2017

23. Korsika Rallye – 14. bis 23. Mai 2017

Korsika ist das Land, wo es Blutrache gibt, die Siesta, politische Intrigen, aromatischen Käse, wilde Schweine, Esskastanien und alterslose Greise, die einfach nur zuschauen (…), wie die Zeit vergeht. Korsika ist aber noch mehr. Es gehört zu den bevorzugten Fleckchen Erde, die Eigenart, ja sogar Persönlichkeit besitzen, denen weder die Zeit noch die Menschen etwas anhaben können. Korsika ist eine der bezauberndsten Gegenden der Welt und trägt zu Recht den Namen ‚Insel der Schönheit‘. Albert Uderzo in ‚Asterix auf Korsika‘.

Völlig klar, dass ich da wieder hingehe. Wenn alles klappt, dann mit ‚Luigi‘, einem Ford Coupé 1940. Sozusagen als Probelauf für die im Herbst stattfindende Classic Safari Challenge.

Ford Coupé 1940

Ford Coupé 1940

Start in Bastia

Am 14. Mai trafen wir uns gegen Abend am Hafen in Savona und konnten kurz darauf einschiffen. Die Überfahrt verlief – abgesehen von einem vermutlich seekranken bellenden Hund – ruhig, so dass wir am anderen Morgen in Bastia ausgeruht zur ersten Etappe starten konnten. ‚Luigi‘ lief trotz Vollbeladung ausgezeichnet und bewältigte alle Bergstrecken problemlos. Das leicht verstärkte und etwas optimierte Fahrwerk hielt die vier dafür vorgesehenen Räder gut in der Spur, lediglich bei schnell gefahrenen Kurven setzte ein gutmütiges Übersteuern ein. Dies war aber gut beherrschbar und sorgte bei den nachfolgenden Fahrzeugen und Insassen für gehörigen Eindruck. Einzig beim Überqueren der ‚Rallentisseur‘ (künstlich aufgeschüttete Querwellen zur Entschleunigung) zeigte sich, dass die hinteren Blattfedern etwas zu hart ausgelegt sind, was selbst bei tiefen Geschwindigkeiten zum leichten Abheben der Hinterachse führte. Die ersten beiden Etappen verliefen unspektakulär. Ich fand alle kniffligen Stellen auf Anhieb und erfreute mich still und leise ab dem Herumirren der anderen Teilnehmer in den korsischen Bergwelten. Das Wetter war wiederum einfach nur schön und warm, so dass wir Abends bis spät nachts zusammen auf der Hotel-Terrasse sitzen und die tagsüber gesammelten Erlebnisse austauschen konnten.

Erste Panne in Bonnifacio

Am 3. Tag war vormittags eine Besichtung der Stadt Bonifaccio am südlichsten Teil der Insel vorgesehen. Wir trafen uns am äussersten Inselzipfel und Sardinien lag auf Grund der klaren Wetterverhältnisse zum Greifen nah. Schon auf der Fahrt vom Hotel hin zu diesem Aussichtspunkt habe ich eine gewisse Enge in der Hose gespürt, dem aber keine weitere Beachtung geschenkt. Beim Wiedereinsteigen machte sich dieses Gefühl erneut bemerkbar und bei näherer Prüfung stellte ich fest, dass ich vergessen hatte, den Hotel-Zimmerschlüssel abzugeben. Also ging es in gestrecktem Galopp zurück ins 25 km entfernte Hotel, zum Glück war fast die ganze Strecke auf der Schnellstrasse zu absolvieren. Die anderen Teilnehmer genossen inzwischen die vom Veranstalter organisierte Stadtführung, welche ich schon von meinen früheren Rallye-Teilnahmen bestens kannte. Auf der Rückfahrt nach Bonifaccio hörte ich in jedem gefahrenen Kreisel ein immer stärker werdendes klackendes Geräusch an der Hinterachse. Das verhiess nichts Gutes!

Rund um die Radmuttern kann man die Risse bereits gut erkennen.

