2017

The 6. Classic Safari Challenge – Oktober / November 2017

Die 6. Auflage dieser Rallye wollen Irene und ich nicht verpassen. Mit einem unserer Oldtimer möchten wir den Elefanten und Löwen das Fürchten lehren (vermutlich wird es umgekehrt sein …).

Februar 2016: Kaum zu glauben …

… aber inzwischen ist auch diese Rallye bereits vollständig ausgebucht. Gut, haben wir schnell reagiert!

März 2016: Die Oldie-Familie hat Zuwachs bekommen!

Für diese Rallye habe ich mir einen weiteren Oldtimer, ein Ford Coupe Deluxe, Jahrgang 1940 angeschafft (und ‚Luigi‘ getauft), ansonsten wir wegen der jeweils langen Verschiffungszeiten der Fahrzeuge nicht an allen gewünschten Rallyes teilnehmen könnten (irgendeine Ausrede musste ich ja finden …). Auch dieses Fahrzeug möchte ich etwas umbauen und verstärken, aber trotzdem möglichst wenig vom Originalzustand abweichen. Zum Glück sind für dieses Modell noch alle Ersatzteile erhältlich!

MAI 2017

‚Luigi‘ hat die Probefahrt auf der Rallye-Korsika fast unbeschadet überstanden (siehe Bericht) und nur noch weniges muss repariert/optimiert werden. Einmal mehr ein grosses Dankeschön an Marcel Moser und Reto Caviglia von der Fischer Classic Cars GmbH in Rain (LU) für die ausgezeichneten Vorbereitungsarbeiten.

August 2017

‚Luigi‘ wurde abgeholt und verladen. Da ich zu diesem Zeitpunkt ein paar Tage mit Irene Ferien genossen habe, hat unser lieber Nachbar Giancarlo das anspruchsvolle Manöver übernommen und mit Bravour gelöst! Jetzt hoffen wir, dass das Fahrzeug unversehrt in Kapstadt ankommt …

‚Luigi‘ steht sicher im Transporter der Firma CARS

September 2017

Während des ganzen Monates haben wir unser Gepäck zusammengetragen und laufend optimiert, da uns zusammen nur ein (1) Koffer mit vorgegebenen Massen zur Verfügung steht. Die räumliche Aufteilung innerhalb des Koffers habe ich vollständig Irene überlassen und ich vermute, dass mein Anteil eher weniger als 50% betragen wird. Für die letzten Ersatzteile, das ganze elektronische Equipment und sonstige ‚Kleingemüse‘ steht mir ein eigener alter Koffer zur Verfügung, welchen ich dann in Kapstadt verschenke, sobald ich alles irgendwie im ‚Luigi‘ verstaut habe. Für Zimbabwe musste ich noch weisse und rote reflektierende Bänder besorgen, welche ich an ‚Luigi‘ aufkleben muss. Das gibt doch schon etwas Aufschluss darüber, wie leistungsstark (und vor allem funktionierend) die Beleuchtungen der dort fahrenden Fahrzeuge sein werden.
Auch unseren Impfschutz haben wir kontrollieren und auffrischen lassen. Vermutlich sind wir jetzt gegen (fast) jegliche möglichen und unmöglichen Gebresten geimpft. Auch an die Malaria-Prophylaxe haben wir gedacht und nebst den passenden Medikamenten topmodische Schutzhüte eingepackt 😀 (nein, es wird wahrscheinlich keine Fotos davon geben!).
Ebenso haben wir – wie vom Veranstalter verlangt – etwas lokale Währungen in kleinen Noten besorgt, wobei wir jetzt für alle diese Scheine fast einen eigenen Koffer benötigen.

2. Oktober – Letzte Versicherungsbestätigung ist eingetroffen

Uff! Tatsächlich haben wir heute noch die Bestätigung einer namibischen Versicherungsgesellschaft erhalten, dass wir jetzt über eine gültige Haftpflicht-Versicherung für die ganze Rallye in der Höhe von N$ 15’000’000 (namibische Dollar) verfügen, was etwas mehr als US$ 1’000’000 entspricht. Damit sind wir für diese Länder mehr als überversichert, denn die maximale Haftungsgrenze für eine tödlich verunglückte Person beträgt nur US$ 3’000. Rechne …
Wir müssen zwar unser eigenes ZH-Nummernschild dabei haben, aber die dazu gehörige schweizerische Haftpflichtversicherung ist in Afrika nicht gültig und auch eine Kaskoversicherung macht keinen Sinn, da alle Deckungszusagen im Zusammenhang mit einer Rallye keine Gültigkeit haben. Wenn wir bezüglich allfälliger Wildschäden eine Kollision mit einem Elefanten angeben würden, so würde unser lokaler Versicherungsvertreter wohl etwas erstaunt aus der Wäsche schauen. Ebenso erwarten wir auf unserer Strecke keine Pannen-Hilfe des TCS, auch wenn wir einen weltweit gültigen ETI-Schutzbrief gelöst haben.

5. Oktober – Abflug um 22:35 Uhr

Heute geht’s los! Alles ist gepackt und in wenigen Stunden geht der Flieger nach Kapstadt. Ob ‚Luigi‘ wohl angekommen ist? Vor wenigen Tagen haben wir die letzten Informationen des Veranstalters erhalten und aufmerksam gelesen. Interessant war vor allem die Aussage, dass die jeweiligen Grenzübertritte einen Teil des Abenteuers darstellen …

Start in Kapstadt, dann via Namibia, Botswana, Zimbabwe zurück nach Kapstadt

6. Oktober – Ankunft

Der Flug nach Kapstadt verlief ohne Zwischenfälle und wir konnten zwischen den periodisch abgehaltenen Schreiattacken eines kürzlich geborenen Kleinkindes sogar schlafen. Wie schon am Gate in Kloten so auch bei der Ankunft in Kapstadt trafen wir mehrere bekannte Gesichter früherer Rallyes und zusammen fuhren wir mit einem organisierten Transport ins Hotel One and Only. Das Wetter ist schön, windig, aber etwas kühl (18°C). Nach dem Zimmerbezug buchten wir eine Hafenrundfahrt und besichtigten die berühmte Waterfront zuerst per Schiff und dann später zu Fuss. Dank der restriktiven Ladevorgabe für unser Reisegepäck im ‚Luigi‘ kam ich unbeschadet durch alle Verkaufsläden, durfte dafür bereits etwas lokale Kulinarik geniessen (Cheesburger …), welche dann doch etwas länger als geplant im Magen liegen geblieben ist. Nach einem Erholungsschläfchen machen wir uns jetzt bereit, um zusammen mit anderen die Hotel-Bar zu erkunden. Es geht eben nichts über eine gute navigatorische Reisevorbereitung und ich habe mir sagen lassen, dass das Auffinden von Wasser- und sonstigen Getränkelöchern nicht genügend geübt werden kann!

 

7. Oktober – Fahrzeugübernahme und GALA-Diner

Nach ausgiebigem Ausschlafen und eben solchem Frühstück gingen wir nochmals an die Waterfront und deckten uns im Pick & Pay mit diversen Steckeradaptern und Batterien ein. Um 15:00 Uhr brachte uns ein Shuttle-Bus ins 6 km entfernte Zollfreilager, wo wir ‚Luigi‘ nach bestandenem Alkohol-Blastest (!) in Empfang nehmen konnten. Unser Hotel fanden wir auf Anhieb wieder und konnten dabei bereits unsere Navigationshilfen testen und Benzin für den Start am Montag tanken. Inzwischen habe ich mich auch mit dem vom Transporteur vorbereiteten Carnet de Passage auseinandergesetzt und staune einfach immer wieder, mit wie viel Bürokratie unser Warenfluss aufrecht erhalten werden muss.
Heute Abend findet das offizielle Begrüssungsessen statt und dazu bretzeln wir uns jetzt auf, so weit das mit unserer beschränkten Garderobe überhaupt möglich ist (manche Engländer würden wir wohl auch nackt übertreffen). Die Stimmung innerhalb der Rallye-Truppe ist bereits seht gut, haben wir doch einige weitere Bekannte früherer Rallyes getroffen. Morgen müssen wir erst um 11:00 Uhr zur technischen Abnahme von ‚Luigi‘ bereit sein, daher wird es heute wohl noch einiges zu feiern geben.

8. Oktober – Fahrzeugabnahme und Letzte Informationen

Nach einer – wie vermutet – etwas kürzeren Nacht standen wir mit ‚Luigi‘ pünktlich zur technischen Kontrolle bereit, welche ohne Probleme absolviert werden konnte. Danach erhielten wir alle Wegpunkte auf unser Navigationssystem geladen und konnten auch dieses erfolgreich testen: Ich fand die Tiefgarage auf Anhieb! Am Fahrerbriefing erfuhren wir, dass in Südafrika zwei und nicht nur ein Pannendreieck nötig ist und da das vorher niemand wusste, wird der Veranstalter über Nacht noch etwa 50 Pannendreiecke organisieren müssen. Ein Teilnehmer fragte doch tatsächlich noch, ob man in Südafrika immer links fahren müsse. Mir ist nicht ganz klar, ob und wie er mit seinem Auto vom Zollfreilager ins Hotel gekommen ist, vielleicht hatte er einfach viel Glück.
Wir werden jetzt die morgige Strecke vorbereiten. Es sind zwar nur ca. 320 km, aber als Sonderprüfung ist ein Rundkurs vorgesehen, der nicht nur möglichst schnell sondern auch möglichst richtig durchfahren werden sollte (Pylonen). Um 08:05 ist unsere Startzeit, wir sind gespannt!

9. Oktober – Day 1: Cape Town to Clanwilliam (320 km)

Wie üblich an einem ersten Rallye-Tag waren die Anforderungen an die Navigation noch nicht sehr hoch, trotzdem haben einige schon viel mehr von Afrika gesehen als wir. Die Sonderprüfung hat mehr oder weniger gut geklappt, auch wenn ich vor den langgezogenen Kurven deutlich verlangsamt habe, denn a) ist das Fahrwerk von ‚Luigi‘ immer noch aus der Vorkriegszeit und b) möchte ich Irene als Beifahrerin noch etwas länger behalten. Das Mittagessen haben wir in einem traumhaften Strandrestaurant direkt am Meer eingenommen. Die Natur ist schon sehr eindrücklich, vor allem diese endlosen Weiten. Nach wie vor ist es relativ kühl und in Meeresnähe weht ein zügiger Wind, dafür hat uns die Sonne den ganzen Tag begleitet. ‚Luigi‘ läuft einwandfrei, wurde aber – mit Ausnahme der Sonderprüfung – auch noch nicht sonderlich gefordert. Die Strassen sind mehrheitlich recht gut und ausser einer ‚Gravelstrecke‘ von ca. 30 km durchwegs geteert.
Jetzt sind wir am Ziel angekommen und haben unser Zimmer in einer herzigen kleinen Lodge bezogen, welche von einem Schweizer geführt wird. Leider haben die Fahrzeuge mehrerer Teilnehmer schon einige zum Teil gröbere Probleme und morgen werden wohl kaum alle weiter fahren können. Andererseits haben die Mechaniker des Organisators schon häufig das beinahe Unmögliche möglich gemacht, lassen wir uns also überraschen.
Morgen steht uns ein langer Tag sowie der Grenzübertritt nach Namibia bevor, daher werden wir wohl eher etwas früher als später die Ruhe suchen.

