2018

15. Winter RAID – 17. bis 20. Januar 2018

Diesmal ist ‚Luigi‘ dran, die winterlichen Alpen kennen zu lernen. Zusammen mit Giancarlo Tottoli werden wir 26 Alpenpässe/Bergstrecken mit mehr als 26’000 Höhenmetern unter die Räder nehmen. Wenn da nur niemandem die Luft ausgeht, vor allem nicht den Reifen, denn in diesen Höhen und der anzunehmenden Kälte ist ein Reifenwechsel kein Vergnügen. Giancarlo wird da wohl vorher noch etwas üben müssen …

16. Januar 2018

Gegen 17:00 Uhr trafen Regina, Giancarlo und Irene am Bahnhof in St. Moritz ein und wurden von einem Shuttelbus abgeholt und ins nahe gelegene Hotel gebracht, wo ich sie bereits erwartete. Unsere Frauen haben keine Mühen und Kosten gescheut, anderntags am Start dabei zu sein! Selber bin ich schon mehrere Tage früher nach St. Moritz gereist, habe die Coppa Romana besucht und mit ‚Luigi‘ einige Kilometer auf Schnee zurückgelegt und schleudernderweise diverse Parkplätze unsicher gemacht. Den Abend haben wir gemütlich im Hotel-Restaurant verbracht und letzte Rallye-Vorbereitungen getroffen.

17. Januar 2018

Über Nacht hat es leicht geschneit, was die Vorfreude – mindestens bei mir – entsprechend erhöhte. Pünktlich um 13:00 Uhr erschienen ‚Luigi‘, Giancarlo und ich an der Technischen Kontrolle im Busdepot in St. Moritz Bad, welche wir problemlos und ohne Strafpunkte absolvierten. Danach ging’s Richtung Fussgängerzone in St. Moritz-Dorf, wo wir ‚Luigi‘ abstellten und uns den Fragen der interessierten Zuschauer stellten. Der Schneefall hat weiter zugenommen, was uns aber nicht sonderlich störte, denn die Standheizung leistete ganze Arbeit und hielt die Scheiben schneefrei. Nach der Verabschiedung unserer Lieben starten wir wie vorgesehen um 15:02 Uhr zum Prolog. Dieser führte uns zuerst via den Malojapass nach Vicosoprano, dann zurück nach St. Moritz, darauf auf die Julierpasshöhe und wieder zurück nach St. Moritz. Zwischendurch mussten wir mehrere Sonderprüfungen absolvieren, was uns immer besser gelang. Das Fahren auf den schneebedeckten Fahrbahnen machte grossen Spass, ‚Luigi‘ verhielt sich sehr gutmütig, kündete das Ausbrechen der Hinterachse frühzeitig an und wühlte sich dank der Differenzialsperre kontinuierlich durch den Schnee. Vor dem Julierpass war das Schneetreiben so gross, dass wir doch glattwegs das Signal ‚Schneeketten obligatorisch‘ übersehen haben 🙂 . Das störte unseren Vorwärtsdrang nicht im mindesten und wir fuhren in zügigem Tempo den Pass hinauf, soweit das der Schneesturm und die Sichtverhältnisse überhaupt zuliessen. Am Fahrerbriefing warnte uns der Veranstalter nochmals eindrücklich vor dem Wetter, dem Schnee und den Gefahren am Julier. Das einzige Fahrzeug, welches dann tatsächlich von der Strecke abkam, war ein Begleitfahrzeug des Veranstalters! Gegen 18:00 Uhr trafen wir im Hotel in Pontresina ein, wo wir ein interessantes Nachtessen serviert bekamen und den Abend gemütlich an der Bar ausklingen liessen.

18. bis 20. Januar 2018

Am ersten Morgen gab es im Kieswerk Montebello eine interessante Sonderprüfung auf abgesperrter Strecke, bevor es dann über den Bernina und vielen Umwegen weiter nach Cortina d’Ampezzo ging. Unterwegs absolvierten wir diverse Sonderprüfungen, Giancarlo führte uns zielsicher von einem Punkt zum nächsten und auch fahrerisch hatten wir keine Schwierigkeiten. Strafpunkte gab es leider trotzdem, denn einmal wurden wir durch ein anderes Fahrzeug an der zeitgerechten Zieldurchfahrt gehindert und am Abend des ersten Tages kamen wir 4.8 Sekunden zu spät ins Ziel, dies weil wir vergeblich nach einer nicht vorhandenen Sonderprüfung gesucht haben und weil uns auf den letzten 10 Kilometern der Strecke ein Skibus voranfuhr und sich einfach nicht überholen liess.