Bei näherer Betrachtung zeigten sich rund um alle Radmuttern diverse Risse und es wären wohl keine 100 Meter vorbei gegangen und das Rad hätte sich geräuschvoll vom Fahrzeug verabschiedet. Zum Glück hatte ich zwei komplette Ersatzräder dabei und konnte deshalb den Schaden schnell beheben, so dass ich pünktlich zum Start der 3. Etappe erscheinen konnte. Der Rest des Tages verlief ereignisarm und abends checkten wir alle – die einen früher, die anderen später – im Hotel Campo del Oro in Ajaccio ein.

Die Polizei – Dein Freund und Rallye-Teilnehmer

Auch der Donnerstag verlief ohne nennenswerte Zwischenfälle. Es war vom vorgegebenen Zeitrahmen her die anspruchsvollste Etappe und es blieb wenig Zeit, die Naturschönheiten zu geniessen. Dafür haben wir zuhinterst in den korsischen Bergen eine Polizei-Patroullie getroffen, welche sich alle Mühe gab, einigen Rallye-Fahrzeugen zu folgen. Es entwickelte sich ein veritables Verfolgungsrennen, selbstverständlich (fast) immer innerhalb der vorgesehenen Geschwindigkeitslimiten (ohne Scherz: Versuche mal, in den korsischen Bergen mehr als 90 km/h zu erreichen …) und die Polizisten hatten mindestens soviel Spass und Pneuverschleiss wie wir. Irgendwann gaben sie auf, denn gegen einen mitfahrenden Porsche aus dem Jahre 1983 hatten sie selbst mit ihrem modernen Peugeot nicht den Hauch einer Chance und liessen uns mit wohlwollender Miene vorbeiziehen. Nach einem weiteren opulenten Mittagessen ging es von Evisa aus in freier Fahrt durch die von der Sonne wunderschön beleuchteten Calanches zurück nach Ajaccio, wo wir bis in die späte Nacht hinein den traditionellen korsischen Abend feierten.

Unerwarteter Ruhetag in Ajaccio

Am Freitag wären wir vormittags beim Bürgermeister von Ajaccio zum Empfang eingeladen gewesen. Ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt streikten die korsischen Kinderkrippen-Betreuerinnen in Ajaccio und die Polizei sperrte alle Zufahrten zum Stadtzentrum ab. So blieb uns nichts anderes übrig, den Pool und/oder den nahe gelegenen Sandstrand aufzusuchen und die Zeit mit Faulenzen, guten Gesprächen und mindestens einer Flasche Rosé totzuschlagen, was uns erwartungsgemäss ganz gut gelungen ist. 😎

Wenn das Motorenöl nicht nur im Motor zirkuliert

Der Samstag startete gut und problemlos, aber mit der Zeit roch es im Innenraum immer mehr nach verbranntem Öl. Eine kurze Inspektion zeigte auf, dass es beim Nippel der Kupferleitung vom Ölfilter zum Motorengehäuse leicht tropfte. Da der Ölverlust aber sehr klein war, fuhr ich weiter und nahm mir vor, über Mittag den Nippel stärker anzuziehen. Die Tropferei nahm aber im Laufe der Strecke stetig zu und so konnte es wohl kaum an einem locker angezogenen Nippel liegen, zumal dieser in der Tat fest angezogen war. Also demontierte ich über Mittag die ganze Ölleitung und musste feststellen, dass der Anschlussbördel unter dem Nippel schon bis zur Hälfte des Leitungumfangens angerissen war (ein Bördel ist eine trichterförmige Aufstülpung am Ende der Kupferleitung). Da half alles Anziehen nichts mehr! Der alte Bördel musste abgeschnitten und ein neuer Bördel gepresst werden. Ich hatte alles Nötige dabei, ausser natürlich einem Bördelgerät. Wie das Leben so spielt, es war Samstag und keine Garage offen. Mit viel Improvisationsgeschick und garantiert den falschen Werkzeugen konnte ich selber einen Bördel pressen/biegen/drücken/würgen und tatsächlich, es passte am Schluss alles zusammen und war erst noch dicht. 8 Minuten vor dem offiziellen Start zur nächsten Halbetappe war ich wieder bereit, zwar mit knurrendem Magen, aber das Tat nichts zur Sache: ‚Luigi‘ lief wieder wie am Schnürchen!