10. Oktober – Day 2: Clanwilliam to Fisch River Canyon (650 km)

Schon früh morgens ging’s los und kaum 10 km nach dem Start war schon die erste Sonderprüfung angesagt. Mit ziemlich Volldampf fuhren wir die sandig-steinige Strecke vorbei an verschiedenen Weinbergen und drifteten von Kurve zu Kurve. Irene wurde zusehends ruhiger, was mindestens mir nichts ausmachte, da man sich so oder so nicht verfahren konnte und auch keine speziellen Navigationskünste nötig waren. Gestern erreichten wir trotz verhalten gefahrener Sonderprüfung den 2. Gesamtrang in der Kategorie der Vorkriegsfahrzeuge, dies aber auch, weil sich der Schnellste der Sonderprüfung dafür tagsüber verfahren hatte und so schon mehr als 1 Stunde Strafzeit kassierte. So standen wir heute schon fast etwas unter Druck, den Rang des Vortages halten zu können/müssen.
Nach anschliessenden rund 400 km Fahrt auf asphaltierter Strasse mit einem Durchschnittstempo über 100 km/h gelangten wir an die Grenze zu Namibia. Während die Ausreise aus Südafrika in sagenhaften 20 Minuten abgewickelt wurde, dauerte die Einreise nach Namibia deutlich länger! Aus Rücksicht auf die eventuell zarten Gemüter einiger Lesenden verzichte ich auf die detaillierte Schilderung der total ineffizienten Abläufe und damit verbundenen gedanklichen Nettigkeiten. Wer schon frühere Reiseberichte von mir gelesen hat, kann gerne dort nachlesen. Bis heute glaubte ich, der Grenzübertritt von der Mongolei nach Russland sei nicht zu toppen. Ich wurde eines Besseren belehrt!
Den grössten Teil der restlichen 200 km fuhren wir auf sandiger, aber recht gut präparierter Piste. Auch da kamen wir zügig voran, mussten aber wegen des aufgewirbelten Staubes recht Abstand zum Vorderfahrzeug halten. Die Temperaturen sind jetzt deutlich wärmer und auch die namibische Wüste deutlich karger. Um ca. 18:00 Uhr kamen wir in einer kleinen Lodge mitten in der gebirgigen Wüste an, wo wir unser Quartier bezogen. Soeben haben wir uns und unsere Kleider vom Sand befreit und freuen uns auf das Abendessen. Auch ‚Luigi‘ hat sein Häppchen Öl schon bekommen, den Sand muss er aber noch etwas länger aushalten.
Nachtrag um 22:15 Uhr: Leider lässt sich trotz aller Bemühungen kein Internet auftreiben. Das ist ganz gut so, denn wir durften einen wunderschönen Abend auf einer Terasse mit offenem Feuer, feinem Essen und afrikanischer Folklore geniessen. Zudem erhielten Irene und ich heute eine Medaille, wir wussten zwar nicht genau warum, aber offenbar haben wir die heutige Sonderprüfung gar nicht so schlecht absolviert. Wir sind nach wie vor auf dem 2. Rang in unserer Kategorie, ungefähr 45 Sekunden nach einem Bentley, der das Ganze sehr ernst nimmt und sich auch entsprechend aufführt (der Fahrer). Das kann uns aber nicht erschüttern, weil a) Irene immer mehr in den Rallye-Modus kommt und b) ‚Luigi‘ offenbar auch einen zweiten und noch weitere Gänge im Getriebe hat. Vermutlich werde ich diese nächstens zur Anwendung bringen müssen …

11. Oktober – Day 3: Fisch River Canyon to Sossusvlei (550 km)

Nach einer friedlichen Nacht verschoben wir uns zum 20 km entfernten Startpunkt der heutigen Etappe. Irene und ich fuhren schon etwas früher los, damit wir am Startpunkt noch möglichst früh tanken konnten. Die Strassen dorthin waren einmal mehr sehr staubig und so bemerkten wir nicht, dass sich irgendwann auf diesem Teilstück einer der grossen Kühlerschläuche löste und wir kontinuierlich alle Kühlflüssigkeit verloren. Da vor uns ein anderes Fahrzeug fuhr, war der Wasserdampf vom Staub nicht zu unterscheiden. Beim Tanken war der Motor vermutlich schon gleich trocken wie die Umgebung und die Kühlwasser-Temperaturanzeige habe ich beim Tanken natürlich nicht beachtet (vorher auch nicht und eine visuelle oder akustische Warnung fehlt leider …). Kurz vor dem offiziellen Start bemerkte ich ein kleines Räuchlein, welches sich aus dem Motorenraum schlich und schaute vorsichtshalber nach. Tatsächlich schien da irgendeine verdampfende Flüssigkeit zu zischen und als dann die Kühlwasser-Temperaturanzeige bei 280 Grad Fahrenheit stand, wurde ich doch sehr misstrauisch. Tatsächlich war der grosse Kühlerschlauch am Motoreneingang abgerutscht und lag lose auf dem Stutzen auf. Optisch konnte man kein Problem erkennen, erst wenn man am Schlauch rüttelte, wurde das Problem sichtbar. Ich schickte Irene sofort zum Wasser holen und reparierte inzwischen den Schaden, indem ich den Schlauch auf den Stutzen setzte und die Bride anzog. Trotz leichter Hektik konnten wir fristgerecht ausstempeln und wenige Minuten später starten. Vorsichtshalber habe ich auch noch allen anderen Anschlüsse geprüft und die Briden nachgezogen. Die verlorene Zeit haben wir locker wieder aufgeholt und der Rest des Tages verlief ganz nach Plan, auch die Sonderprüfung war ein Erfolg, obwohl wir fast einen die Piste querenden Waran überfahren hätten. Auch einen Affen haben wir auf der Strecke getroffen (einen Richtigen, vermutlich war es ein Pavian). ‚Luigi‘ hat zum Glück keinen weiteren Schaden genommen und läuft fast noch besser als vorher.
Jetzt sind wir in einer grösseren luxuriösen Lodge angekommen, in welcher wir zwei Mal übernachten werden. Das Internet ist ziemlich überlastet, weshalb ich diesen Bericht erst einen Tag später auf die Homepage gestellt habe. Zudem mussten wir zuerst viel Staub hinunterspülen und das dauert seine Zeit!

12. Oktober – Day 4: Visit to the Dunes

Heute mussten wir schon um 06:00 Uhr raus, denn es war eine organisierte Fahrt in die ca. 50 km entfernten Dünen des Namib-Naukluft Nationalpark angesagt. Warm eingepackt in Jacken und Decken (es war ca. 5 bis 7 Grad Celsius kalt) sassen wir in den offenen Touristenbussen und fuhren westwärts, die aufgehende Sonne im Rücken. Erwartungsgemäss haben wir sehr viel Sand gesehen, welche die entgegengesetzt wirkenden Winde vom Atlantik und aus dem Landesinneren in Jahrmillionen zu riesigen Dünen aufgetürmt haben. Ein Teil unserer Truppe hat dann auch noch eine solche Düne während einer Stunde bestiegen. Irene und ich haben uns da nicht vorgedrängt und mehr die kaum vorhandene Fauna und die wenigen Springböcke und Oryx bestaunt. Zu Abschluss gab es ein herrliches Frühstücksbuffet, welches extra für uns unter den bis zu 500 Jahre alten knorrigen Bäumen aufgebaut wurde.
Nach der Rückkehr um ca. 12:00 Uhr (es war inzwischen 35 Grad warm geworden) machte ich bei ‚Luigi‘ den Tagesparkdienst und ersetzte einen Teil des gestern aufgefüllten Wassers mit zuvor gekauftem Frostschutz. Von meinem Nachbarn – ebenfalls ein Schweizer und bekannter Motorenkonstrukteur – erfuhr ich, dass er gestern Morgen genau den gleichen Schaden hatte wie ich. Es hatte sich kurz nach dem Start ebenfalls ein Kühlerschlauch gelöst, nur hat er es früher gemerkt, weil die Trennwand zwischen seinem Motorenraum und der Fahrgastzelle ziemlich undicht ist und der Wasserdampf zusammen mit dem Staub einströmte. Auch er konnte das Problem unterwegs beheben, musste sich aber Wasser von mehreren anderen vorbeifahrenden Teilnehmern leihen und trotzdem konnte er noch fristgerecht starten. In der Vornacht standen unserer Fahrzeuge nur ca. 10 Meter auseinander. Ob das nun Zufall war oder nicht, können wir zuwenig beurteilen. Wir haben diesen Vorfall vorsichtshalber der Rallye-Leitung gemeldet, einfach einmal so zur Information.
Ansonsten haben wir heute gefaulenzt, unsere Kleider gewaschen und den morgigen Tag vorbereitet. Es geht ca. 410 km nach Swakopmund, welches am Atlantik liegt. Wir müssen erst um 09:05 Uhr starten, vielleicht reicht heute noch die Zeit, um nach Mitternacht auf Irene’s Geburtstag anzustossen.

13. Oktober – Day 5: Sossusvlei to Swakopmund (410 km)

Der heutige Tag begann gut und für Irene überraschend. Beim Verladen des Gepäcks stellte sie fest, dass irgendjemand auf jeder Autoseite einen Kleber mit der Aufschrift  October, 13th: Happy birthday Irene angebracht hat (Foto auf Irenes Facebook-Account). Jetzt wurde ihr auch klar, warum ich gestern am späteren Nachmittag noch unbedingt einen erweiterten Parkdienst ohne sie durchführen wollte.
Die Fahrt nach Swapkopmund verlief mehr oder weniger wie geplant, mindestens wir hatten keine Probleme, weder technische noch zwischenmenschliche. Bereits um 15:00 Uhr kamen wir am Zielort an, obwohl wir teilweise fürchterliche Pisten fahren mussten. Da wir mit ‚Luigi‘ am Morgen immer als fünfte starten, bekommen wir tagsüber nicht genau mit, wie es denn anderen so geht. Immer mehr Fahrzeuge bleiben unterwegs wegen technischer Probleme liegen, was beim einen oder anderen Teilnehmenden (extra geschlechtsneutral geschrieben!) für höhere Blutdurchlaufwerte und/oder ungeahnte verbale Höhenflüge sorgen kann. Eigentlich wollten wir heute Abend zu acht auswärts essen gehen und Irene’s Geburtstag feiern. Von diesen 4 Paaren sind erst wir und ein anderes Paar im Ziel. Ein weiteres Paar liegt mit ihrem Jaguar und gebrochener Hinterachse noch rund 300 km vom Ziel entfernt und der Alfa-Romeo Jeep (ja, das gibt es) des vierten Paares kann wegen eines defekten Lenkstocks nur noch Linkskurven fahren und hängt auch noch irgendwo in der Wüste rum. Auch wenn wir auf diesen Pisten kaum Kurven fahren müssen, macht es doch Sinn, die Ausweichseite bei plötzlich querenden Wildtieren frei wählen zu können. Also werden wir das gemeinsame Nachtessen auf einen anderen Tag verschieben.
Bislang ist ‚Luigi‘ von grösseren Problemen verschont geblieben. Vom losgelösten Kühlerschlauch habe ich ja schon geschrieben und da hält alles wieder bestens. Sonst habe ich nur den hinteren Nummernschildhalter reparieren und die Aufhängungen der beiden Huphörner mit Kabelbinder verstärken müssen. Manchmal geht die Fahrertür auf Grund des Gerüttels auf, aber erstens bin ich immer angegurtet und zweitens erachte ich das als untrügliches Zeichen von oben (oder unten), die Geschwindigkeit etwas zu reduzieren. Vom Fahrerischen her ist die Strecke vermeintlich einfach, aber es braucht auf diesen Sandpisten permanente Aufmerksamkeit, um den Wagen bei Tempi bis 120 km/h in der Spur zu halten. Das Fahrwerk von ‚Luigi‘ ist zum Glück sehr gutmütig und die Reaktionen berechenbar. Trotzdem fahren wir bewusst nur auf der zweitletzten Rille, ganz egal, was das für einen Einfluss auf die Zeit haben kann. Der Weg ist das Ziel!

