day 15: Chiang mai – Rest Day

Heute Morgen habe ich mit einer lokalen Werkstatt Kontakt aufgenommen und ein Mechaniker hat ‚Isabella‘ begutachtet. Leider kann der Schaden nicht genau abgeschätzt werden, solange der Motor nicht zerlegt ist. Dies wiederum macht das Einfliegen der richtigen Ersatzteile schwierig. Optimal wäre, wenn der ganze Motorblock getauscht werden könnte. Dieser müsste aber in der Schweiz zuerst verfügbar sein und dann käme das Hauptproblem: Der normale Transport nach Chiang Mai inklusive der aufwändigen thailändischen Verzollung würde mindestens 1 Woche dauern. Wenn eine Person den Motorblock direkt im Handgepäck mitnehmen würde, so ginge das bedeutend schneller, aber dafür ist der 6 Zylinder Motorblock zu gross und vor allem zu schwer. So oder so hätten wir mindestens 1 Woche Verzögerung und könnten die Rallye kaum mehr aufholen. Zudem müssten wir die Grenzübertritte nach Cambodia und Saigon ohne die organisierte Hilfe des Veranstalters hinter uns bringen und auch alle Unterkünfte selber organisieren (was wir aber sicher schaffen würden).
Wir lassen ‚Isabella‘ nun direkt von Chiang Mai nach Hause zurück bringen, der Rücktransport ist bereits organisiert. Vermutlich bleiben wir ein oder zwei Tage länger in Chiang Mai und ruhen uns noch etwas aus. Bis dann wissen wir sicher auch, wie und wann wir in die Schweiz zurück kehren werden.
Schade, ist diese Rallye frühzeitig zu Ende und wir sind schon etwas traurig. Anderseits gehört das zum Rallye-Sport und ist ebenfalls ein Teil des Abenteuers. Nach wie vor ist mir nicht klar, was die genaue Ursache für diesen Schaden ist. Es geschah auf der normalen Strasse bei üblichen Verhältnissen ohne Stress oder andere Belastungen. Das Störgeräusch begann ganz leise und nach rund 10 km war der Schaden bereits komplett. Ob sich irgendeine Schraube gelöst hat oder eine Ölleitung verstopft wurde? Wir werden es hoffentlich herausfinden!

Somit endet hier auch meine Berichterstattung zu dieser Rallye. Als unverbesserlicher Optimist freue ich mich auf die Rallye Trans America, welche ich wiederum mit Irene bestreiten werde. Unser Abflug ist Ende Mai und wir fahren mit ‚Luigi‘ (Ford Coupé 1940). ‚Isabella‘ muss bis ca. Mitte Juli wieder fahrtüchtig, resp. bereit für den Transport nach Neu Dehli sein, da Röbi und ich im September/Oktober die Himalaya-Rallye bestreiten werden. Es gibt also noch viel zu tun, packen wir es an!

Nachtrag um 23:45 Uhr: Der Abschiedsabend war so schön wie er schwierig war. Manchmal merkt man erst, dass etwas fehlt, wenn man es nicht mehr hat. Wir gehen morgen erst dann zum Frühstück, wenn alle Teilnehmer abgefahren sind. Nach Regen hat sich noch jedes Mal die Sonne gezeigt!

Hier noch einige Impressionen von der Rallye, zusammengestellt von Irene:

7 Kommentare

  • Susanne

    Sonntag, 18. Februar 2018, 12.18 Uhr

    Liebe Irene und Mäni
    Das isch jetzt würkli Künstlerpech!
    Aber ihr seid Optimisten und die nächste Rallye steht bald an.
    Geniesst die zusätzlichen Tage in Chiang Mai. Der Winter wartet auf euch in Seuzi .
    Take care!
    Susanne & Cesi

  • Regina

    Sonntag, 18. Februar 2018, 10.28 Uhr

    meine lieben zwei
    …..isabella wird zuhause die „operation“überstehen, ich bin zuversichtlich…..wie sagt man doch so schön…..zum glück seid ihr wohlauf und es hätte auch in der ersten woche passieren können.
    wir freuen uns auf euch….

  • Werner Heim

    Sonntag, 18. Februar 2018, 09.24 Uhr

    Lieber Manuel, liebe Irene
    Es hat nicht sollen sein – es tut uns leid für euch und eure Isabella.
    Wir drücken euch die Daumen, dass alles wieder gut kommt. Vorerst gute Heimreise und liebe Grüsse

    Werner und Magda

  • Beat

    Samstag, 17. Februar 2018, 12.10 Uhr

    Liebe Mäni und Irene, diese schlechte Nachricht macht mich sehr betroffen! Das habt Ihr wirklich nicht verdient! Hoffentlich gelingt es Euch wenigstens noch ein paar Tage Erholung und Lokalgeschehen zu geniessen. Für Isabella hoffe ich, dass sie bald wieder neu erstarkt mit einem normalen Geräusch weiter fahren kann. Liebe Grüsse und viel Mitgefühl, Beat

  • Regina

    Freitag, 16. Februar 2018, 20.18 Uhr

    vacca foeda 🙂

  • Regina

    Mittwoch, 14. Februar 2018, 22.16 Uhr

    mä fühlt sich als wär mä däbi…..spannend….
    happy valentin…..

  • Bruno Allmendinger

    Sonntag, 11. Februar 2018, 14.45 Uhr

    lese mit Genuss, weiter so!

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