Nicht IMMer halten die Räder das ein, was man von ihnen erwartet

Die folgenden Etappen liefen alle mehr oder weniger geordnet ab und bis zum Vorabend der letzten Etappe hatte ich (wissentlich) noch keine Strafpunkte eingesammelt. Am letzten Tag ging es wie gewohnt um 08:30 im Minutenabstand in Ile Rousse los und wir erklommen einmal mehr die korsischen Berge. Die Sonne und die Wärme setzten wohl allen etwas zu, denn bei einer Abzweigung hoch oben in den korsischen Wäldern übersahen wir doch alle ein für korsische Verhältnisse vermutlich gut sichtbar angebrachtes Schild ‚Route barré‘. So fuhren wir erst rund 20 km später auf eine mitten in der Strasse parkierte Teerwalze auf, welche ein Fortkommen auch für geübte Offroad-Rallyefahrer verunmöglichte. Die Strasse lies von der Breite her so oder so kein Kreuzen zu und links ging die Böschung steil hoch, während sie rechts ebenso steil runter ging. Also war Rückwärtsfahren angesagt, was sich bei einigen Teilnehmern zur wohl grössten Herausforderung der ganzen Rallye entwickelte. Aber auch das gelang irgendwann und nun galt es, die verlorene Zeit aufzuholen! Gemäss dem bekannten Rallyefahrer Walter Röhrl sollten sich bei Rallyefahrzeugen die Mücken auf den Seitenscheiben ansiedeln und getreu diesem Motto nahmen wir die restlichen 40 km unter die Räder. Die Fahrzeuge und wir gaben alles, bis ich 10 km vor dem Ziel in einer Linkskurve das gleiche klackende Geräusch wie am dritten Tag hörte, diesmal aber rechts. Noch bevor ich anhalten konnte, gab es zuerst einen Knall, dann einen Hopser mit nachfolgendem Schlag und das rechte Hinterrad verabschiedete sich in die nahe gelegenen Büsche und von dort aus in ein Bachbett. Auch diesmal war die Felge bei den Radmuttern ausgebrochen, nur konnte ich dieses Mal nicht genügend schnell anhalten. Mit Hilfe eines weiteren Rallye-Teilnehmers konnte ich das Fahrzeug, welches hinten rechts auf der Bremstrommel stand, aufbocken und das zweite Ersatzrad montieren. Der Kotflügel rechts wies zwar keine Kataloggrösse mehr auf, das abgerissene Rad musste ja irgendwie unter dem Kotflügel raus, aber ansonsten gab es keine weiteren sichtbaren Schäden, selbst die Bremse funktionierte noch einwandfrei. 12 Minuten später konnte ich schon wieder weiterfahren, die Zeit wurde jetzt langsam aber sicher sehr knapp. Glücklicherweise gab es auf diesem abgelegenen Strassenstück kaum Verkehr, so dass ich das Ziel tatsächlich noch zwei Minuten zu früh erreichte und dadurch von Strafpunkten verschont blieb. So hat es dann doch noch zum Gesamtsieg gereicht 😎 .

Fazit dieser Rallye: Probefahrt für die Südafrika-Rallye ist geglückt!

Einmal mehr diente die Korsika-Rallye zur Vorbereitung einer länger dauernden Rallye. Irene und ich gehen im Oktober/November mit ‚Luigi‘ für 4 Wochen nach Südafrika und nehmen an der 6. Safari Challenge teil. An ‚Luigi‘ muss ich nur noch wenige Kleinigkeiten optimieren, den Trip-Master einbauen und – nicht weiter verwunderlich – stärkere Felgen auftreiben. ‚Luigi‘ wurde übrigens fast ausschliesslich von Marcel Moser und Reto Caviglia von der Fischer Classic Cars GmbH im luzernischen Rain aufbereitet und sie haben einmal mehr ausgezeichnete Arbeit geleistet. Ausser der gebrochenen Ölleitung (gehört ins Kapitel Pipifax) und den gebrochenen Felgen (da können sie nichts dafür) ist kein einziger anderer nennenswertes Defekt aufgetreten. So macht es Freude, solche Rallyes zu bestreiten!

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