14. Oktober – Day 6: Swakopmund to Etosha National Park (480 km)

Heute war ein reiner Überführungstag angesagt, also war eine 620 km lange Strecke ohne jegliche Sonderprüfungen zurückzulegen. Die ganze Strecke war Autobahn und asphaltiert, aber etwa so ausgebaut wie bei uns die Überlandstrassen zweiter Klasse. Allerdings durfte man dafür mit 120 km/h brettern, was wir auch ausgenutzt haben. Mit einem Schnitt von 108 km/h benötigten wir inklusive Tankstopp weniger als 6 Stunden. Trotz der etwas eintönigen Umgebung und fast durchwegs geraden Strecken kam keine Langweile auf, denn es gab immer wieder Neues zu entdecken. Nebst Tausenden von bis zu 2 Meter hohen Termitenstöcken sahen wir diverse ‚komische‘ Vögel und auch eine Affenfamilie kreuzte die Strasse. Der Verkehr läuft sehr diszipliniert ab, wobei das nicht sehr schwierig ist, denn es hat kaum welchen. Am Morgen fuhren wir an der Küste bei ca. 12 Grad los und jetzt (17:00 Uhr) haben wir gegen 40 Grad am westlichen Rand des Ethosa-Nationalparks. Es geht zwar ein Windchen, aber das wirkt eher wie ein Haartrockner. Auch ‚Luigi‘ kämpft etwas mit der Hitze. Die Motorenkühlung klappt zwar bestens, aber im Teillastbetrieb gibt es mit zunehmender Hitze etwas Schluckauf im Vergaser. Je nachdem, wie wir morgen vorankommen, werde ich am Abend einmal den Luftfilter reinigen, da dieser schon einigen Staub ausfiltern musste.
Morgen fahren wir 120 km auf vorgegebenen Routen aber zeitlich frei durch den Etosha-Nationalpark und können (hoffentlich) viele Tiere in der freien Wildbahn erleben. Irene ist froh, dass ‚Luigi‘ kein Schiebedach hat, den an einem so richtig nassen ‚Schmatz‘ einer von oben kommenden Giraffe hätte sie vermutlich keine Freude.

15. Oktober – Day 7: Driving through to Etosha National Park (190 km)

Schon gestern Abend erhielten wir eine ausführliche Informationsbroschüre über den Etosha-Nationalpark. Sogar die bevorzugten Aufenthaltsorte der einzelnen Tierarten waren aufgeführt. Heute Morgen haben wir uns dann um ca. 07:00 Uhr auf die über 150 km lange Fahrt kreuz und quer durch den Park aufgemacht und haben tatsächlich (fast) alles gesehen, was man uns schmackhaft gemacht hatte. Offenbar haben aber die Tiere den Prospekt noch nicht gelesen, denn sie waren überall, nur nicht an den für sie bestimmten Orten. Manche standen etwas weit entfernt, dafür trafen wir auf eine Giraffe, die keine 5 Meter von der Strasse entfernt genüsslich die kargen Blätter eines Baum abzupfte. ‚Luigi‘ quittierte diese Begegnung mit einem erneuten Schluckauf im Vergaser und nachfolgenden Fehlzündungen (es war seeehr heiss), was der Giraffe aber nichts ausmachte. Sie drehte nur den Kopf, schaute ‚Luigi‘ strafend an und knabberte weiter an den kargen Blätter. Die zu den Grundnahrungsmitteln der Raubtiere gehörenden Spring- und sonstige Böcke waren im Überfluss vorhanden und kreuzten immer wieder unsere Wege. Wir sahen auch riesige Mengen von Zebras, Gnus, Kudus sowie andere Tiere, welche wir auf Anhieb nicht erkannten. An einzelnen Wasserlöchern waren gegen 500 Tiere versammelt. Von den Elefanten haben wir lange Zeit nur die beinahe fussballgrossen Hinterlassenschaften der nächtlichen Strassenüberquerungen gesehen, bis dann plötzlich einer nur 20 Meter entfernt vor uns stand und mit seinen riesigen Ohren wackelte. ‚Luigi‘ verkniff sich jeglichen Aufschluck und wir konnten wunderschöne Fotos schiessen. Alles in allem war dieser Tag ein wundervolles Erlebnis und er wird uns dauerhaft in Erinnerung bleiben!
Jetzt sind wir in der Lodge an einem der Osttore des Parks und freuen uns auf einen weiteren traumhaften Abend. Vorher geht’s aber noch ab in den Pool!

16. Oktober – Day 8: Etosha National Park to Popa Falls (550 km)

Erneut standen über 600 km vor uns, welche wir vollständig auf recht gut gebauten Teerstrassen zurücklegen konnten. ‚Luigi‘ lief wie am Schnürchen gezogen ohne jegliche Probleme, einzig der übliche Vergaser-Schluckauf machte sich bei Zwischenhalten etc. bemerkbar. Die Hitze erreichte erneut 40 Grad im Schatten, was manch andere Fahrende und Autos arg ins Schwitzen brachte. Diverse während der Vortage ausgefallene Teams stiessen heute wieder zu uns, erst 2 Fahrzeuge mussten komplett die Rückreise antreten, darunter ein Ferrari Dino, welcher vor 2 Tagen mit Getriebeschaden ausfiel. Schon tags zuvor hatte es ihm auf den Schüttelpisten die Heckscheibe heraus vibriert, welche nun in Bruckstücken irgendwo in der namibischen Wüste liegt. Es gibt objektiv gesehen wirklich geeignetere Fahrzeug als einen Ferrari Dino. Auch gewisse englische Fahrzeuge haben Probleme mit der Elektrik und der Mechanik und einmal mehr kam mir der Spruch in den Sinn: Gott schütze uns vor Regen und Wind sowie Autos, die aus England sind.  🙂
Je näher wir zum Okavango-River kamen umso grüner wurde die Landschaft und umso mehr war die Landschaft besiedelt. Die letzten beiden Städtchen lagen 200 km auseinander und dazwischen gab es beidseits der Strasse immer wieder Holzhütten mit Strohdach oder dann – wohl in besseren Vierteln – Lehmhütten mit Wellblechdach. Besonders aufgefallen sind uns die vielen Kinder, welche jeweils in Massen und alle in der gleichen Schuluniform aus der Schule strömten. Überall wurde uns zugejubelt und wir kamen mit Zurückwinken kaum mehr nach. Die Frauen waren immer irgendetwas am tun, hauptsächlich trugen sie auf dem Kopf Wasser in Kanistern vermutlich über mehrere Kilometer nach Hause. Männer hat man weniger gesehen und falls man welche gesehen hat, so sassen sie im Schatten der Bäume und unterhielten sich gestikulierend. Und die Männer, welche wir nicht gesehen haben, waren bestimmt am Arbeiten …
Jetzt sind wir in einer kleinen und wunderschönen Lodge direkt am Okavango-River untergebracht. Am Abend ist noch eine Bootsfahrt zu den Poppa-Wasserfällen organisiert. Wenn die Hitze bis dann erträglicher ist, werden wir vermutlich teilnehmen.

17. Oktober – Day 9: Popa Falls to kasane (432 km)

Der heutige Grenzübertritt nach Botswana verlief überraschend speditiv, sowohl bei der Ausreise aus Namibia wie auch bei der Einreise nach Botswana. Auf der namibischen Seite gab es sogar so etwas wie eine Klimaanlage im Zollhäuschen, mindestens surrte so ein Ding an der Decke, was danach aussah. Kühle Luft spürten wir allerdings keine. Vor der Einreise mussten wir mit unseren Schuhen über einen Säureteppich laufen, damit allfällige landespezifische Keime abgetötet wurden. Auch die Autos hätten das tun müssen, dort war aber die entsprechende Anlage gerade im Umbau. Allerdings sah es so aus, als hätte man vor mehr als 10 Jahren damit begonnen. Interessant ist auch, dass bis jetzt niemand vom Zoll auch nur den kleinsten Augenschein ins Innere eines Fahrzeuges geworfen hat. Man posiert zwar gerne vor der Kühlerhaube für ein Foto, aber sonst finden keine Kontrollen statt. Auch die gestellten Fragen sind immer die gleichen (auch bei allen nachfolgenden Polizeikontrollen):
a) Was für ein Fahrzeug ist das? (Meine Antwort: Ein Ford)
b) Ah, und wie alt? (Meine Antwort: 77 Jahre)
c) Aaaa, das ist ja älter als ich! (Meine Antwort: Ja)
d) Und wie viele Zylinder? (Meine Antwort: 8)
e) Ooohh, das habe ich noch nie gesehen (Meine Antwort: Gut möglich)
Meistens ist damit die Kontrolle am Gate abgeschlossen und wir können fahren. Wegen der grossen Hitze und dem Warten im Standgas hat ‚Luigi‘ dann regelmässig einen gröberen Schluckauf, resp. stirbt ab und läuft erst wieder nach längerem Örgelen, da dann wieder ‚kühleres‘ Benzin in den Vergaser geflossen ist. Das irgendwo im Auspuff gesammelte Benzin verbrennt dann mit gröberem Qualm und auch gewisse Fehlzündungen sind zu hören. Das stört aber niemanden von den Einheimischen, auch wenn sie ziemlich stark eingenebelt werden, denn nach ihrem Verständnis müssen alte Autos so tönen und qualmen.
Wir sind jetzt am Chobe-River und fliegen morgen mit kleinen Flugzeugen ins Okavango-Delta, wo wir inkl. der Hin-und Rückreise 3 Tage bleiben. Der Internetanschluss ist häufig schwierig, gut möglich, dass ihr eine Weile nichts von uns hört.