Am zweiten Tag verfuhren wir uns nur einmal, dafür aber prächtig und weil wir es infolge der ähnlichen Streckenverläufe lang nicht merkten, verloren wir viel Zeit und verpassten erst noch eine Schlauchprüfung. Auf dem Strafpunktekonto rasselte es ganz erheblich und wir sahen uns schon ins letzte Viertel der Rangliste versetzt. Erst beim abendlichen Verteilen der Tagesresultatblätter erkannten wir, dass wir uns mit unserem ‚Verfahrer‘ in bester Gesellschaft waren und bestellten sicherheitshalber nochmals eine Flasche Prosecco, welche wir mit anderen Leidensgenossen teilten.

Der dritte Tag war dann unser Tag! Ausgerechnet auf der schwierigsten Sonderprüfung, einer sog. ‚Hidden-End‘-Prüfung kamen wir mit weniger als 1 Sekunde Fehlzeit an, was uns einen glatten und selten erreichten ‚Nuller‘ bescherte. Am Start erhielten wir ein Blatt Papier, auf welchem pro 100 Meter die einzuhaltende Durchschnittsgeschwindigkeit eingetragen war. Die Strecke ging diesmal über maximal 4 km, aber man wusste nicht, wo das Ende gemessen wurde. Giancarlo musste also auf Grund dieser Angaben auf dem Papier und mit Hilfe des Tripmasters und der Stoppuhr mir alle 100 Meter angeben, wie schnell ich fahren durfte. Ich musste nicht nur fahren und die Geschwindigkeit überwachen, sondern auch gleichzeitig die Navigation übernehmen. So fuhren wir mit Geschwindigkeiten von 20 bis 45 km/h durch die Gegend, hielten andere Fahrzeuge auf, überfuhren wenigstens keine Fussgänger und waren dann irgendwann bei Kilometer 4 angelangt, ohne dass wir erkannt hätten, wo die Zeit gemessen wurde. Es hat alles zusammen gepasst und man hätte meinen können, wir hätten das schon tagelang geübt.

Gegen 17:00 Uhr kamen wir wieder in St. Moritz an. Die Zieleinfahrt in der Fussgängerzone war erneut von vielen Zuschauern gesäumt und der Weg führte dann auch am Hotel Palace vorbei. Offenbar waren wir aber zu früh angekommen, denn der Cüplistand war noch nicht aufgebaut und so fuhren wir direkt ins Hotel Reine Victoria, wo wir unsere Zimmer bezogen. Schon um 18:00 Uhr begann das traditionelle Fondue-Essen, begleitet von Ländlermusik und Ansprachen. Bei der Preisverteilung haben wir uns nicht vorgedrängt, erreichten aber trotz des gröberen Fehlers am zweiten Tag den 11. Schlussrang. In der nicht separat gewerteten Kategorie der Vorkriegsfahrzeuge haben wir gewonnen, was aber keine besondere Leistung war, denn es gab total nur deren drei Fahrzeuge. Zufrieden, etwas müde und nach einem Abstecher in die Bar fanden wir dann doch noch zu einer relativ vernünftigen Zeit den Weg ins Bett.

21. Januar 2018

Über Nacht hat es 40 cm geschneit und ‚Luigi‘ war auf dem Parkplatz kaum mehr zu erkennen. Giancarlo hat dann das Fahrzeug schon früh am Morgen und eigenhändig vom Schnee befreit, so dass ich ‚Luigi‘ nur noch durch den zugeschneiten Parkplatz pflügen musste, was uns dank der hohen Bodenfreiheit auch tatsächlich gelang. Die anderen Fahrer brachten ihre tiefer liegenden Boliden nicht aus dem Schnee und mussten auf den Pflug warten oder auch noch den Weg freischaufeln. Gegen 10:00 Uhr verliessen wir das Engadin über die noch einzige verbliebene offene Strecke, den Julierpass. Unnötig zu erwähnen, dass ich das Schild ‚Schneeketten obligatorisch‘ schon wieder übersehen habe … 🙂

Die Rallye mit Giancarlo hat Spass gemacht. Für ihn war es die erste Veranstaltung dieser Art und vermutlich ist er auch noch nicht häufig in Fahrzeugen mitgefahren, bei welchen in Kurven die Hinterachse zum Überholen der Vorderachse ansetzt. Auch wenn wir zwischendurch eifrig Strafpunkte gesammelt haben, vom ‚Nuller‘ in der ‚Hidden-End‘-Sonderprüfung werden wir noch auf dem Friedhof erzählen!

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