2013

10. Winter-RAID – 16. bis 19. Januar 2013

Bereits zum 5. Mail haben Irene und ich einen Winter-RAID hinter uns gebracht. Diesmal ging es während dreieinhalb Tagen von St. Moritz nach Cortina d’Ampezzo und zurück. Dabei waren rund 1‘100 km mit 26 Alpen- und Dolomitenpässen und mehr als 50 Bergstrecken zurückzulegen. Dieses Jahr lag in den Dolomiten besonders viel Schnee, fast alle Pässe und Bergstrecken wiesen verschneite/vereiste Fahrbahnen auf.

Das diesjährige Teilnehmerfeld mit mehr als 60 Fahrzeugen schien besonders stark zu sein. Einige Equipen teilten sich zwei Service-Fahrzeuge mit Mechanikern , welche den ganzen Tross begleiteten und bei den betreffenden Oldtimern vor den Pässen in Windeseile Spikesreifen aufzogen und nach den Pässen wieder auf normale Winterreifen wechselten. Das verhiess nichts Gutes!

Schon der Nachtprolog vom Donnerstag auf den Bernina-Pass war ein Sprung ins kalte Wasser. Vor dem Start in St. Moritz begann es zu schneien und die Strassen nahmen zusehends Schnee an. Wir kamen recht gut voran und holten den eine Minute früher gestarteten Mitbewerber auf seiner aufgeblasenen Hornisse (irgend so ein MG mit grossem Auspufftopf und deutschem Kennzeichen) bald ein. Als dieser dies bemerkte, packte ihn der Ehrgeiz! Er fuhr zwar nicht wesentlich schneller als vorher, gab sich aber alle Mühe, uns nicht vorbei zu lassen. Nach Pontresina gelang uns dann trotz schwierigen Strassenverhältnissen zu überholen, doch reichte die Zeit nicht mehr aus, zum geforderten Zeitpunkt auf dem Parkplatz bei der Talstation Lagalb anzukommen. Auf dem Rückweg hatten wir in der Kiesgrube Montebello einen Rundkurs zu absolvieren. Auf dem Rücksitz unseres Ford Mustangs nahmen jetzt ein Kameramann und ein Reporter des Schweizer Fernsehen Platz (diese haben einen anderen Fahrer und uns während der Rallye begleitet und gefilmt, der Beitrag kommt heute Abend im 10vor10). Kenner des Mustangs können sich etwa vorstellen, wie viel Platz für den Fahrer übrig blieb und wo meine Knie ungefähr waren. Nun ja, das Armaturenbrett musste ja sowieso mal abgestaubt werden! Mit der Kamera im Genick und geblendet durch das Filmlicht kamen wir mehr oder weniger gut über die Runden, letztendlich war ich aber froh um das zusätzliche Gewicht, da wir sonst wohl wie einige andere im Schnee stecken geblieben wären.

Die folgenden drei Tage waren recht anstrengend. Noch nie legten wir so viele Kilometer auf Schnee und Eis zurück und einige Passhöhen erreichten wir buchstäblich auf dem letzten Profilblock. An ein normales Fortkommen war mit dem Mustang kaum zu denken, der Hinterradantrieb liess das Heck fast permanent ausbrechen und nach mancher Haarnadelkurve kamen wir fast zum Stillstand, konnten aber jedes Mal wieder beschleunigen. Dabei galt es auch noch, die übrigen Verkehrsteilnehmer im Auge zu behalten, diesen auszuweichen oder zu überholen (zum Glück war nur wenig bis kein Verkehr). Trotzdem konnten wir jede Sonderprüfung in der vorgegebenen Zeit absolvieren, wenn manchmal auch nur sehr knapp. Die Fahrt von den Passhöhen runter in die Täler war noch anspruchsvoller, denn insbesondere in den Haarnadelkurven war teilweise blankes Eis. Das haben allerdings nicht alle Rallyeteilnehmer frühzeitig bemerkt und es gab einige, welche den direkten Kampf mit den Leitplanken aufnahmen und erwartungsgemäss verloren. So mancher Zusatzscheinwerfer ging in die Brüche und mehrere Vorderfronten und Seitenteile wurden in neue Abmessungen gequetscht. Zum Glück geschah alles bei niedrigen Geschwindigkeiten und ohne Personenschäden. Nur ein Porschefahrer aus dem nördlichen Nachbarland schaffte es, im Tal auf aperer Strasse ein Fahrzeug zu überholen und sowohl das überholte wie auch das zu früh entgegengekommene (aus Sicht des Porschefahrers) Fahrzeug gleichzeitig abzuschiessen. Aber auch hier gab es zum Glück nur Blechschaden! Alles in allem fiel rund ein Drittel aller Fahrzeuge aus irgendwelchen technischen oder Unfallgründen während mindestens einer Etappe aus.

Auch Oldtimer können am Morgen ein zerknittertes Gesicht haben

Auch Oldtimer können am Morgen ein zerknittertes Gesicht haben

Auch wir waren von einer technisch bedingten Panne betroffen. Auf dem Sellapass wurde das Auspuffgeräusch immer lauter und die Inspektion ergab, dass sich die drei Schrauben einer Auspuffverbindung auf der linken Seite gelöst hatten. Zwei Schrauben hatte ich schon ganz verloren und die dritte hätte auch nicht mehr lange gehalten. Da ich über keinen Servicewagen verfügte, musste ich bei -10 Grad Celsius auf 2‘100 Meter ü. M. die Reparatur selber vornehmen (Bild 2)! Man muss aber auch das Positive sehen: Es war zum Glück so kalt, dass der Schnee an den Kleidern nicht schmolz sondern nur abgeklopft werden konnte und der Auspuff zu Beginn noch so warm war, dass die Finger nicht am Metall festklebten. Die ganze Übung war in 15 Minuten erledigt, so dass wir doch noch ohne Strafpunkte ins Ziel kamen.

Unsere Strafpunkte haben wir ganz anders gesammelt: Es ist mir doch tatsächlich gelungen, bei einer Sonderprüfung in der Hitze des Gefechts die Zeit falsch von der Uhr abzulesen (doch, doch, das geht!) und wir fuhren rund 10 Sekunden zu früh durch das Ziel, was uns mehr als 100 völlig unnötige Strafpunkte einbrachte! Weitere kleinere konzentrationsbedingte Fehlerchen haben unsere Punktesammlung abgerundet, so dass wir schliesslich vom möglichen 3. Schlussrang auf den 14. Platz zurückfielen (im letzten Jahr wären wir mit der gleichen Punktezahl auf dem 2. Platz gelandet).

Mit voller Konzentration um die Kurve

Mit voller Konzentration um die Kurve

Einmal mehr haben wir als Team eine interessante und anspruchsvolle Rallye in wunderschönen Bergregionen geniessen können und sind unfallfrei ans Ziel gekommen. Auch der Spass kam nicht zu kurz, auch wenn man das auf dem Bild nicht so deutlich erkennen kann.

Beitrag kommentieren