18. Oktober – Day 10: kasane to Okavango Delta – Flight to the Delta

Der Flug ins Okavango-Delta erfolgte in einer 10-plätzigen Cessna, welche von einer jungen Pilotin geflogen wurde. Auf den Co-Piloten Sitz wurde ein etwas älterer Rallye-Teilnehmer gesetzt, damit auch der letzte Platz im Flugzeug kommerziell genutzt werden konnte. Sicherheitshalber hat er in keines der Manöver eingegriffen, sondern knipste seine Fotos aus allen möglichen und unmöglichen Stellungen und Winkeln. Die Sicherheitseinweisungen wurden auf das Nötigste beschränkt, immerhin haben wir erfahren, wo die Feuerlöscher sind und wo im Gepäckraum die Ration Notwasser steht. Alles tönte sehr vertrauenserweckend und so hoben wir kurz darauf problemlos ab und gingen in einen längeren Steigflug über. Das Triebwerk arbeitete wacker und obwohl die Öltemperatur am Maximum des erlaubten und der Öldruck auf dem Minimum des verlangten Bereiches standen (ich sass in der ersten Reihe in der Mitte), erreichten wir die gewünschte Höhe tatsächlich. Mit rund 125 Knoten (ca. 230 km/h) legten wir die rund 240 km lange Strecke zurück und landeten sicher auf einer holprigen Buschlandepiste, wo wir von einem Safari-Geländewagen abgeholt und in eines der drei Camps gebracht wurden.
Auf dem Weg dorthin sahen wir in ca. 20 Meter Entfernung einen Elefanten, welcher sich ausgiebig in einem Schlammbad suhlte sowie eine Herde Zebra, die unseren Weg kreuzte. Im Camp wurden wird sehr herzlich empfangen und sogleich mit den Sicherheitsbestimmungen vertraut gemacht. Wir dürfen uns nur auf den (wenigen) Wiesen und auf den offiziellen Wegen bewegen und auch das nur, wenn es hell ist. Am Abend werden wir nach dem Essen und mutmasslichen Barbesuch von einem Guide in unsere etwa 200 Meter entfernte Zelt-Lodge geführt. Dies weil es derzeit Hyänen, Löwen, Leoparde und Büffel hat, welche sich bis mitten ins Camp wagen. Ob diese Viecher zu diesem Zeitpunkt schon gegessen haben, ist nicht bekannt und auf die entsprechende Frage wurde nur ausweichend geantwortet. Jedenfalls sei noch jeder Tourist nach Hause gekommen (nach dem Motto: Die Flugzeuge kommen auch immer runter). Das ganze Camp umfasst 12 Zelt-Bungalows, welche mit viel Liebe eingerichtet sind und entsprechend gepflegt werden. In der Mitte der Anlage gibt es zwei Gemeinschaftsräume, wo wir unsere Mahlzeiten einnehmen sowie die obligate Bar. Auch ein Pool fehlt nicht. Wir übernachten zwei Mal in diesem Camp und es steht uns ein anforderungsreiches Programm bevor. Heute um halb vier (in ca. 1 Stunde) geht es auf Safari und morgen um 05:30 Uhr werden wir aufstehen und eine weitere Safari geniessen. Dazwischen wird immer wieder gegessen und wenn ich alles richtig verstanden habe, kommt man auch einmal kurz zum Ausruhen.
Es ist wiederum sehr heiss, offenbar auch für afrikanische Verhältnisse. Unsere Zelt-Lodge hat richtigerweise keine Klimaanlage, dafür einen grossen Ventilator, der fast so viel Wind macht wie die Cessna heute morgen. Kühler wird es deswegen nicht und wir können uns nicht erinnern, jemals auf einem so warmen Bett gelegen zu haben. Aber das macht alles nichts, denn die Einbettung mitten im Busch an einer Wasserader sowie die Aussicht auf die Tiere kompensiert die Hitze mehr als genug. Strom gibt es übrigens nur tagsüber. Abends ist Kerzenlicht oder Batteriebeleuchtung angesagt. Telefon-Empfang haben wir keinen und es gibt genau einen Lap-Top, der eine Internet-Verbindung via Richtstrahl aufweist.
Übrigens: Der Okavango-River hat seinen Ursprung in den Bergen von Angola, fliesst dann hierhin und versickert dann komplett in diesem riesigen Delta. Er ist einer der ganz wenigen Flüsse, welche nie das Meer erreichen.

19. Oktober – Day 11: Rest day in the Okavango Delta

Gestern Abend sowie heute früh (sehr früh!) durften wir in geländegängigen Toyota Landcruisers auf Safari gehen und es wurde uns einiges geboten. So hautnah haben wir Elefanten, Zebras, Giraffen, Antiloppen, Flusspferde, Krokodile und viele mehr noch nie erlebt! Aus ca. 50 Meter konnten wir sogar eine trächtige Leopardin auf einem Baum erkennen, die soeben die frisch gefangene Beute – ein Impala – auf den Baum getragen hatte um sie vor den afrikanischen Wildhunden (ähneln den Hyänen) in Sicherheit zu bringen. Gestern haben wir ein ganzes Rudel solcher afrikanischen Wildhunde gesehen, auf welches wir uns bis auf wenige Meter nähern konnten. Heute Morgen sahen wir das gleiche Rudel wieder, nur lagen sie diesmal mit blutverschmierten Gesichtern und Hälsen wohlig im Sand und schienen die vor kurzem gerissene Beute zu verdauen. Dieses Rudel reisst täglich mindestens zwei Antilopen, aber offensichtlich ist das kein Problem, denn mengenmässig sind diese in sehr grosser Zahl vorhanden und vermehren sich – gemäss den Aussagen der Wildhüter – wie Karnickel. Gegen Mittag sahen wir dann eine Gruppe von fünf weiblichen und einem männlichen Elefanten, welche eine Wasserfurt durchquerte und teilweise keine 10 Meter an uns vorbei lief. Das männliche Exemplar, welches sich sehr deutlich zu erkennen gab (nein, die grössern Ohren waren es nicht), ging der Gruppe gewichtigen Schrittes voran und führte diese zielstrebig wieder ins Nahe Unterholz zur weiteren Nahrungsaufnahme. Die Elefanten hinterlassen bei der Nahrungssuche deutlich sichtbare Spuren: Wenn ein wohlriechender Zweig für den Rüssel nicht erreichbar ist, wird kurzerhand der Baum umgkippt oder der ganze Ast abgerissen. Im ganzen Delta kann man diese Spuren deutlich erkennen, aber man sieht auch gut, wie sich die Natur über Generationen immer wieder erholt. Wilderer hat es übrigens in ganz Botswana seit den 80-er Jahren keine mehr. Früher wurden Wilderer mit staatlich inoffiziellem Segen ‚auf der Flucht‘ erschossen oder sie ‚fielen‘ im Kampfe. Das hat sich in den betreffenden Kreisen rumgesprochen …
Wir werden von morgens bis abends mit einer riesigen Herzlichkeit umsorgt. Wir sind 24 Gäste in unserem Camp und inklusive aller Guides arbeiten 20 lokale Angestellte für uns. Alle können gut englisch und wissen enorm viel über Botswana und die Natur mit der ganzen Tierwelt. Für uns Schweizer Kleinstädter ist dieser Ausflug ins Okavango-Delta ein echter Höhepunkt auf unserer Reise. Wir haben hervorragend geschlafen und sind mehr oder weniger mitten in der Tierwelt aufgewacht. Hier ist der Mensch der Gast und es kommt fast so etwas wie Demut auf. Mehr als einmal habe ich mich gefragt, woher der Mensch das Recht nimmt, Wildtiere in einem Zoo einzusperren.
Jetzt aber nehmen wir erst einmal eine Mütze voll Schlaf, bevor wir dann um 16:00 Uhr zur Boots-Safari aufbrechen.

20. Oktober – Day 12: Flight back to kasane

Um 13:30 Uhr sind wir mehr oder weniger pünktlich auf dem Kasane-International-Airport gelandet. Der Flughafen ist ganz neu gebaut und vor kurzem eröffnet worden. Es steht sehr viel Personal herum und scheinen sich gegenseitig die nicht vorhandene Arbeit zuzuschieben. Pro Tag werden gemäss grossflächig angezeigtem Flugplan zwei internationale Flüge abgewickelt (nach Johannesburg und Gambia) sowie einige lokale Kurzflüge ins Okavango-Delta, so wie wir sie genossen haben. Es hat also in der Tat noch einiges Ausbaupotenzial!
Wir sind jetzt wieder im gleichen Hotel wie vor unserem Abflug ins Delta und werden gleich auf eine Bootsfahrt gehen, bevor wir dann den Abend im Restaurant und an der Bar geniessen. Der morgige Tag ist ganz dem Grenzübertritt nach Zimbabwe gewidmet …

21. Oktober – Day 13: kasane to Victoria Falls, Zimbabwe (100 km)

Der Grenzübertritt nach Zimbabwe schien es wirklich in sich zu haben! Zumindest, wenn man alle Geschichten glaubte, welche am Vorabend von offenbar erfahrenen Teilnehmenden zum Besten gegeben wurden. Zählte man alles zusammen, hat vermutlich noch kein Tourist den Grenzübertritt lebend geschafft. Deshalb liessen einige ihr Fahrzeug im letzten Hotel in Botswana stehen und flogen nach Zimbabwe oder liessen sich mit einem Privatbus zum Hotel Victoria Falls bringen.
Wir hielten uns an die Empfehlungen des Organisators und siehe da: Wir hatten schon lange nicht mehr einen so geschmeidigen Grenzübertritt erlebt wie von Botswana nach Zimbabwe. Bei der Ausreise waren die Beamten schneller als wir und auch bei der Einreise haben wir nur wenig warten müssen, dies aber darum, weil einige das Immigration-Formular nicht vollständig ausgefüllt hatten. Es ist für uns vielleicht schon etwas ungewohnt, sich von einer Menge sehr schwarzer Afrikaner (hoffe, der Ausdruck ist mehr oder weniger politisch korrekt) bestaunen zu lassen, aber alle waren sehr nett und wollten alles über die Rallye, die Fahrzeuge und uns wissen. An der Grenze haben wir – wie bei jedem Grenzübertritt – an ‚Luigi‘ die Flagge des nachfolgenden Landes aufgezogen, was von der lokalen Bevölkerung immer sehr geschätzt und gelobt wird.
Gestern Abend haben wir die feste Nahrungsaufnahme ausgelassen und sind in der etwas höher gelegenen Hotel-Bar geblieben. Von weitem sahen wir den häufig vorkommenden Buschbränden zu und konnten das Entstehen eines Gewitters in weiter Ferne beobachten. Während der Nacht kam dann Sturm und Regen auf, welcher das Hotel spürbar durchschüttelte. Leider hat ‚Luigi‘ auch etwas davon abgekriegt, denn ein grosser Ast ist von einem Baum auf dem Parkplatz abgebrochen und ist auf ‚Luigis‘ Motorhaube zu liegen gekommen. Zum Glück ist nur ein kleiner Lackschaden entstanden.
Während der ganzen Fahrt nach Zimbabwe hat es immer wieder getröpfelt und die Aussentemperatur kam nur wenig über 20 Grad zu liegen. Damit war auch ‚Luigis‘ hitzebedingter Schluckauf vollständig verschwunden und wir haben die heutigen 100 km ohne jegliche Probleme zurücklegen können. An einer Tankstelle hat ein Mitarbeiter während des Tankvorganges die Scheiben und die Motorhaube waschen wollen und im Übermut einen Eimer Wasser über ‚Luigis‘ Motorhaube gekippt. Da wir von dem nichts ahnten und die obere Lüftungsklappe offen liessen, war dann auch der Fussboden im Inneren überschwemmt und das auf dem Boden liegende Roadbook hat auch einiges an Feuchtigkeit abbekommen. Inzwischen ist aber alles wieder trocken und der Tankwart hat sein Trinkgeld trotzdem gekriegt.
Wir bleiben jetzt 2 Nächte im Hotel Victoria Falls und geniessen morgen den ersten richtigen Ruhetag ohne irgendwelche organisierte Aktivität. Übermorgen werden wir dann nach Botswana zurückkehren (die einen wieder im Flieger oder Privatbus …) und von dort aus den Rallye-Betrieb wieder aufnehmen.
Gesundheitlich geht es uns sehr gut und trotz der vielen gefahrenen Kilometer und manchmal sehr grossen Hitze fühlen wir uns ausgeruht. Wir haben bis jetzt alle Erlebnisse und Anforderungen gut meistern, resp. verarbeiten können und freuen uns auf die zweite Rallye-Hälfte!

22. Oktober – Day 14: Rest day

Nach dem Frühstück haben wir uns zu Fuss zu den 10 Minuten entfernten Victoria Falls begeben und durften ein eindrückliches Naturschauspiel geniessen. Auch wenn der Wasserstand des Sambesi-Rivers eher tief lag, kann unser Rheinfall da  nicht ganz mithalten. Die permanente Gischt der Fälle liessen auf der gegenüberliegenden Seite einen prächtigen Regenwald gedeihen, aus dessen Bäumen permanent Wasser tropfte, eine Wohltat bei der gegenwärtigen Hitze!
Auf dem Rückweg zum Hotel raschelte und knackte es plötzlich links im Busch und ein laut schnaubender Elefant stand uns in ca. 50 Meter Entfernung im Weg. Inzwischen hat sich Irene so gut an die Tiere gewöhnt, dass dies auch der Elefant bemerkte und von weiteren Einschüchterungsversuchen Abstand nahm. Beleidigt drehte er sich um 180 Grad und lief wackelnden A……s auf dem Weg vor uns weiter bis er dann abdrehte und im Dickicht verschwand.
Jetzt legen wir uns an den Pool und faulenzen. Morgen geht es zurück nach Botswana und dann noch rund 500 km weiter nach Francistown.

23. Oktober – Day 15: Victoria Falls to Francistown (564 km)

Der Grenzübertritt von Zimbabwe nach Botswana verlief erneut erschreckend schnell, aber auch nur, weil ich ‚Luigi‘ kurz vor dem Zoll die Sporen gab und zwei mit Japanern vollgestopfte Busse überholen konnte. Somit hatten wir am Zoll 80 Japaner hinter uns in der Schlange und nicht vor uns. Pro Minute wurde im Durchschnitt eine (1) Person abgefertigt. Rechne!
Die weiteren 500 km drohten etwas eintönig zu werden, bis wir ca. 2 Kilometer nach einem Dorf in eine Polizeikontrolle gerieten. Da wir uns ausserorts wähnten, hatte ich schon wieder auf gegen 100 km/h beschleunigt. Offenbar befanden wir uns aber immer noch innerorts. Der schon etwas ältere und nicht wenig korpulente Polizist war sehr freundlich aber bestimmt und sagte, dass in Wohngegenden tatsächlich nur mit 60 km/h gefahren werden dürfe. Auf meinen Einwand hin, dass da weder Hütten noch Personen seien, meinte er, dass ich im Prinzip schon recht hätte, aber die Gegend sei als Wohngegend vorgesehen, auch wenn noch keiner auch nur eine einzige Hütte hingestellt hätte. Ab soviel botswanischer Polizei-Logik habe ich – auch der Hitze wegen – kapituliert und anerboten, die Busse von 760 Pula (ca 50 Franken zu zahlen). Sichtlich erstaunt, dass ich mit dem Betrag einverstanden war und keine kleinere Busse ohne Quittung verlangte, stieg er in seinen Dienstwagen und begann, die A4-Seiten grosse ‚Anklageschrift‘ zu schreiben. Natürlich in dreifacher Ausfertigung mit Kohlepapier zwischen den einzelnen Exemplaren. Nach ca. 10 Minuten war diese fertig und ich unterschrieb. Weitere 10 Minuten benötigte er für die auszustellende Quittung, auch diese in 3-facher Ausführung. Nach meiner erneuten Unterschrift holte er noch einen Stempel samt Stempelkissen vom Rücksitz und gab dem ganzen die nötige offizielle Note. Mit uns tappte auch einer der lokalen Organisatoren in die Polizei-Falle, da dieser aber zu wenig Bargeld dabei hatte, durfte er umkehren und im Dorf Geld abheben gehen. Selbstverständlich wurden alle nachfolgenden Rallye-Teilnehmer gewarnt und es tappten danach keine weiteren Rallye-Teilnehmer in diese Falle.
Nach dem Mittag gab es nochmals zwei Geschwindigkeitskontrollen und es tappten einige Rallye-Teilnehmer in die Fallen, auch alle diejenigen, die am Mittagstisch ihr beinahe ehrliches Bedauern über unsere morgendliche Busse ausgedrückt haben.
Ca. 50 km nach dem Mittagslunch stieg die Kühlertemperatur von ‚Luigi stetig an, ohne dass es draussen (noch) wärmer geworden wäre. Das liess nichts Gutes erahnen und so war es auch. Bei meiner Kontrolle stellte ich fest, dass die durchgehenden Plastik-Befestigungsschrauben, mit welchen der elektrische Ventilator am Kühler festgemacht war, infolge der vielen vorangegangenen Holperpisten teilweise gebrochen waren. An den verbleibenden beiden Schrauben hing nun so viel Gewicht, dass dieses von den Kühlerlamellen nicht mehr getragen werden konnte und diese Lamellen von den Kühlkanälen wegbrachen. Dies wiederum führte zu einer Undichtigkeit des Kühlers und somit zu schleichendem Wasserverlust. Ich löste den elektrischen Ventilator ganz vom Kühler und befestigte ihn mit Kabelbindern am Kühlergrill. Aus den ganzen und abgebrochenen Befestigungselementen konnte ich eine durch den Kühler gehende Verschraubung konstruieren und so montieren, dass die Gummischeiben das entstandene Loch bestens abdichten konnten. Zum Glück hatten wir genügend volle Wasserflaschen im Kofferraum und eine knappe halbe Stunde später konnten wir weiterfahren und kamen noch rechtzeitig und ohne jegliche Strafpunkte ins Ziel.
Heute Abend feierten wir den dreissigsten Hochzeitstag eines Schweizer Paares und haben weitere interessante und schätzenswerte Rallye-Teilnehmer kennengelernt. Jetzt aber geht’s ins Bett (23:00 Uhr), denn morgen stehen nochmals fast 600 km auf dem Programm. Hoffen wir, dass der Kühler hält!

24. Oktober – Day 16: Francistown to Sun City (599 km)

Der Kühler hat bestens gehalten und auch sonst sind keine Probleme mit ‚Luigi‘ zu verzeichnen. Der Schluckauf im Vergaser ist zwar bei sehr hoher Temperatur weiterhin vorhanden, aber jetzt soll es dann bald kühler werden. Andere Fahrzeuge haben weitaus mehr Probleme: Von den ursprünglich 35 gestarteten Fahrzeugen sind nur noch 29 auf eigener Achse unterwegs, die ausgeschiedenen Teams fahren in Mietwagen mit (die haben dafür Klimaanlage). Heute hat es den in Führung liegenden Bentley erwischt. So auf die Schnelle sah das nach einem Halbwellen-, Getriebe- oder Kupplungsschaden aus und er wurde von einem Mietwagen-Teilnehmer abgeschleppt.
Die Polizei von Botswana hat sich heute nicht mehr blicken lassen. Vermutlich hat sie Dank des gestrigen Tages das Jahressoll an Bussen bereits eingenommen und trat nicht mehr in Erscheinung.  Das erspart den Muskelkater im Arm, weil so auch keine Formulare mehr ausgefüllt werden müssen.
Noch vor dem Mittag haben haben wir die Grenze nach Südafrika überquert, zum Glück war das jetzt der letzte Grenzübertritt! Die Ausreise aus Botswana klappte ausgezeichnet, während die Einreise nach Südafrika wieder einmal eine echte Herausforderung war. Darüber werde ich dann nach der Rallye im ausführlichen Bericht schreiben.
Jetzt sind wir im Hotel Palace in Sun City angekommen, einer riesigen Hotel-Anlage auf höchstem Niveau. Wir haben ein grosses Zimmer mit einem riesigen Bett, auf dem ich jetzt frisch geduscht liege und mit dem Notebook auf dem Bauch diesen Bericht schreibe. Irene wäscht einmal mehr unsere Rallye-Kleider aus und es ist eine Freude zu sehen, wie die Kleider langsam vom sandfarbenen Zustand zur Originalfarbe wechseln und dafür das Wasser die braune Farbe annimmt.
Morgen müssen wir erst um 11:30 Uhr los, da nur 173 km vor uns liegen. Um 05:30 Uhr könnte man noch an einer Safari teilnehmen. Irene und ich belassen es bei der Konjunktiv-Variante und gehen jetzt den Abend geniessen.

25. Oktober – Day 17: Sun City to River Vaal (271 km)

Heute hatten wir einen relativ lockeren Tag, obwohl wir statt der angekündigten 170 km mehr als 270 km zurücklegen mussten, da das Hotel in Misty Hill kurzfristig nicht verfügbar war.
Seite langem fand wieder einmal eine Sonderprüfung statt, welche auf einem abgesperrten Rundkurs abgehalten wurde. Wir schlugen uns ganz ordentlich und ‚Luigi‘ wird jetzt wohl ein paar Gramm Gummi weniger transportieren müssen. Der Bentley, welcher gestern liegen geblieben war, wurde fast 400 km mit einem Tempo um die 100 km/h abgeschleppt und erreichte das Hotel vermutlich noch vor dem Schluss der Zielkontrolle. Während der Nacht wurde die defekte Kupplung ausgebaut und durch eine neue ersetzt, welche das Team in kluger Voraussicht mitgenommen hatte. Jedenfalls waren sie heute wieder pünktlich am Start.
Das Highlight des heutigen Tages war aber die Besichtigung der Toyota-Race Werkstatt, welche am Rande der Formel 1 Strecke (GP Südafrika) lag. Dort wurden nämlich zwei Toyota aufgebaut, welche ab dem 6. Januar an der Rallye Paris-Dakar (findet jetzt in Südamerika statt) teilnehmen werden. Wir durften alles ansehen, fotografieren und es wurde über alles Auskunft gegeben.
Zudem war einer der Fahrer anwesend, welcher diese Rallye schon 15 Mal mitgemacht hat. Gerne wäre ich den ganzen Tag dort geblieben, aber das Rallye-Programm ging unerbittlich weiter.
Dann umfuhren wir den Bereich Pretoria und Johannesburg auf einer 8 spurigen Schnellstrasse, was auf Grund der Hitze, der Verkehrsmenge und der unendlich vielen Lichtsignale sehr mühsam war. Wegen der Hitze hustete sich ‚Luigi‘ von Ampel zu Ampel und wollte gar nicht mehr richtig in Fahrt kommen. An jeder Ampel musste ich den Motor mit dem Handgas auf rund 3000 U./min
halten, damit ich die Fussbremse zum Anhalten nutzen konnte. Wir haben auch versucht, allgemein gültige Verkehrsregeln zu erkennen, was sich als ziemlich hoffnungsloses Unterfangen herausstellte. Die Fahrweise der Südafrikaner ist alles andere als hektisch, nicht wenige Male war die Ampel schon wieder auf rot, bevor sich das erste Fahrzeug bewegt hatte. Wenigstens dieses fuhr dann aber doch noch los und stresste beim Abbiegen den startenden Gegenverkehr. Rund 50 km vor dem Ziel gelangten wir wieder auf normale Schnellstrassen und da es jetzt auch kühler wurde, fuhr ‚Luigi‘ wieder, wie wenn nie etwas gewesen wäre.
Jetzt sind wir im Hotel River Sun, direkt am Fluss Vaal. Für heute Nacht und Morgen sind Regen und kühlere Temperaturen angesagt, was uns mehr als recht ist.

26. Oktober – Day 18: River Vaal to Cathedral Peak (443 km)

Die gestrige Sonderprüfung ist uns tatsächlich nicht schlecht gelungen, denn wir konnten unseren zweiten Patz halten und den Vorsprung gegenüber dem Drittplatzierten auf 3 1/2 Minuten ausbauen. Der Abstand zum in Führung liegenden Bentley beträgt etwas weniger als eine Minute, das lässt sich in Sonderprüfungen kaum mehr aufholen, solange dieser keine Fehler macht. Wenn wir jeden Abend pünktlich ankommen, tagsüber nicht falsch fahren und die Sonderprüfungen mit mässigem Risiko fahren, dann sollten wir diesen zweiten Platz verteidigen können. Aber bekanntlich wird ja erst am Schluss abgerechnet!
Heute ging’s ins Gebirge und wir fuhren durch wunderschöne grüne Hochtäler riesigen Ausmasses und kamen bis auf 2060 Meter hoch. ‚Luigi‘ hatte da schon etwas mehr zu schnaufen, schaffte aber alle Höhen problemlos. Einzig der Schluckauf wollte nicht weniger werden, so dass ich am Zielort den noch heissen Motor bei offener Haube startete und siehe da, das Benzin sprudelte munter aus der an einer Stelle offenen Schwimmerkammer des Vergasers. Offenbar hatte das Schwimmerventil ein ‚Schliess-Problem‘. Zusammen mit dem Mechaniker des Veranstalters und nach Rücksprache mit Marcel Moser von der Fischer Classic Cars GmbH öffneten wir den Vergaser und bogen den Verschlussmechanismus des Schwimmers so um, dass das Ventil bei voller Schwimmerkammer wieder vollständig schliesst. Ob das nun tatsächlich des Rätsels Lösung war, wird sich aber erst morgen beim Fahren zeigen. Bis jetzt sieht es vielversprechend aus.
Heute übernachten wir im Cathedral-Peaks Hotel zuhinterst in einem Bergtal auf 1560 Meter. Die ganze Region gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe und ist sehr beeindruckend anzuschauen. Uns geht es nach wie vor sehr gut, wir sind gesund und auch meine Brandblasen, welche ich mir am rechten Unterarm beim Reparieren des Kühlers zugezogen habe, sind auf dem Weg zur Heilung. Morgen früh geht es schon um 7:00 Uhr los, damit wir früh am Zielort ankommen, weil dort offenbar nochmals eine Safari stattfindet.

27. Oktober – Day 19: Cathedral Peak to Phinda Game Reserve (495 km)

Afrika ist offensichtlich immer wieder für eine Überraschung gut! Von gestern auf heute begann es zu regnen und die Temperatur fiel um mindestens 25 Grad. Da ‚Luigi‘ über keine Heizung verfügt, sassen Irene und ich in den warmen Jacken und mit Wolldecken umwickelt im Auto. Den ganzen Tag hindurch war es bedeckt und es regnete immer wieder. Die beiden Sonderprüfungen fanden statt auf staubigen Sandpisten auf Schlammpisten statt, was zumindest mir sehr viel Spass bereitete (Irene’s Puls hat sich inzwischen auch wieder normalisiert). ‚Luigi‘ hat die Farbe in kürzester Zeit gewechselt und ist jetzt farblich von der Natur kaum mehr zu unterscheiden.
Ansonsten lief alles nach Plan, inklusive die Durchquerung einer Kleinstadt, welche im Roadbook als ‚very busy town‘ beschrieben wurde. Das war wohl die grösste Untertreibung seit der Erfindung des Rades. Wir benötigten mehr als 30 Minuten für ca. 400 Meter Strecke. Alles lief, fuhr und stand durcheinander. Die Lastwagen, welche die Geschäfte an der Strasse beliefern mussten, blieben einfach auf der Fahrbahn stehen und luden die Waren aus. Ein Tanklastwagen, welcher die einzige Tankstelle auf diesem Strassenstück beliefern musste, benötigte mehr als 15 Minuten um überhaupt auf die andere Strassenseite zu gelangen. Zudem war im ganzen Gewühl noch Markt. Alles, was nach irgendetwas aussah, wurde angeboten. ‚Luigi‘ wurde von allen Seiten bestaunt und auch wir gehörten wohl eher zu den Exoten. Obwohl alles friedlich ablief, ist es schon ein etwas spezielles Gefühl, so mitten im Getümmel eingeschlossen zu sein. Wir haben unsere Türen vorsichtshalber abgeschlossen.
60 km vor dem Etappenende wechselten wir nochmals auf schlammige Sandpisten und wurden erneut gehörig durchgeschüttelt. ‚Luigi‘ lief den ganzen Tag einwandfrei und auch der Schluckauf scheint völlig verschwunden. An manchen sehr steilen Steigungen kamen wir nur mit viel Anlauf (und auch Dank der Differenzialsperre) rauf, denn unsere Reifen verfügen für diese Schlammpisten nicht über das optimale Profil.
Jetzt sind wir wieder in einer wunderschönen Lodge inmitten einem privaten Nationalpark. Auf dem Weg dahin kreuzten mehr als 10 Giraffen unseren Weg, erneut ein eindrückliches Erlebnis. Vor der Lodge wollte ich den Koffer aus dem Kofferraum nehmen, leider liess sich dieser erstmals nicht öffnen. Irgendwie hat es wohl den Schliessmechanimus ‚verschüttelt‘. Alles gute Zureden wie auch das mehrfache Drücken/Schütteln des Kofferraumdeckels nützte nichts. Schon drohte ich mit ‚Aufbrechen‘ und siehe da, plötzlich sprang der Deckel auf. Ob ‚Luigi‘ meine Worte mitbekommen hat?
Morgen haben wir einen Erholungstag und ich werde die Zeit nutzen, diverse Kontrollarbeiten an ‚Luigi‘ vorzunehmen und auch um auszuspannen. Die Teilnahme an der frühmorgendlichen Safari werden wir den anderen überlassen …

28. Oktober – Day 20: Rest day

Die morgendliche Safari-Tour haben wir (und andere) bewusst und erfolgreich verschlafen und kamen erst um 09:00 Uhr zum Frühstück, welches umso ausgiebiger ausfiel. Der Himmel ist immer noch bedeckt und es ist kaum 20 Grad warm, aber dafür regnet es nicht mehr. Morgen soll es wieder schön und warm werden. Danach ging ich zum Sandparkplatz, um nach ‚Luigi‘ zu schauen. Nach dem Aufbocken der Hinterachse konnte ich erkennen, dass vermutlich ein aufgewirbelter Stein das mit der Kardanwelle  mitrotierende Metallplättchen derart verbogen hatte, dass dieses den am Differenzial angebrachten Impulsnehmer des Trip-Masters teilweise abgeschert hatte. Einen passenden Ersatz hatte ich weder dabei noch konnte einer aufgetrieben werden. So fahren wir jetzt ohne funktionierenden Trip-Master weiter und richten uns nach dem Sonnenstand. Bei bedecktem Himmel haben wir ja noch unser Spezial-Navigationssystem, auf welchem die ganze Route in Form von Wegpunkten gespeichert ist. Es besteht also durchaus die Chance, dass wir auch in den folgenden Tagen den richtigen Weg finden. Falls nicht, fahren wir nach Gefühl und werden spätestens auf Weihnachten zu Hause sein.  🙂
Den Grund für das gestern erwähnte Kofferraum-Problem habe ich ebenfalls gefunden, aber den Schaden nur provisorisch beheben können. Der am Kofferraumboden montierte Haken, in welchen das Schloss einschnappt, ist mitsamt dem Trägerblech teilweise abgebrochen und gibt den Schliessmechanismus nicht mehr richtig frei. Eigentlich könnte man das Trägerblech wieder anschweissen, aber dann würde es auf diesen Schüttelpisten bald an einem anderen Ort brechen. Ich habe den Schliessmechanismus jetzt inaktiviert und halte den Kofferraumdeckel mit einer Spannsetgurte geschlossen. Damit kann ich auch den Deckel fester schliessen, so dass die Dichtung besser anliegt und vielleicht etwas weniger Staub in den Kofferraum eindringt. Ansonsten haben wir keine technischen Probleme, ‚Luigi‘ läuft bestens und wird jetzt zudem noch gewaschen.
Inzwischen sind nur noch 28 von 35 Fahrzeugen auf eigener Achse unterwegs. Die teilweise sehr schlechten Strassen und auch übersehene ‚Speed-Bumps‘ haben einigen Fahrzeugen ziemlich zugesetzt.
Jetzt sitzen/liegen wir in unserer Lodge und lesen/schreiben. Um 16:00 Uhr gibt es Nachmittagstee und anschliessend gehen wir wieder auf eine Safari, welche bis zum Abendessen dauert. Morgen müssen wir erst um ca. 11:00 Uhr losfahren, also können wir nochmals ausschlafen (oder nochmals auf Safari gehen).

29. Oktober – Day 21: Phinda Game Reserve to Umhlanga (281 km)

Tatsächlich hat uns heute wieder die Sonne angelacht und es wurde deutlich wärmer. Um 11:30 Uhr verliessen wir unsere wunderschöne Lodge im Phinda-Nationalpark, wo wir die letzten zwei Nächte verbracht hatten. Einmal mehr hatten wir schöne und eindrückliche Tierbegegnungen erleben dürfen und auch kulinarisch kamen wir nicht zu kurz. Auffallend war vor allem die absolute Ruhe im Nationalpark: Keinerlei Zivilisationsgeräusche, nur manchmal vereinzelte Tierstimmen. Irene und ich haben zweimal wunderbar geschlafen, während andere mitten in der Nacht durch Paviane geweckt wurden, welche auf dem Lodge-Dach irgendwelche Revierkämpfe austrugen.
Die Fahrt über rund 310 km verlief recht ‚bewegt‘, denn je näher wir an die Ostküste kamen, umso mehr frischte der Wind bis hin zu einzelnen Sturmböen auf. Da ‚Luigis‘ Form doch etwas gar weit weg vom stromlinienförmigen Ideal ist, wurden wir immer wieder kräftig durchgeschüttelt und auch auf den geraden Strecken war viel Lenkarbeit angesagt.
Leider wurde die einzige Sonderprüfung wegen zu hohem Verkehrsaufkommen abgesagt, was wir aber durchaus verschmerzen konnten, denn auf der letzten Sonderprüfung vor zwei Tagen haben wir die Tagesbestzeit in der Kategorie der Vorkriegsfahrzeuge aufgestellt und das hat uns natürlich gefreut. Auf den schwammig lehmigen Pisten kamen wir gut voran und wären auch in der Kategorie der Nachkriegsfahrzeuge im vordern Drittel rangiert gewesen. Vielleicht hängt das damit zusammen, dass ‚Luigi‘ auf diesem Terrain gar nie ruhig in der Spur zu halten ist und ich permanent irgendwie am Lenken bin. So kommt gar nie Ruhe beim Fahren auf und man bleibt über die 5 bis 6 km immer konzentriert. Auch Irene ist inzwischen voll im Rallye-Modus angekommen: Sie muss neben der richtigen Routenwahl auch den Gegenverkehr möglichst weit voraus im Visier haben und mir alle entgegenkommenden Fahrzeuge inklusive mutmasslichem Abstand melden. Um ein zu schnelles Tempo auf einer Sonderprüfung zu verhindern, hat der Organisator immer wieder verschiedene englische Nummernschilder am Strassenrand aufgestellt. Diese gilt es zu erkennen und die Nummer muss auf das Zeitblatt übertragen werden, was nur mit kurzfristigem Anhalten möglich ist. Den Rückstand auf den in Führung liegenden Bentley konnten wir trotzdem nur geringfügig verkleinern, hingegen den Abstand auf den Drittplatzierten von 3 1/2 auf über 5 Minuten vergrössern.
Jetzt sind wir im Hotel Oyster-Box in der Nähe von Durban und haben ein Zimmer mit Meeressicht bekommen. Morgen ist der letzte Ruhetag, bevor es dann am Montag auf die letzten sechs Etappen zum Cap der Guten Hoffnung und dann nach Kapstadt zurückgeht.
Übrigens: Wir haben den Weg ohne Trip-Master gut gefunden. Vermutlich werden wir deutlich vor Weihnachten zurückkehren!

30. Oktober – Day 22: Rest day

Den gestrigen Abend liessen wir an der Bar ausklingen, allerdings waren kaum Gespräche mit anderen männlichen Teilnehmern möglich, da alle das Formel 1 Rennen (Mexiko) schauen wollten. Aber Irene und ich können uns auch zu zweit gut unterhalten und so haben wir die verschiedensten Eindrücke der letzten Tage Revue passieren lassen. Die nächsten sechs Etappen bis zum Ziel führen uns, abgesehen von ein paar Abstechern ins Landesinnere, mehrheitlich an der Ostküste entlang. Morgen fahren wir nochmals einen Rundkurs auf abgesperrter Strecke und die restlichen Sonderprüfungen werden wohl irgendwo im sandigen Niemandsland stattfinden.
Den heutigen Tag haben wir bei schönstem Wetter und angenehmen Temperaturen am Pool verbracht. Der Wind hat über Nacht stark nachgelassen, frischt jetzt aber kontinuierlich auf. Die Wellen des indischen Ozeans haben bereits wieder Höhen erreicht, welche ein Baden in der Brandung zu einem Risiko machen. Unser Hotel bietet alles, was das Herz begehrt, das Personal ist sehr freundlich und aufmerksam. Im Gegensatz zu anderen Orten sind die Nachwirkungen der Apartheid-Politik nicht offen spürbar und man gibt sich allseitig viel Mühe, ein harmonisches Miteinander zu leben. Nach wie vor ist es aber so, dass (fast) alle wichtigen Positionen von Weissen besetzt sind, was nicht zuletzt auch mit den sehr unterschiedlichen Bildungsmöglichkeiten zu tun hat.
Wir haben bis jetzt sehr viel erlebt, sind aber weit davon entfernt, Afrika zu ‚kennen‘. Klar ist jedoch für uns, dass der Tourismus eine wichtige Einkommensquelle für die von uns bereisten Länder ist. Dadurch entstehen Arbeitsplätze in Regionen, wo kein grosser Handel und keine Industrie vorhanden sind und ermöglicht einigen Einheimischen wenigstens ein minimales halbwegs konstantes Einkommen zu erzielen, mit welchem sie dann ihre ganze Sippe unterhalten. In vielen Bereichen, vor allem in staatlichen Betrieben, ist jedoch noch sehr viel Optimierungspotenzial vorhanden, vor allem auch bezüglich der Arbeitsmentalität.
Ein weiteres grosses Problem in den Ländern Südafrikas ist der hohe Anteil der HIV-Infizierten von teilweise mehr als 25%. In gewissen Gegenden von Botswana fehlt in manchen Dörfern eine ganze Elterngeneration und die Kinder wachsen bei den Grosseltern auf. Es wurde viel unternommen, die Epidemie einzudämmen. An vielen Primarschulen steht an den Aussenwänden geschrieben: Lasst uns HIV gemeinsam bekämpfen! An jedem Grenzposten hat es gut sichtbar aufgestellte Kondomautomaten, an welchen man sich gratis bedienen kann (allerdings waren diese ausnahmslos alle leer). Auch wenn in den letzten Jahren die Ansteckungsrate deutlich gesunken ist, bleibt auch hier noch vieles zu tun.
Wir geniessen jetzt die letzten Sonnenstrahlen und werden heute Abend individuell essen gehen, denn an den Ruhetagen findet jeweils kein organisiertes Essen statt. Morgen geht dann der Rallye-Betrieb wieder los!
Nachtrag um 16.00: Auch früher habe ich in Hotels schon ‚Affen‘ angetroffen. Aber dass jetzt ein richtiger Pavian neben unserer Zimmertüre auf dem offenen Gang zum Innenhof sass und sich nur widerwillig vertreiben liess, war auch für mich neu. Irene war kurze Zeit ’not amused‘ …

31. Oktober – Day 23: Umhlanga to Port St. Johns (451 km)

Die heutige Etappe führte uns von der Küste wieder ins Landesinnere auf ein Hochplateau von ca. 1100 Meter ü. Meer und wieder zurück an die Küste, wo wir in einer grossangelegten Lodge an einer Flussmündung übernachten. Unser Bungalow liegt zwar 320 Meter von der Réception entfernt, dafür haben wir einen wunderschönen Blick aufs Meer. Die Temperatur ist jetzt wieder auf beinahe angenehmen 30 Grad, während sie im Landesinnern auf 38 Grad stieg. ‚Luigi‘ bekam wieder etwas Schluckauf, aber bei weitem nicht mehr so intensiv wie vor der Vergaser-Reparatur, im Prinzip war es nur ein einmaliges ‚Husten‘ nach einem Tankstellenstopp.
Die Sonderprüfung war diesmal auf einem etwas längeren Rundkurs, so dass man Gas hätte geben können. Aus Sicherheitsgründen wurden jedoch Pylonen und künstliche Hindernisse eingebaut, welche korrekt zu umfahren waren. Auch ein Code musste unterwegs abgelesen und ins Zeitblatt übertragen werden. Gefühlsmässig ist es gut gelaufen, aber ob wir irgendwo Strafpunkte wegen ‚falschem‘ Fahren eingesammelt haben, wissen wir erst nach dem Verteilen der Rangliste.
Heute Abend wird in unserer Truppe Halloween gefeiert. Die Amerikaner und Engländer sind ganz verrückt danach, wir Schweizer werden wohl eher die uns angeborene Zurückhaltung geltend machen (aber wer weiss …).

1. November – Day 24: Port St. Johns to Cradock (461 km)

Gestern und heute fuhren wir gute Sonderprüfungen. Wir waren zwei Mal die Tagesschnellsten in unserer Kategorie, aber vor allem: Wir haben uns nicht verfahren und alle Aufgaben richtig gelöst. Es trennen uns nur noch 9 Sekunden vom Ersten (der mit dem Bentley). Aber abgerechnet wird bekanntlich erst am Schluss!
Heute war eine schwierige Etappe, nicht nur wegen der Hitze. Nach der Ankunft im Hotel gab es ausgiebig Apéro und dann ging es nahtlos zur Car-Park-Party über. Uhhh …

2. November – Day 25: Cradock to Plettenberg Bay (532 km)

Heute Morgen wurden die Ranglisten der gestrigen zwei Tage ausgehängt. Das Klassement wurde in allen Kategorien gehörig durcheinander geschüttelt. Einige mit latent schwerem Gasfuss sahen sich plötzlich um bis zu 10 und mehr Plätze zurückversetzt. Die Sonderprüfungen, insbesondere auf den Rundstrecken, verlangen jetzt immer mehr Konzentration und Köpfchen ab. In unserem Roadbook sind die Pläne dieser Rundstrecken alle massstäblich abgebildet, inklusive der zu umfahrenden Pylonen. Man muss jeweils zwei Runden fahren und so liegt es in der Natur der Sache, dass man den Ausgang aus dem Rundkurs erst nach Ende der zweiten Runde ansteuert und nicht schon nach der Ersten. Das ist aber tatsächlich nicht allen gelungen und andere haben die sorgfältig aufgestellten Pylonen mit Nichtbeachtung bestraft und sind an denen vorbeigeprescht, was natürlich zu weiteren Strafpunkten führte. Wieder andere haben eine Sonderprüfung gar nicht gefunden. Auch ’normale‘ Zeitkontrollen wurden nicht angefahren oder dann wurde nicht verstanden, um welche Zeit man den Stempel holen musste. Dabei ist alles sehr gut beschrieben, man muss sich einfach die Zeit nehmen, um alles zu lesen. Andererseits machen sich jetzt auch erste Müdigkeitserscheinungen bemerkbar, nicht umsonst gehört diese Rallye zur Sorte ‚Endurance‘.
Uns sind die letzten zwei Tage gut gelungen und wir lagen heute Morgen mit 21 Sekunden Vorsprung auf Platz 1 in der Kategorie der Vorkriegsfahrzeuge. Erstmals hat nun der schon früher erwähnte Bentley-Fahrer (der mit der Startnummer 1, es hat noch andere sehr nette Bentley-Fahrer) Kontakt mit uns aufgenommen und einen kaum verständlichen, eventuell anerkennenden Spruch gemacht. Dieses Paar nimmt die Rallye seeehr ernst, hat so gut wie mit niemandem Kontakt, will immer zuvorderst sein, fährt auch im normalen Verkehr risikoreich und heute Morgen ist er abgefahren, bevor seine Beifahrerin richtig im Auto sass und die Türe geschlossen hatte. Nun ja, es gibt solche und andere.
Die heutige Sonderprüfung führte 11 km den Berg hoch, alles auf steinigen und sandigen, aber gut fahrbaren Pisten. Am Start wurde uns ein Zettel in die Hand gedrückt, dessen Empfang wir schriftlich bestätigen mussten. Darauf stand, dass wir vier Codes erkenen und abschreiben mussten sowie am Schluss noch ‚Head lamps on‘. Wir nahmen alles zur Kenntnis, zündeten das Abblendlicht an und preschten nach dem Startsignal los. Wir heizten mit ‚Luigi‘ den Berg hinauf, im wahrsten Sinne des Wortes, die Kühlwassertemperatur näherte sich gegen Ende bedrohlich der 100 Grad Marke. Alle vier Codes fanden wir auf Anhieb und verloren auch beim Ablesen nur wenig Zeit. Unterwegs stand Gerard Brown, der offizielle Rallye-Fotograf, am Wegrand und knipste, was das Zeug hielt (wir versuchen jeweils, zu diesem Zeitpunkt zu lächeln). Unterwegs sahen wir ein weiteres Fahrzeug der Organisation am Wegrand stehen, allerdings konnten wir niemanden draussen erkennen. Vermutlich sass die Besatzung im Auto und hat kontrolliert, wer das Abblendlicht anhatte und wer nicht. Darum wussten wir wohl zu Beginn der Sonderprüfung den Empfang des Anweisungsblattes bestätigen! Die ganze Strecke bewältigten wir in 10 Minuten und 10 Sekunden, was einem Durchschnitt von ca. 65 km/h entspricht. Später erfuhren wir von besagtem Bentley-Fahrer, dass er die exakt gleiche Zeit hatte, aber ob er das Abblendlicht auch eingeschaltet hatte?
Jetzt sind wir schon in Plettenbay angekommen und sitzen in einem sehr schönen Hotel direkt am Meer. Es liegen noch drei Etappen und zwei Sonderprüfungen vor uns. Vor allem die morgige Etappe wird nochmals mehr als 500 km lang sein und so werden wir heute wohl nicht allzu spät ins Bett gehen.

3. November – Day 26: Plettenberg Bay to Hermanus (525 km)

Schon um 22:00 Uhr haben wir fleissig am Kopfkissen gehorcht und deshalb auch den Niedergang diverser Gewitter verpasst. Auch rund 150 km weiter entfernt muss es ziemlich gewütet haben, denn die Sonderprüfung fiel wegen unpassierbarer Strasse aus. So fuhren wir alles auf Teerstrassen und sind jetzt in Hermanus angekommen, wo wir im Golf-Hotel Arabella Sheraton übernachten. Unterwegs hat es auf den höher gelegenen Strassen wiederum orkanartig gestürmt und einmal mehr hatte ich buchstäblich alle Hände voll zu tun, ‚Luigi im Zaum, resp. auf der Strasse zu halten. Aber ansonsten lief alles nach Plan und wir haben alle Passage- und Time-Controls gefunden.
Gestern wurde keine Rangliste verteilt, so wissen wir nicht mit Sicherheit, wo wir rangmässig stehen und wie viel der Vorsprung/Rückstand beträgt. Die Rennleitung scheint ob der diversen Einsprachen etwas überfordert zu sein und muss wohl einen Kompromiss finden zwischen der konsequenten Regelauslegung und dem Wohlbefinden der zahlenden Rallye-Teilnehmer. Leider hat es darunter mindestens einen, der die ganze Gruppe verrückt macht. Er kommt aus Italien und hat schon die Rallye Peking-Paris 2013 bestritten (@Röbi: Wie gaben ihm den Übernamen ‚Berlusconi‘). Dieser will unbedingt in der Kategorie der Nachkriegsfahrzeuge gewinnen und nimmt als Einziger vor jedem Rundkurs alles Ersatzmaterial sowie die Reserveräder aus dem Auto. Dann wartet er bis zum Schluss, studiert die Fahrweise aller anderen und löchert diese nach absolviertem Rennlauf mit allen möglichen Fragen. Am Schluss geht er dann mit seinem Lancia auf die Strecke und konnte jetzt tatsächlich die Führung übernehmen, allerdings nur, weil der vor ihm liegende Schweizer Porsche einen happigen Fahrfehler gemacht hatte. ‚Berlusconi‘ freute sich derart über seine Führung, dass er vergass, an der 300 Meter entfernten Time-Control den Stempel zu holen, was ihm 30 Strafminuten einbrachte (für ein Gruppenfoto neben der Time-Control hat der Verstand aber noch gereicht). Nach dem Bekanntwerden der Resultate am anderen Morgen begann er zu toben, drohte mit Abreise, füllte ein Beschwerdeformular aus und faselte irgendetwas von ‚Nichteinhalten internationaler Rallye-Bestimmungen‘. Zum Glück mussten Irene und ich schon früh losfahren, so dass wir gar nicht alles mitbekommen mussten. Es sind wirklich nur wenige Teilnehmer, die nicht zu ihren Fehlern stehen können, aber bei einigen treibt der Ehrgeiz schon spezielle Blüten.
Wir werden die morgige (kurze) Etappe genau gleich angehen wie alle vorhergehenden. Auf der letzten Sonderprüfung werden wir ‚Luigi‘ bis und mit der zweitletzten Rille beanspruchen und konzentriert versuchen, den richtigen Weg zu finden und allfällige Codes richtig abzuschreiben.

4. November – Day 27: Hermanus to Franschoek (164 km)

Heute fuhren wir erst um 09:34 los, denn es stand nur eine kurze Etappe bevor. Die angekündigte Sonderprüfung fand wie geplant statt und wir gaben mit ‚Luigi‘ nochmals alles. Wir wussten zwar seit heute Morgen, dass wir nach wie vor auf Platz 1 liegen, hatten aber keine Gewissheit, wie gross unser Vorsprung war. Also ging es mit voller Konzentration auf die etwas mehr als 6 km lange Strecke. Es waren unterwegs vier siebenstellige Codes abzulesen und wir haben dafür eine eigene Technik entwickelt: Ich las die ersten vier Buchstaben laut und schnell vor, Irene schrieb diese nieder und während ich mir die letzten drei Buchstaben merkte, konnte ich bereits wieder losfahren und diese letzten Buchstaben während der Weiterfahrt an Irene durchgeben. Wir blieben so kaum eine Sekunde lang stehen, während andere offenbar drei bis vier Sekunden benötigten, um den Code abzuschreiben. Bei vier solchen Codes kam da für die einen schon etwas Wartezeit zusammen. Natürlich habe ich aus ‚Luigi‘ auch das hinterste PS herausgekitzelt, aber wir gingen keine grösseren Risiken ein als auf allen vorangegangenen Sonderprüfungen (ok, vielleicht ein ganz klein wenig).
Das Etappenende war in Franschhoek bei einem Automuseum, welches wir besichtigen durften. In vier Hallen waren mehr als 100 Oldtimer untergebracht und der private und sehr wohlhabende Besitzer hat offenbar noch weitere 300 Fahrzeuge in nicht öffentlich zugänglichen Hallen eingelagert. Es war einfach eine Augenweide, zumindest für die hartgesottenen Oldtimerfreunde!
Aus inoffizieller, aber sehr gut unterrichteter Quelle haben wir erfahren, dass wir dem schon mehrfach erwähnten Bentley-Fahrer auf der heutigen Sonderprüfung weitere sieben Sekunden abgeknöpft haben. Das muss dieser auch bemerkt haben, denn er grüsst uns nur noch ganz knapp und braucht fast eine Trägergurte, damit seine Mundwinkel wenigstens in der Waagrechte bleiben. Aber es ist noch nichts gewonnen, auch wenn es morgen nur noch eine Überführungsetappe ohne Sonderprüfung ans Cap der Guten Hoffnung gibt.
Nach dem Hotelbezug fuhren wir mit einem Shuttle-Transport zurück ins 3 km entfernte Franschhoek. Dieses Städtchen wird hauptsächlich von Weissen bewohnt, ist sehr sauber und wirklich schön anzuschauen. Wir schlenderten durch die Gassen, kauften dieses oder jenes ein, bevor wir dann um 16:00 Uhr zum Hotelparkplatz zurückkehrten. Dort liefen wir ‚dummerweise‘ den Mechanikern der Rallye-Organisation in die Finger, welche beim Aufräumen ihrer Fahrzeuge noch einigen Wein in den eingebauten Kühlboxen vorfanden. Wie es sich für anständig erzogene Schweizer gehört, halfen wir bei diesen ‚Aufräumarbeiten‘ tatkräftig mit und liegen nun bester Laune auf den Betten in unserem Hotelzimmer und bereiten uns auf den nächsten Apéro vor. Es ist halt schon so: ‚Endurance‘ kann ganz verschieden interpretiert werden!

5. November – Day 28: Franschoek to Cape Town (193 km) – Price giving Diner

Gestern Abend wurde es noch ganz lustig, man spürte, dass mit der letzten Sonderprüfung bei allen viel Druck abgefallen war. Die heutige Etappe direkt ans Cap der guten Hoffnung war nur noch Formsache, denn es gab keinerlei Aufgaben mehr zu lösen. ‚Luigi‘ tuckerte auf der kurvenreichen Küstenstrasse friedlich vor sich hin, hatte Dank der kühlen Temperaturen auch keinen Schluckauf und ziemlich genau um 12:30 Uhr senkte sich die schwarz-weiss karrierte Zielflagge über der Motorhaube. Nach einem Fototermin ging’s zum Apéro (endlich einmal alkoholfrei 😀 ) direkt am Meer und das bei schönstem Wetter und moderatem Wind. Alle waren froh, gesund und munter angekommen zu sein, auch wenn von 35 gestarteten Wagen nur 27 auf eigener Achse ankamen.
Wie einige von euch bereits aus den Medien vernommen haben, hat sich am 5. Rallye-Tag (13. Oktober, Irene’s Geburtstag) auf einer Sonderprüfung ein tödlicher Selbstunfall ereignet. Irene und ich waren als erste der Rallye-Teilnehmer am Unfallort, haben entsprechend Hilfe geleistet und unsere Rallye-Ärztin innert kürzester Zeit an den Unfallort organisieren können. Trotz aller Hilfe verstarb der Fahrer am Unfallort, während seine Beifahrerin mit ein paar kleinen Schnittwunden davon kam (Irene und ich haben diese Informationen in unserem Blog bewusst zurückgehalten). Dieser Unfall hat dann den ganzen Rallye-Betrieb in verschiedener Hinsicht durcheinander gebracht und so war die heutige Zielankunft entsprechend emotional und es wurde nach dem Gruppenfoto eine Gedenkminute abgehalten. Viele kannten den Verstorbenen, der fast sein ganzes Leben dem Rallye-Sport gewidmet hatte, persönlich.
Wir sind jetzt wieder im Hotel One and Only in Capetown angekommen, haben unsere Koffer umgepackt und ‚Luigi‘ aus- und aufgeräumt. Heute Abend findet das Gala-Diner und die Preisverteilung statt. Gemäss den schon gestern erwähnten inoffiziellen, aber sehr gut unterrichteten Quellen dürfen wir davon ausgehen, dass wir mindestens ein Mal auf die Bühne gerufen werden …

6. November – Day 29: Fahrzeugabgabe und Rückreise

Gestern um 19:30 Uhr begann das Gala-Diner mit der Preisverteilung und wir erhielten tatsächlich zweimal einen ersten Preis. Einerseits für die Bestzeit in der Summe aller Sonderprüfungen und andererseits für die Bestzeit ‚Over all‘, welche zusätzlich alle Passage- und Time-Controls beinhaltet. Wir siegten mit 28 Sekunden Vorsprung auf den schon mehrfach erwähnten Bentley-Fahrer und mit mehr als 21 Minuten auf den Drittplatzierten. Das natürlich alles in der Kategorie der Vorkriegsfahrzeuge, da ‚Luigi‘ ja den Jahrgang 1940 aufweist. Wir haben Freude!
Heute werden wir ‚Luigi‘ noch ins Zollfreilager bringen und bereits um 12.00 Uhr werden wir zum Flughafen gebracht. Via Johannesburg fliegen wir zurück in die Schweiz, wo wir morgen früh landen werden.
(PS: ‚Berlusconi‘ hat übrigens in seiner Kategorie nicht gewonnen und ist auch nicht vorzeitig abgereist …)

7. November – Day 30: Ankunft in Kloten um 06:10 Uhr

Geschafft! Wir sind gesund und munter in Kloten angekommen! Herzlichen Dank an Jacques, Margrit, Michela und Fabrizio für den Empfang am Flughafen. Und herzlichen Dank für die Bratwürste und Spaghetti  🙂

 

12 Kommentare

  • Scottfew

    Freitag, 17. November 2017, 11.25 Uhr

    Hello. http://jakshgy773733.us

  • Coci

    Montag, 06. November 2017, 12.27 Uhr

    Herzlichi Gratulation zu Eunä Pokäl und danke für diä immer spannende Bricht!
    Ganz e gueti Heireis!

  • regina

    Sonntag, 05. November 2017, 22.13 Uhr

    liebi iréne
    liebä mäni
    mir sind glücklich oi dörfe gsund am ziel zwüsse.a vielne intressante informatione mitteilige halbi romän häsch du üs immer wieder teilnä la……liebä mäni……DANKE.
    en kurzwilige rückflug und bis bald…

  • regina

    Sonntag, 05. November 2017, 11.30 Uhr

    hopp luigi gib alllles……..:)

  • Beat

    Sonntag, 29. Oktober 2017, 14.55 Uhr

    Ich staune immer wieder über Mäni’s Talent, auch die fiesesten Beschädigungen und Hindernisse zu überwinden! Ich wünsche Euch weiterhin viel Erfolg und auch wenn ich selber Besitzer eines noch nicht ganz soo alten Bentley’s bin, den Führenden packt ihr schon noch!

  • regina

    Sonntag, 29. Oktober 2017, 01.11 Uhr

    dur dini intressante bricht isch me wie au es bizli debi……aber a wiehnachte sinder den spötestens dihai

  • Thomas Naef

    Donnerstag, 26. Oktober 2017, 13.43 Uhr

    Liest sich sehr spannend und unterhaltsam. Bin aber froh, dass ich das aus der sicheren Warte eines schweizerischen Sofas geniessen darf! Weiterin gute Fahrt.

  • Ruth

    Samstag, 21. Oktober 2017, 15.07 Uhr

    Es macht Freude die spannende Reise in deinen Berichten zu verfolgen, danke. Macht weiter so….
    Herzliche Grüsse Ruth

  • Beat

    Samstag, 14. Oktober 2017, 16.40 Uhr

    Ich denke heute an Euch, denn diese Gegend habe ich ja auch erlebt (25. Okt. – 3. Nov. 2006 mit Niggi in Kansimba-Lodge, Rag-Rock-Lodge, Vingerklip-Lodge, Otjwariôngo und dann auf Olukambo). Vielleicht fährt Ihr ja auch dort durch? Weiterhin viel Spass und Glück! Beat

  • regina

    Montag, 09. Oktober 2017, 20.24 Uhr

    …..zum glück isch das fahrwerk us de vorkriegszyt ……so muesch zwungenermase echli slower fahre.
    en gruess a „giräffli“vom 11i.
    baci a oi zwei…….

  • Susanne und Henning Rocke

    Sonntag, 08. Oktober 2017, 23.57 Uhr

    Unsere guten Gedanken für einen glücklichen Verlauf und eine gesunde Heimkehr begleiten Euch.Aber auch wunderschöne und einzigartig, bleibende Eindrücke wünschen wir Euch.
    Herzliche Grüßen
    Henning und Susanne

  • beppi

    Samstag, 07. Oktober 2017, 08.41 Uhr

    Sali zämä

    Wünsche euch einen guten Start und viel Spass.

    Grüsse aus der Zentralschweiz

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